- EU-Neuwagenmarkt legt im Juni um 14 Prozent zu, Elektroautos sogar um 61 Prozent – auch dank zweier zusätzlicher Verkaufstage
- Österreich: Neuzulassungen steigen um 23 Prozent, Elektro um 44 Prozent
- EU-Marktanteil chinesischer Marken steigt von sechs auf zehn Prozent – jeder zehnte EU-Neuwagen ist ein chinesisches Fabrikat
- Deutsche Autokonzerne mit sinkendem Marktanteil
- Tesla Model Y mit großem Abstand meistverkauftes E-Auto in Westeuropa
Wien, 23.07.2026. Es geht weiter aufwärts auf dem europäischen Neuwagenmarkt: Die Neuzulassungen in der EU stiegen im Juni um 14 Prozent – allerdings auch dank zweier zusätzlicher Verkaufstage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bereinigt um diesen Kalendereffekt lag das Wachstum nur bei drei Prozent. In Österreich wurde sogar ein Wachstum um 23 Prozent registriert.
Im ersten Halbjahr lag der Pkw-Absatz in der EU damit sechs Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, aber 15 Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum des Jahres 2019 – in absoluten Zahlen wurden in der EU im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr als eine Million Neuwagen weniger zugelassen als in der ersten Hälfte des Vor-Corona-Jahres 2019.
Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich, sieht trotz des aktuellen Marktwachstums noch keine echte Verbesserung der Lage auf dem EU-Neuwagenmarkt: „Der Anstieg der Neuzulassungen im ersten Halbjahr ist vor allem auf das starke Wachstum bei Elektroautos zurückzuführen. Dieses wird derzeit maßgeblich durch unterschiedliche nationale Förderprogramme unterstützt und damit letztlich auch durch öffentliche Mittel getragen.“
Im Juni legten die Neuzulassungen von Elektroautos um 61 Prozent zu, der Marktanteil stieg deutlich von 16,7 auf 23,6 Prozent. Im ersten Halbjahr kletterten die Elektroneuzulassungen immerhin um 40 Prozent. Plug-in Hybride, die vielfach ebenfalls gefördert werden, verzeichneten im ersten Halbjahr immerhin ein Absatzwachstum von 22 Prozent. Bei den übrigen Antriebsarten schrumpften die Neuzulassungen insgesamt um drei Prozent. Reine Benziner schrumpften um 17 Prozent, Diesel-Neuwagen um 16 Prozent.
„Die aktuellen Wachstumsraten im Markt sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen vielerorts weiterhin stark von staatlichen Anreizen abhängt. Die Ausgestaltung der Förderungen hat damit einen erheblichen Einfluss auf die Marktentwicklung“, so Preiss.
Belastend wirken sich insgesamt die bekannten strukturellen und konjunkturellen Probleme aus, sagt Preiss: „Die Automobilindustrie sieht sich weiterhin mit einem anspruchsvollen Marktumfeld konfrontiert. Die schwache Konjunktur, wirtschaftliche Unsicherheiten und das anhaltend hohe Preisniveau bei Neuwagen wirken sich auf die Kaufbereitschaft von privaten und gewerblichen Kund:innen aus. Eine nachhaltige Markterholung ist unter diesen Rahmenbedingungen derzeit nicht absehbar. Umso wichtiger ist es für Hersteller, ihre Kapazitäten und Absatzplanungen konsequent an die tatsächliche Nachfrage anzupassen.“
Chinesische Hersteller drängen auf den EU-Markt
Zusätzlich machen die zahlreichen chinesischen Marken, die aktuell auf den EU-Markt drängen, den etablierten Herstellern das Leben schwer: So erzielten die chinesischen Autokonzerne im Juni insgesamt ein Absatzplus auf dem EU-Markt von 86 Prozent, ihr Marktanteil kletterte von sechs auf zehn Prozent.
Aktuell wachsen die chinesischen Hersteller und Tesla am stärksten: Leapmotor (+496 % im Juni), Chery (+271 %), BYD (+199 %), Tesla (+72 %) und SAIC (+51 %) waren im Juni die Wachstumschampions in der EU.
Die deutschen Autokonzerne beklagen hingegen insgesamt Marktanteilsverluste: Im Juni sank der EU-Marktanteil der deutschen Autokonzerne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 39,1 auf 37,3 Prozent – er schrumpfte also leicht um 1,8 Prozentpunkte. Immerhin: Alle drei deutschen Konzerne verzeichneten Absatzzuwächse, in Summe stieg ihr EU-Absatz allerdings nur um 8,5 Prozent; der Gesamtmarkt legte hingegen um 14 Prozent zu.
„Derzeit zählen insbesondere chinesische Automarken und Tesla zu den größten Profiteuren des starken Wachstums im Elektrosegment. Die Fördermaßnahmen beschleunigen zwar den Hochlauf der Elektromobilität, gleichzeitig profitieren davon aber auch Hersteller außerhalb Europas. Entsprechend steigt ihr Marktanteil auf dem europäischen Markt kontinuierlich an“, so Preiss.
Preiss rechnet mit einem weiter steigenden Absatz chinesischer Hersteller: „Chinesische Hersteller gewinnen in Europa Schritt für Schritt an Bedeutung. Wettbewerbsfähige Preise, ein breiteres Modellangebot und der Ausbau von Vertriebs- und Handelskooperationen erleichtern den Markteintritt zusätzlich. Daher ist davon auszugehen, dass chinesische Marken ihre Präsenz auf dem europäischen Automobilmarkt weiter ausbauen werden.“
Deutliche Marktanteilsverluste mussten im Juni auch Renault (-1,1 %), Ford (-0,7 %), Hyundai und Toyota (-0,3 bzw. 0,2 %) hinnehmen.
Elektroautos: Große Unterschiede innerhalb Europas
In immerhin neun der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil im Juni unter zehn Prozent, in gerade einmal acht EU-Ländern waren im Mai mehr als 30 Prozent der neu zugelassenen Pkw Elektroautos. In Österreich lag der Elektro-Marktanteil bei 26,3 Prozent.
Während im Norden Europas Elektroautos inzwischen hohe Marktanteile erreichen, kommen im Osten und Südosten nach wie vor nur sehr wenige Elektroautos neu auf die Straße: In Skandinavien (einschließlich des Nicht-EU-Landes Norwegen) stieg der BEV-Marktanteil im Juni von 60 auf 67 Prozent. In Osteuropa verharrte er hingegen bei acht Prozent.
Im vergangenen Monat lagen das Tesla Model Y und das Model 3 an der Spitze des Rankings der meistverkauften E-Autos in Westeuropa. In den zwölf westeuropäischen Ländern, für die entsprechende Daten verfügbar sind, ging Platz drei an den Skoda Elroq, gefolgt vom Renault R5.
Top-Elektroautos in Westeuropa* im Juni 2026
|
Tesla Model Y
|
23.664
|
|
Tesla Model 3
|
9.380
|
|
Skoda Elroq
|
6.859
|
|
Renault R5
|
6.831
|
|
Skoda Enyaq
|
6.321
|
|
VW ID.3
|
6.140
|
*Zahl der Neuzulassungen basierend auf Zahlen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien
Plug-in-Hybride legen zu
Weniger stark als bei Elektroautos kletterten die Neuzulassungen bei Plug-in-Hybriden, die EU-weit im Juni um 22 Prozent zulegten – der Marktanteil stieg von 9,4 auf 10,1 Prozent. In Österreich stiegen die PHEV-Neuzulassungen um 57 Prozent, der Marktanteil stieg von 9,2 auf 11,8 Prozent.
Die höchsten Marktanteile erzielten Plug-in-Hybride im Juni in Schweden und den Niederlanden (25 bzw. 21 %). Der kombinierte Marktanteil beider elektrischen Antriebsarten (BEV und PHEV) war in Dänemark (79 %) und Schweden (69 %) am höchsten unter allen EU-Ländern.