IKP
20.10.2016

Schulautonomie-Paket der Regierung:

Fachgruppe UBIT Wien fordert professionelles Schulstandort-Management und eine Entlastung der Lehrkräfte. „Lehrer müssen sich wieder auf das Unterrichten konzentrieren können.“

UBIT_Martin Puaschitz

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Am Dienstagvormittag legte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid das neue Schulautonomie-Paket vor. Demnach sollen künftig bis zu acht Standorte von nur einer Direktorin/einem Direktor geleitet werden. Ob eine Person diese Marathon-Aufgabe bewerkstelligen kann, ist jedoch fraglich. Die Fachgruppe UBIT Wien gibt außerdem zu bedenken, dass dafür neue Strukturen und spezielles Know-how notwendig sind und fordert gleichzeitig eine Professionalisierung des Schulmanagements: Der Lehrkörper soll sich wieder vermehrt auf seine Kernkompetenz, “das Unterrichten“, konzentrieren können. Eine Entlastung der Pädagogen durch eine höhere Professionalisierung würde zu verbesserten Unterrichtsergebnissen führen, wie eine internationale Studie zeigt: Je professioneller eine Schule gemanagt wird, desto höher ist der Lernoutput der Schüler. Bessere Schulbildung reduziert so langfristig die Kosten für das Sozialsystem.
 
„Die heimischen Unternehmensberater, IT-Dienstleister und Buchhalter verfügen über breites Know how, das sich tagtäglich in der Realwirtschaft bewährt. Wenn nun auch Schulen die Möglichkeiten eingeräumt bekommen, auf breiter Ebene von diesem Wissen zu profitieren, kann dies für das österreichische Schulsystem nur positiv sein“, sagt Martin Puaschitz, Obmann der Standesvertretung der Wiener Unternehmensberater, Buchhalter und IT-Dienstleister (Fachgruppe UBIT Wien).
 
Bis spätestens Weihnachten soll das geplante Autonomiepaket den Ministerrat passieren und die Qualität der heimischen Schulen dadurch gesteigert werden. Dass die Schulleitung künftig für Personalentscheidungen Verantwortung tragen soll, setzt jedoch Strukturveränderungen und umfangreiche Aus- und Weiterbildungen voraus – wichtige Punkte, die in den bisherigen Diskussionen untergingen. „Direktoren sind zwar zweifelsohne hochqualifizierte Pädagogen, verfügen aber selten über jene umfassenden Managementkenntnisse, die es braucht, um mehrere Standorte zu führen. Direktoren sind heute Lehrer, die morgen plötzlich auf einen Managementposten gesetzt werden und niemanden haben, der sie bei dieser Herausforderung mit Management-Know-how begleitet. Professionelle Personal- und Organisationsberater könnten hier nicht nur Inputs für eine erfolgreiche Führungs- und Unternehmenskultur geben, sondern auch Lehrer entlasten“, erklärt Sabine M. Fischer, Obmann-Stellvertreterin der Fachgruppe UBIT Wien. 
 
Gutes Schulmanagement sorgt für bessere Unterrichtsergebnisse
Obmann-Stellvertreterin Sabine M. Fischer stellt außerdem klar: „Es wäre effizienter, wenn die in Schulen eingesetzten Ressourcen dem Kerngeschäft dienen, sprich dem Unterrichten. Damit sich Lehrer im Unterricht bestmöglich engagieren können, fordern wir daher eine Professionalisierung des Schulbetriebes. Ohne Unterstützung von außen wird das kaum möglich sein. Sprich, es braucht professionelles Management in Form von Experten, die die dafür notwendigen Veränderungsprozesse begleiten und an den konkreten Anforderungen des jeweiligen Standortes ausgerichtet agieren können und dürfen.“ Je professioneller das Management, desto besser sind letztendlich auch die Unterrichtsergebnisse. Das bestätigt eine groß angelegte internationale Studie: Laut „Does Management Matter?“ benötigen Lehrer – wie alle Mitarbeiter von Unternehmen bzw. Organisationen – gutes Management, um gut zu arbeiten. Dementsprechend ist das Management der Schule ein entscheidendes Kriterium für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler. Kurzum, am besten schneiden Schülerinnen und Schüler jener Schulen ab, die vor allem im People’s Management (Führung und Personalentwicklung) gut geführt werden: Fühlen sich Lehrer wertgeschätzt und mit ihren Anliegen respektiert, dann ist der Lernoutput der Absolventen größer und die Drop-out-Rate geringer.
 
Spezialisten einbinden und Lehrkörper entlasten
Um den Output des Schulsystems zu steigern und langfristig Kosten auch im Sozialsystem (AMS, Sozialfürsorge) zu sparen, empfiehlt es sich, Unterstützung für Führungsfragen und Personalmanagement zur Verfügung zu stellen und organisatorische Aufgaben an externe Dienstleister auszulagern – und zwar an Profis. „Konkret könnten zum Beispiel professionelle Buchhalter anstelle von Lehrern Schulskikurse abrechnen oder die Netzwerkadministration am Schulstandort von IT-Spezialisten anstatt von Lehrern durchgeführt werden. Unternehmensberatung kann unter anderem in den Bereichen Prozessmanagement, Schulkultur und Marketing helfen, etwa mit Tipps, wie Drittmittel lukriert werden können“, so Sabine M. Fischer.
 
„Aus Stroh Gold zu spinnen funktioniert nicht“
Dass ineffiziente Prozesse innerhalb der Schulen momentan kaum jemanden stören, wundert die Unternehmerin nicht: „Für das Ausfüllen von zusätzlichen Listen für das Ministerium fallen schließlich keine Überstunden an. Lehrer, Administratoren und Direktoren erledigen die Verwaltungs-Zusatzarbeit in ihrer Freizeit.“ Das erklärt auch die hohe Burn-out-Rate unter Lehrern, die laut Fischer endlich vom Ministerium offengelegt werden muss, will man betriebs- und volkswirtschaftlich die richtigen Investitionen tätigen. 
 
Ressourcen für eine Entlastung wären ausreichend vorhanden: In einer von der Fachgruppe UBIT Wien durchgeführten Umfrage gaben knapp 67 % der Unternehmensberater an, Ressourcen für eine solche Dienstleistung bereitstellen zu können. Rund 24 % waren bereits für Schulen als Berater tätig. Die Kosten wurden von den Schulen selbst bzw. vom Elternverein übernommen. „Auch hier ist die Regierung gefordert. Es kann nicht immer nur um Kosteneinsparungen gehen und gleichzeitig erwartet werden, dass mit wenig Raum-, Zeit- Wissens- und Betreuungsressourcen Lerninhalte kompetenzorientiert vermittelt werden. Kurz gesagt: Aus Stroh Gold zu spinnen funktioniert nicht“, so Sabine M. Fischer, die außerdem zu bedenken gibt: „Das Geld, das wir anscheinend an Schulstandorten sparen, zahlen wir später für Arbeitslosigkeit, Kriminalitätsbekämpfung, Weiterbildungsmaßnahmen und Konjunkturprogramme.“
 
Fachkräftemangel als Folge der Sparmaßnahmen
Dass kein frisches Geld in das Bildungssystem fließt, ist auch für Puaschitz ein Problem. Er steht in ständigem Kontakt mit seinen Mitgliedern und weiß: „Vor allem im IT-Bereich leiden die Unternehmen an einem akuten Fachkräftemangel. Es gibt momentan einfach nicht genug qualifizierte Bewerber. Bildung ist für den Wirtschaftsstandort Österreich die Basis zur Absicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb muss hier dringend mehr investiert werden, wenn wir nicht endgültig den Anschluss verspassen wollen.“
 
 
Über die Fachgruppe UBIT Wien
Die Fachgruppe UBIT Wien ist im Bereich der Wirtschaftskammer die Standesvertretung der Wiener Unternehmensberater, Buchhalter und IT-Dienstleister. Mit rund 20.000 Mitgliedern zählt sie zu den größten Fachgruppen Österreichs. Als Servicestelle und Informationsnetzwerk bietet die Fachgruppe ihren Mitgliedern regelmäßig branchenspezifische Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsseminare. 
 
Das rasche Wachstum der Fachgruppe UBIT Wien spiegelt einerseits die zunehmende Bedeutung jeder einzelnen UBIT-Berufsgruppe wider, andererseits ist es auch Ausdruck des Strukturwandels bei den Unternehmen: Rund 70 % der UBIT-Mitglieder arbeiten als Ein-Personenunternehmen und fast die Hälfte der Unternehmen ist in den letzten fünf Jahren gegründet worden. Die UBIT-Mitglieder sind zudem bereits für rund 15 Prozent der Wiener Wirtschaftsleistung verantwortlich.
 
Die Dienstleistungen und Beratungstätigkeiten der UBIT-Mitglieder bilden eine wichtige Basis für die Sicherung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Wien.
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