- Die Solvenzquoten der österreichischen Versicherungsunternehmen liegen weiterhin über dem europäischen Durchschnitt
- Die anrechenbaren Eigenmittel wachsen deutlich um 12,3 Prozent – 94,1 Prozent davon sind Eigenmittel höchster Qualität
- Verrechnete Prämien steigen 2025 um 4,9 Prozent und damit stärker als die Inflation von 3,6 Prozent
- Solvency-II-Review bringt neue Anforderungen – unter anderem durch technische Anpassungen bei Zinskurve, Risikomarge und Volatilitätsanpassung, aber auch bei Berichterstattung, Governance und Nachhaltigkeitsrisiken
Wien, 6. Juli 2026. Österreichs Versicherungsunternehmen bleiben trotz wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Schadenjahre in der Vergangenheit und anhaltender regulatorischer Veränderungen finanziell sehr solide aufgestellt. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Versicherungsschutz wird für Kund:innen weiter teurer. Die verrechneten Prämien stiegen 2025 um 4,9 Prozent und damit stärker als die Inflation von 3,6 Prozent. Das zeigt die aktuelle EY-Analyse der Solvency II-Kennzahlen, für die sämtliche österreichischen Versicherungsunternehmen analysiert wurden, die der heimischen Versicherungsaufsicht unterliegen.
Besonders wichtig ist die Entwicklung für Kund:innen, Unternehmen und Aufsicht gleichermaßen: Versicherer müssen auch in einem Umfeld mit höheren Zinsen, steigenden Kosten, Naturkatastrophenrisiken und neuen regulatorischen Vorgaben ausreichend Kapital halten. Die Studie zeigt: Das gelingt der Branche weiterhin gut. Die durchschnittliche Solvenzkapitalquote, die sogenannte SCR-Quote, steigt 2025 auf 275,5 Prozent nach 255,4 Prozent im Vorjahr. Damit verfügen die heimischen Versicherer im Schnitt über deutlich mehr Eigenmittel, als regulatorisch erforderlich wäre.
„Die österreichische Versicherungsbranche zeigt sich auch 2025 sehr robust. Die Solvenzquoten sind gestiegen und liegen weiterhin über dem europäischen Durchschnitt. Das ist ein starkes Stabilitätssignal – gerade in einem Umfeld, in dem Versicherer gleichzeitig mit höheren Schadenrisiken, Kapitalmarktveränderungen und zunehmender Regulierung umgehen müssen“, sagt Barbara Czanik, Partnerin und Leiterin des Bereichs Versicherungsprüfungen bei EY Österreich.
Mehr Eigenmittel, hohe Kapitalqualität
Ein zentraler Grund für die verbesserte Solvenzlage ist der deutliche Anstieg der anrechenbaren Eigenmittel. Die sogenannten Own Funds zur Bedeckung des Solvenzkapitalerfordernisses stiegen 2025 um 12,3 Prozent. Im Vorjahr lag das Wachstum bei lediglich 1,5 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Qualität der Eigenmittel sehr hoch: 94,1 Prozent der anrechenbaren Eigenmittel sind Eigenmittel höchster Qualität.
„Die Kapitalausstattung der österreichischen Versicherer ist nicht nur hoch, sondern auch qualitativ stark. Das ist entscheidend, weil Solvenz nicht nur eine regulatorische Kennzahl ist, sondern die Fähigkeit eines Versicherers widerspiegelt, Verpflichtungen gegenüber Kund:innen auch unter Stressbedingungen erfüllen zu können“, erklärt Christopher Grocholski, Senior Manager und Aktuar bei EY Österreich.
Prämien steigen weiter – aber weniger stark als im Vorjahr
Während die Versicherer finanziell stabil bleiben, steigen die Prämien weiter. Über alle Sparten hinweg legten die verrechneten Prämien 2025 um 4,9 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro zu. Damit liegt das Wachstum zwar unter dem Vorjahreswert von 5,5 Prozent, aber weiterhin über der Inflationsrate.
Den größten Anteil am Markt hält weiterhin das Nicht-Lebensversicherungsgeschäft mit 64,2 Prozent der Prämien. Auf die Lebensversicherung entfallen 21,7 Prozent, auf die Krankenversicherung 14,1 Prozent.
Im Bereich Non-Life stiegen die Prämien um 4,9 Prozent. Besonders stark legten Assistance-Versicherungen mit 9,6 Prozent sowie sonstige Kraftfahrtversicherungen mit 8,8 Prozent zu. In der Krankenversicherung fiel das Wachstum mit 8,5 Prozent weiterhin kräftig aus, nach dem besonders starken Vorjahreswert von 10,7 Prozent. Die Lebensversicherung wuchs 2025 um 2,6 Prozent – das ist der stärkste Anstieg der vergangenen fünf Jahre.
„Prämiensteigerungen sind für Kund:innen unmittelbar spürbar. Für Versicherer spiegeln sie aber auch ein Umfeld wider, in dem Kosten, Schadenaufwand, medizinische Leistungen, Reparaturkosten und Risiken weiter steigen. Die Branche muss daher eine schwierige Balance halten: leistbaren Versicherungsschutz anbieten und gleichzeitig langfristig ausreichend Kapital und Ertragskraft sichern“, so Czanik.
Österreichische Versicherer im europäischen Vergleich stark
Auch im europäischen Vergleich stehen österreichische Versicherer gut da. Die österreichischen Lebensversicherer erreichen 2025 eine mediane SCR-Quote von 266,6 Prozent und liegen damit über dem europäischen Vergleichswert von 244,4 Prozent. Im Bereich Non-Life liegt Österreich mit einem Median von 256 Prozent ebenfalls über dem europäischen Markt, der bei 219 Prozent liegt.
Bei den Prämien zeigt sich ein gemischtes Bild: In der Lebensversicherung wächst Österreich mit einem Median von 4,7 Prozent schwächer als Europa mit 6,6 Prozent. Im Nicht-Lebensversicherungsgeschäft liegt Österreich mit einem Median von 5,9 Prozent hingegen über dem europäischen Vergleichswert von 4,5 Prozent.
„Österreichs Versicherungsmarkt ist im europäischen Vergleich sehr solide kapitalisiert. Gleichzeitig sieht man, dass Wachstum und Profitabilität je nach Sparte sehr unterschiedlich ausfallen. Für Versicherer wird es daher immer wichtiger, Kapital, Risiko und Wachstum aktiv und integriert zu steuern“, sagt Grocholski.
Solvency-II-Review bringt neue Anforderungen
Neben der aktuellen Kapitalstärke rückt auch der regulatorische Ausblick in den Fokus. Der Solvency-II-Review soll Effektivität und Proportionalität verbessern, langfristige Investitionen fördern und Berichtspflichten vereinfachen. Gleichzeitig werden auch Naturkatastrophenparameter unter Berücksichtigung klimabezogener Risiken aktualisiert.
Für Versicherer bedeutet das: Die regulatorischen Anforderungen verändern sich weiter. Kleinere und weniger komplexe Unternehmen sollen entlastet werden, gleichzeitig steigt die Bedeutung von Risiko-, Kapital- und Datenmanagement. Auch die Frage, wie Versicherer mit langfristigen Garantien, Kapitalmarktvolatilität und klimabezogenen Risiken umgehen, bleibt zentral.
„Der Solvency-II-Review ist kein rein technisches Regulierungsthema. Er beeinflusst, wie Versicherer Kapital einsetzen, Risiken bewerten, langfristig investieren und gegenüber Aufsicht und Öffentlichkeit berichten. Unternehmen sollten die Änderungen daher frühzeitig analysieren und ihre Modelle, Prozesse und Berichterstattung entsprechend vorbereiten“, sagt Czanik.
Über die Studie
Die EY SFCR Benchmarking Studie 2025 analysiert die veröffentlichten Berichte über die Solvabilität und Finanzlage der österreichischen Versicherungsunternehmen per 31.Dezember 2025. Die Studie umfasst sämtliche österreichische Versicherungsunternehmen, die der österreichischen Versicherungsaufsicht unterliegen. Analysiert wurden unter anderem Solvenzkennzahlen, Eigenmittel, Prämienentwicklung, Combined Ratio, ökonomische Bilanz, versicherungstechnische Rückstellungen, Risikomodule sowie europäische Vergleichswerte. Die Versicherungsunternehmen werden in Komposit-, Lebens-, Nicht-Lebens- und Rückversicherer gegliedert. Historische Vergleiche beziehen sich auf die vergangenen fünf Jahre.