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  • Der Gewinn der größten Autokonzerne sank 2025 um 59 Prozent, nur eins von 19 Unternehmen mit Gewinnwachstum
  • Durchschnittsmarge sinkt von 6,7 auf 2,8 Prozent, vier Unternehmen in den roten Zahlen
  • Belastungen von fast 60 Milliarden Euro aufgrund revidierter Elektro-Strategien

Wien, 12. April 2026. Was als Zukunftswette begann, wird für viele Autokonzerne zunehmend zur milliardenschweren Belastung: Führende Hersteller korrigieren derzeit reihenweise ihre Elektrostrategien – mit erheblichen Folgen für ihre Bilanzen. Abschreibungen auf Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und Modellreihen summieren sich bei Herstellern in Europa und den USA inzwischen auf fast 60 Milliarden Euro.

Die Folge: Der Gesamtgewinn der 19 führenden Autokonzerne weltweit brach im vergangenen Jahr um 59 Prozent ein – von 143 auf 59 Milliarden Euro. Nur ein Unternehmen – Geely – schaffte ein Gewinnwachstum (+12 %), vier Unternehmen rutschten sogar in die roten Zahlen. Weitere Belastungen zeichnen sich für das laufende Geschäftsjahr bereits ab.

Der Umsatz der Unternehmen entwickelte sich hingegen mit einem Plus von 0,6 stabil, die deutschen Autokonzerne schnitten mit einem Umsatzrückgang von 4,1 Prozent allerdings schlechter ab als die meisten Wettbewerber. Auch beim Neuwagenabsatz verzeichneten die deutschen Konzerne mit einem Rückgang von zwei Prozent eine schwächere Entwicklung als die Mehrheit der anderen Hersteller – vor allem aufgrund eines überdurchschnittlich starken Absatzrückgangs in China.

Demgegenüber konnten die drei chinesischen Unternehmen im Ranking – BYD, Geely und Great Wall Motors – ihren Umsatz und Absatz mit Wachstumsraten von 9,3 beziehungsweise 16 Prozent deutlich steigern. Allerdings mussten auch die chinesischen Hersteller Einbußen bei der Profitabilität hinnehmen: Ihr Gesamtgewinn sank um knapp 13 Prozent.

Im Ranking der profitabelsten Autokonzerne der Welt lagen im vergangenen Jahr mit Suzuki und Toyota zwei japanische Unternehmen mit Margen von 9,7 bzw. 8,5 Prozent vorn. Es folgen Kia (8,0 %) und BMW (7,6 %). Die Durchschnittsmarge der analysierten Unternehmen schrumpfte von 6,7 auf 2,8 Prozent und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Selbst im Pandemie-Jahr 2020 lag sie mit 3,9 Prozent höher.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 19 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY quartalsweise erstellt.

„Die Automobilbranche befindet sich derzeit in einer äußerst angespannten Lage, die für einzelne Hersteller sogar existenzielle Risiken birgt. In den vergangenen Jahren wurden Investitionsentscheidungen vielfach auf optimistische Annahmen zu Marktwachstum und Elektromobilität gestützt. Tatsächlich bleibt die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen – insbesondere in Europa und den USA – jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. In der Folge passen viele Unternehmen ihre Strategien an, was zu umfangreichen Abschreibungen auf Batteriebeteiligungen, Produktionsprojekte und Modellreihen führt. Das Ergebnis ist ein massiver Rückgang der Gewinne“, erklärt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.

Abschreibungen und Wertberichtigungen von fast 60 Milliarden Euro haben die analysierten Konzerne für das vergangene bzw. das laufende Geschäftsjahr aufgrund des notwendig gewordenen Strategieschwenks verkündet: Der US-Autobauer Ford rechnet aufgrund stark reduzierter Elektroauto-Pläne mit einer Belastung von 19,5 Milliarden Dollar (umgerechnet 18,0 Milliarden Euro), bei General Motors liegt die Belastung bei insgesamt 7,6 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 7,0 Milliarden Euro), Stellantis bezifferte den Abschreibungsbedarf mit 22 Milliarden Euro, wobei rund 15 Milliarden Euro auf die Wende weg von Elektroautos im US-Markt entfallen. Zuletzt kündigte auch Honda eine Abschreibung von etwa 14,5 Milliarden Euro an – das Unternehmen zieht seine Elektroauto-Plänen teilweise zurück. Auch deutsche Autokonzerne sind betroffen: So bezifferte Porsche für das Geschäftsjahr 2025 die Aufwendungen aufgrund der strategischen Neuausrichtung mit 3,1 Milliarden Euro.

„Die aktuell angekündigten Abschreibungen sind nicht als Abkehr von der Elektromobilität zu verstehen, sondern vielmehr als notwendige Anpassung unrealistischer Annahmen. Es geht um eine nüchternere Bewertung von Geschwindigkeit und Umfang der Elektrifizierungsstrategien – nicht um einen grundsätzlichen Richtungswechsel“, so Preiss.

Zusätzliche Belastungen resultierten zudem aus der US-Zollpolitik, die zu Milliarden-Kosten sowohl für US-Autobauer als auch für ausländische Autokonzerne führte. „Neben der strategischen Neuausrichtung belasten auch geopolitische Risiken, Handelszölle und fragile Lieferketten die Branche erheblich. Das nun erfolgende umfassende bilanzielle Bereinigen kann jedoch eine Grundlage dafür schaffen, ab dem Geschäftsjahr 2026 wieder stabilere Margen zu erzielen. Gleichzeitig werden laufende Kostensenkungsprogramme erst zeitverzögert ihre volle Wirkung entfalten“, sagt Preiss.

„Auch für den Industriestandort Österreich steigt der Handlungsdruck spürbar. Hohe Kosten, zunehmende Regulierung und internationale Wettbewerber mit deutlich niedrigeren Produktionskosten stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig abzusichern, braucht es gezielte strukturelle Anpassungen und verlässliche industrielle Rahmenbedingungen“, ergänzt Preiss.

Iran-Krise wird Autokonjunktur bremsen
Angesichts der aktuellen konjunkturellen und geopolitischen Lage rechnet Preiss nicht mit einer spürbaren Belebung der Neuwagennachfrage in Europa im laufenden Jahr: „Politische Instabilität, steigende Energiepreise und höhere Inflation wirken sich dämpfend auf die Kaufbereitschaft aus. Zwar könnten höhere Kraftstoffpreise vereinzelt zu einer Entscheidung zugunsten eines Elektrofahrzeugs führen, ein breiter Nachfrageschub ist jedoch nicht zu erwarten. Viele Konsument:innen werden angesichts begrenzter finanzieller Spielräume und unsicherer Konjunkturaussichten Kaufentscheidungen eher aufschieben. Staatliche Fördermaßnahmen können hier gegensteuern, sind jedoch für die öffentlichen Haushalte mit hohen Kosten verbunden“, ergänzt Preiss.

China-Absatz bei den meisten Unternehmen rückläufig – vor allem bei den deutschen
Auch der chinesische Absatzmarkt bietet aktuell wenig Potenzial zumindest für die westlichen Hersteller – im Gegenteil: Die deutschen Konzerne verzeichneten in China im vergangenen Jahr einen Absatzrückgang von elf Prozent, bei den japanischen Autobauern lag das Minus bei sieben Prozent, bei den US-Herstellern hingegen nur bei zwei Prozent. Ein leichtes Plus von zwei Prozent erzielten die südkoreanischen Hersteller.

„Insbesondere die deutschen Hersteller sehen sich derzeit in China mit erheblichem Gegenwind konfrontiert – und bislang fehlt eine überzeugende strategische Antwort. Der Markt ist extrem wettbewerbsintensiv, insbesondere im Premiumsegment, während im wachsenden Elektrobereich heimische Anbieter mit hoher Innovationsdynamik und aggressiver Preispolitik dominieren“, analysiert Preiss.

Die drei chinesischen Autokonzerne lagen im dritten Quartal im Umsatzranking auf den Plätzen 10, 15 und 18, ließen die meisten anderen Unternehmen aber bei der Umsatzentwicklung weit hinter sich. So schafften Geely und Great Wall Motor Umsatzsprünge von 25 bzw. zehn Prozent, BYD legte um drei Prozent zu. Allerdings mussten auch die chinesischen Unternehmen Einbußen bei der Profitabilität hinnehmen: ihre durchschnittliche Marge schrumpfte von 6,6 auf 5,2 Prozent. „Auch für chinesische Hersteller gilt, dass dauerhaft hohes Wachstum nicht selbstverständlich ist. Der aggressive Expansionskurs wirkt sich mittlerweile spürbar auf die Profitabilität aus“, stellt Preiss fest.

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at 

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Bettina Loidhold
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