Wien, im April 2026 – Prüfungsstress, Konzentration, Lernen – all das funktioniert nur mit einem kühlen Kopf. Und dafür braucht es einen kühlen Raum. Der Bundesverband Sonnenschutztechnik (BVST) macht einmal mehr darauf aufmerksam, dass überhitzte Räume in Schulen, Universitäten, Büros und Wohnungen zunehmend zum Problem werden – und zeigt, was dagegen helfen kann.
Es ist Juni. In einer Schulklasse klettert die Temperatur bereits auf 32 Grad – obwohl die Außentemperatur tagsüber nie über 25 Grad gestiegen ist. Solche Situationen sind keine Ausnahme, sondern gehören in vielen österreichischen Schulen zum frühsommerlichen Alltag.
Eine Messstudie von Greenpeace und der Universität für Bodenkultur Wien*) hat genau das dokumentiert: An 16 von 30 Messtagen überschritt die Temperatur in den Klassenzimmern eines Wiener Gymnasiums die 30-Grad-Marke. Gleichzeitig waren die CO₂-Werte so hoch, dass Lüften eigentlich notwendig gewesen wäre – was wiederum zusätzliche Hitze in den Raum gebracht hätte.
Das Problem betrifft jedoch nicht nur Bildungseinrichtungen. Auch viele Menschen im Homeoffice kennen die Situation: Bereits am Vormittag wird der Arbeitsplatz spürbar wärmer, konzentriertes Arbeiten fällt zunehmend schwer. Wer Kindern am Nachmittag einen Lernplatz anbieten möchte, erlebt Ähnliches.
Bereits 2013 stellte die World Health Organization in ihrem Europabericht fest, dass Menschen rund 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen verbringen. Umso wichtiger ist daher die Qualität dieser Räume – auch im Hinblick auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Sonnenschutz außen statt innen
Ein häufiger Fehler im Sommer: Tagsüber wird gelüftet, wodurch zusätzliche warme Luft in den Raum gelangt. Oder Fenster werden mit Innenrollos verdunkelt – deren Wirkung als Hitzeschutz jedoch begrenzt ist. Denn, sobald die Sonnenstrahlung auf die Scheiben trifft, erwärmt sich das Glas und gibt die Wärme an den Raum ab. Wirksamer ist außenliegender Sonnenschutz – etwa Raffstores oder Markisen vor dem Fenster. „Mit außenliegender Beschattung lässt sich der durch Fenster eindringende Wärmeeintrag um bis zu 95 Prozent reduzieren. In der Praxis bedeutet das häufig fünf bis zehn Grad kühlere Räume – ganz ohne Klimaanlage und ohne zusätzlichen Energieverbrauch“, erklärt DI Fuad Salic, Sprecher des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik Österreich. „Diese Form der passiven Kühlung funktioniert sowohl in Schulen als auch im privaten Bereich.“
Nachtlüftung und Beschattung als Kombination
Wer Räume im Sommer möglichst kühl halten möchte, sollte zwei Maßnahmen kombinieren: außenliegenden Sonnenschutz am Tag und gezielte Nachtlüftung, sobald die Außentemperatur sinkt.
Elisabeth Winter, BSc., Projektleiterin bei Klassenbester, beschreibt das Prinzip so: „Fensterlüftung in Verbindung mit einem effektiven Querlüftungskonzept kann sommerlicher Überwärmung entgegenwirken. Durch automatisch öffnende Fassadenfenster wird nachts kühlere Luft in das Gebäude gebracht. Am Morgen herrschen dadurch angenehmere Temperaturen, die mithilfe gut eingestellter außenliegender Beschattung länger erhalten bleiben.“ Vor allem in ostorientierten Räumen sei das wichtig, um das schnelle Aufheizen bereits in den frühen Morgenstunden zu verhindern.
Der Effekt dahinter ist einfach: Wände, Decken und Böden speichern nachts kühlere Luft. Dieser Kühleffekt bleibt jedoch nur erhalten, wenn Räume am nächsten Tag konsequent beschattet werden.
Beschattung, bereits am Morgen aktiviert, bevor die Sonne direkt ins Fenster scheint, kann diesen natürlichen Kühlpuffer deutlich länger nutzen – ob im Klassenzimmer, im Kinderzimmer oder im Homeoffice.
Forderung an die Politik
Für öffentliche Gebäude fordert der BVST klarere Vorgaben. Außenliegende Beschattung sollte bei Sanierungen und Neubauten von Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäuden verpflichtend eingeplant werden. Die österreichische OIB-Richtlinie 6, welche ab Juni 2026 verpflichtend in den Bauordnungen/Bautechnikverordnungen verankert sein wird, sieht Maßnahmen für den sommerlichen Wärmeschutz bereits vor. In der Praxis werden diese derzeit jedoch noch nicht überall konsequent umgesetzt.
„Wir können uns keine Schulen leisten, in denen Schüler*innen bei der Zentralmatura schwitzen statt denken“, sagt Fuad Salic. „Außenbeschattung in Kombination mit Nachtlüftung ist eine der energieeffizientesten und gesündesten Antworten auf immer heißere Sommer – in der Schule, im Büro und zu Hause.“
Auch privat kann sich eine entsprechende Investition schnell lohnen: niedrigere Raumtemperaturen, weniger Bedarf an Klimaanlagen und spürbar mehr Wohn- und Arbeitskomfort im Sommer. Davon profitieren besonders Kinder, die am Nachmittag lernen müssen – idealerweise bei deutlich niedrigeren Temperaturen als 32 Grad.
*https://greenpeace.at/anders-engagieren/hitzemessungen/
Über den Bundesverband SonnenschutztechnikDer Bundesverband Sonnenschutztechnik ist der Dachverband der österreichischen Sonnenschutzindustrie. Kooperationspartner sind u. a. klimaaktiv, Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO), Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), Dienstleister Energieeffizienz und Contracting Austria (DECA), Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich, Plattform Innovative Gebäude Österreich und Lichttechnische Gesellschaft Österreichs (LTG).
Der Verband repräsentiert 19 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt über 1.500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Er sichert mit einer Wertschöpfung von ca. 800 Mio. Euro an die 10.000 heimische Arbeitsplätze vor allem im gewerblichen Bereich.
Der BVST ist Gründungsmitglied des Europäischen Dachverbandes ES-SO (European Solar Shading Organization), zu dem 27 Mitgliedsverbände zählen. Verbandsweit ermöglichen alle mit Sonnenschutz verbundenen Leistungen (bis hin zu Montage und Serviceleistungen) Arbeitsstellen für 400.000 Angestellte und Arbeiter, die einen Gesamtumsatz von ca. 15 Milliarden Euro erwirtschaften.
www.bvst.at
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