- EU-Neuwagenmarkt steigt im August um viereinhalb Prozent, Elektroautos sogar um 63 Prozent
- EU-Marktanteil chinesischer Marken steigt von knapp sieben auf fast elf Prozent – jeder neunte EU-Neuwagen ist ein chinesisches Fabrikat
- Deutsche Autokonzerne mit sinkendem Marktanteil und sinkendem Absatz
- Tesla Model Y vor drei Modellen aus dem VW-Konzern meistverkauftes E-Auto in Europa
Wien, 24.09.2026. Der EU-Neuwagenmarkt bleibt im Wachstumsmodus: Die Neuzulassungen stiegen im August um 4,5 Prozent. Vor allem zwei Faktoren spielten dabei eine Rolle: Zum einen hatte der August im Vergleich zum Vorjahresmonat in vielen Ländern einen zusätzlichen Arbeitstag, was etwa die Hälfte das Wachstums erklärt. Zum anderen sorgen die hohen Benzin- und Dieselpreise sowie Förderprogramme für Elektroautos in vielen Ländern für einen massiven Anstieg der Elektro-Neuzulassungen, der auch den Gesamtmarkt ins Positive schiebt. Denn: Während die Neuzulassungen von Elektroautos im August EU-weit um 63 Prozent stiegen und die vielfach ebenfalls geförderten Plug-in-Hybride um knapp elf Prozent zulegten, schrumpfte der Absatz der übrigen Antriebsformen insgesamt um knapp elf Prozent.
Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich, warnt daher, das aktuelle Marktwachstum als Anzeichen für eine Verbesserung der Neuwagenkonjunktur zu interpretieren: „Der Aufwärtstrend auf dem europäischen Neuwagenmarkt ist in erster Linie auf die Subventionierung der E-Mobilität zurückzuführen. Das Marktwachstum hängt also am Tropf staatlicher Förderungen. Sollten diese einmal auslaufen, wird auch der Absatz von Elektroautos einbrechen – das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern.“
Im August legten die Neuzulassungen von Elektroautos EU-weit um 63 Prozent zu, der Marktanteil stieg deutlich von 17,8 auf 27,7 Prozent. In Österreich steigen die Pkw-Neuzulassungen im August nur um 1,6 Prozent, die Neuzulassungen von Elektroautos kletterten um 46 Prozent. Der Elektro-Marktanteil stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat von 20,1 auf 29,0 Prozent.
Die höchsten Marktanteile gibt es im Nicht-EU-Land Norwegen mit 98,7 Prozent sowie in Dänemark (85,9 %) und Finnland (51,6 %). Das stärkste Absatzwachstum wurde in Estland (plus 278 %) und Slowenien (plus 266 %) registriert.
Der Neuwagenmarkt insgesamt leidet nach Einschätzung von Preiss weiterhin unter der schwachen Konjunkturentwicklung und den erheblichen geopolitischen Spannungen: „Die konjunkturelle und politische Situation bleibt sehr schwierig, eine Verbesserung der Lage ist nicht absehbar – stattdessen steigen die Risiken: Der hohe Ölpreis, Sorgen vor einer Energiekrise im Winter, eine hohe Inflation, eine steigende Arbeitslosigkeit gerade unter jüngeren Leuten, und das Erstarken der politischen Ränder – all das führt zu Verunsicherung und Kaufzurückhaltung. Die Autohersteller tun gut daran, sich auf weitere schwierige Jahre vorzubereiten und ihre Absatzziele nicht zu hoch anzusetzen. Im Gegenteil: Es gilt, Überkapazitäten abzubauen, den Gürtel enger zu schnallen und an der eigenen Kostenstruktur zu arbeiten. Denn neue Wettbewerber drängen auf den Markt und sorgen für einen weiter steigenden Preisdruck“.
Chinesische Marken erobern Marktanteile
Die zahlreichen chinesischen Marken, die aktuell auf den EU-Markt drängen, erzielten im August erneut beachtliche Erfolge. So kletterte der Absatz chinesischer Autokonzerne im Vergleich zum Vorjahresmonat EU-weit um 71 Prozent, ihr Marktanteil stieg von 6,6 auf 10,8 Prozent.
Von allen Herstellern wachsen aktuell die chinesischen Hersteller und Tesla am stärksten: Leapmotor (+211 % im August), Chery (+201 %), BYD (+129 %), Tesla (+53 %) und Geely (+24 %) waren im August die Wachstumschampions in der EU.
Die deutschen Autokonzerne beklagen hingegen insgesamt Marktanteilsverluste: Im August sank der EU-Marktanteil der deutschen Autokonzerne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 41,3 auf 39,1 Prozent – er schrumpfte also um 2,2 Prozentpunkte. Mehr noch: Insgesamt verkauften die deutschen Konzerne in der EU weniger Neuwagen als im Vorjahr: In Summe sank ihr EU-Absatz um 1,1 Prozent; der Gesamtmarkt legte hingegen um 4,5 Prozent zu.
„Die aktuellen Fördermaßnahmen der europäischen Länder kommen überproportional stark den chinesischen Herstellern und Tesla zugute, die im niedrigeren und mittleren Preissegment teilweise sehr wettbewerbsfähige Modelle und oft zudem auch attraktive Finanzierungskonditionen anbieten“, sagt Preiss. „Daraus ergeben sich Marktanteilsverschiebungen, die industriepolitisch nicht gewollt sein können. Immerhin jeder zehnte im August in der EU neu zugelassene Pkw war ein chinesisches Fabrikat.“
Preiss rechnet mit einem weiter steigenden Absatz chinesischer Hersteller: „Die chinesischen Autobauer erobern immer größere Marktanteile und lassen bereits bekannte und etablierte westliche Marken hinter sich, vor allem im Volumensegment und in den südeuropäischen Ländern.“
Deutliche Marktanteilsverluste mussten im August auf Konzernebene vor allem der Volkswagen-Konzern (-2,1 %), die Hyundai Group (-1,3 %) und die Renault Group (-0,9 %) hinnehmen.
Elektroautos: Große Unterschiede innerhalb Europas
In immerhin zehn der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil im August unter zehn Prozent – darunter auch der viertgrößte Neuwagenmarkt, Italien. Auf der anderen Seite waren in elf EU-Ländern im August mehr als 30 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos.
Während im Norden Europas Elektroautos inzwischen hohe Marktanteile erreichen, kommen im Osten und Südosten nach wie vor nur sehr wenige Elektroautos neu auf die Straße: In Skandinavien (einschließlich Norwegen) stieg der BEV-Marktanteil im August von 59,5 auf 69,1 Prozent. In Osteuropa lag er hingegen gerade einmal bei 7,9 Prozent – nach 6,8 Prozent im Vorjahr.
Der Elektro-Bestseller war im August europaweit erneut das Tesla Model Y, vor dem Skoda Elroq, dem VW ID.4 und dem Skoda Enyaq. Von den Top-10-Elektroautos im August stammen sechs von deutschen Autokonzernen, zwei von Tesla, eins von Renault und eins von Kia.