Lustenau (A). Bereits seit Ende des vorigen Jahres verfolgt die Kremmel & Schneider GmbH in Lustenau einen nachhaltigen Sanierungskurs. Heuer im Jänner startete das Unternehmen dann erfolgreich ein „Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung“. Dieses Verfahren wurde Mitte April per Eigenantrag auf ein „Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung“ abgeändert. Am Donnerstag, 30. April 2026, wurde der vorgelegte Sanierungsplan angenommen und Kremmel & Schneider kann nun den operativen Betrieb und die eingeschlagene Neuausrichtung weiter vorantreiben.
Kremmel & Schneider ist spezialisiert auf die Bereiche Elektroinstallationen, Elektromobilität, Smarthome sowie Netzwerk- und Sicherheitstechnik. Zuletzt sicherte sich der Lustenauer Elektrotechnik-Experte auch verstärkt Aufträge mit der Installation von Wallboxen, Ladesäulen und individuellen Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Nachdem das Unternehmen schon im vergangenen Jahr durch die anhaltend schwierige Marktlage in der Bauwirtschaft zunehmend in wirtschaftliche Turbulenzen geriet, wurde heuer im Jänner ein Sanierungsverfahren begonnen. Vor allem größere GU-Projekte waren in Verbindung mit steigenden Material- und Personalkosten immer schwieriger positiv umzusetzen. Und gerade dieser Bereich sorgte auch in den vergangenen Wochen im Rahmen der laufenden Sanierung für weitere Herausforderungen und vor allem für unerwartete, zusätzliche Schadenersatzansprüche.
Sanierungsplan angenommen
Kremmel & Schneider hat im April beim zuständigen Landesgericht in Feldkirch ein geändertes Verfahren, nämlich ohne Eigenverwaltung, beantragt. Der dafür vorgelegte Sanierungsplan wurde am Donnerstag, 30. April 2026, angenommen – von den 99 Gläubigern haben alle bis auf einen zugestimmt. Damit kann der schon seit längerem eingeschlagene Sanierungskurs, der inzwischen auch erste Früchte trägt, nachhaltig und konsequent weiter fortgeführt werden. „Möglich war dies nur durch ein abgestimmtes Vorgehen und die Zustimmung wichtiger Hauptgläubiger, nämlich vor allem größere Bauträger, die zusätzlich von einem Teil ihrer Ansprüche zurückstehen. Wir konnten glücklicherweise sämtliche Möglichkeiten, die das Insolvenzrecht aus Sicht eines Schuldners zu bieten hat, nutzen, um das Sanierungsverfahren – wenn auch nicht mehr in Eigenverwaltung – erfolgreich abzuschließen“, informiert Rechtsanwalt Dr. Tobias Gisinger von der Dornbirner Kanzlei SKBGL, der Kremmel & Schneider juristisch begleitet.
Kostensenkung und neuer Firmensitz
Schon im vergangenen Jahr wurden konkrete Maßnahmen gesetzt, um die Kostenstruktur aber auch die Effizienz der internen Arbeitsabläufe zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu steigern. „Mit Beginn des Sanierungsverfahrens im Jänner haben wir diese Restrukturierungsschritte nochmals weiter vorangetrieben und uns aus der Abwicklung von Großprojekten zurückgezogen. Leider mussten wir infolge zehn Mitarbeitende freistellen“, informiert Geschäftsführer Patrick Sotelschek. Darüber hinaus wurden weitere Fixkosten gesenkt und die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt. Zudem wird Kremmel & Schneider ab Mai ein neues, kleineres Firmengebäude beziehen und sich wieder verstärkt auf das ursprüngliche Kerngeschäft, die Bereiche Elektroinstallationen, Elektromobilität und Smarthome konzentrieren. „Ab sofort werden wir an unserem neuen Standort in der Kirchstraße 40 in Lustenau arbeiten und den eingeschlagenen Weg mit einem verkleinerten, aber top motivierten Team konsequent fortsetzen“, zeigt sich Sotelschek optimistisch und ergänzt: „Gerade bei der Installation von Wallboxen und Ladestationen sehen wir aktuell wieder vermehrt Auftragseingänge und damit positive Signale für den Geschäftsverlauf im laufenden Jahr.“
20-Prozent-Quote angenommen
„Auch im geänderten Sanierungsverfahren ist das erklärte Ziel, das etablierte Lustenauer Unternehmen weiter auf einen erfolgreichen Kurs zu bringen. Durch die Annahme des Sanierungsplans ist die Chance dafür nun deutlich gestiegen. Dasselbe gilt auch für die Gläubiger und die Finanzierung der angestrebten Quote im Verfahren“, so RA Gisinger. Aktuell sind bei Kremmel & Schneider insgesamt 23 Personen angestellt, davon neun Lehrlinge. Die Verbindlichkeiten (Passiva) der Kremmel & Schneider GmbH belaufen sich auf rund 3,1 Mio. Euro. Im Rahmen des Sanierungsverfahrens wird eine 20-Prozent-Quote innerhalb von zwei Jahren für die Gläubiger angestrebt.
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