- Weltweite Autoindustrie wächst weiter: Umsatz der 19 größten Automobilhersteller steigt im ersten Halbjahr 2026 um 3,6 Prozent auf den Rekordwert von 1.048 Milliarden Euro
- Deutsche Hersteller bleiben hinter dem Markt zurück: Umsatz sinkt um 2,9 Prozent, operativer Gewinn um 19 Prozent
- China entwickelt sich zunehmend zum Belastungsfaktor: Absatz der deutschen Hersteller bricht dort um 25 Prozent ein
- Europa sorgt für Stabilisierung: Deutsche Hersteller steigern ihren Absatz in Europa um drei Prozent
- Österreich: Automobil- und Industriezulieferer stehen weiterhin unter erheblichem Transformations- und Wettbewerbsdruck
Wien, 21. September 2026. Die globale Automobilindustrie zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 trotz eines herausfordernden Marktumfelds insgesamt robust. Die 19 größten Automobilhersteller der Welt steigerten ihren Umsatz um 3,6 Prozent auf den Rekordwert von 1.048 Milliarden Euro. Während zahlreiche internationale Hersteller ihre Umsätze ausbauen konnten, stehen insbesondere die deutschen Automobilkonzerne weiterhin unter erheblichem Druck. Ihr Umsatz sank um 2,9 Prozent auf 284 Milliarden Euro und damit bereits das dritte Jahr in Folge. Im internationalen Vergleich schnitten die deutschen Hersteller damit deutlich schlechter ab als ihre Wettbewerber aus Japan, den USA und anderen europäischen Ländern.
Besonders deutlich wird die unterschiedliche Entwicklung beim Blick auf die einzelnen Hersteller: Während 15 der 19 analysierten Konzerne ein Umsatzplus verzeichneten, belegten BMW (- 8 %), BYD (- 7 %) und Mercedes-Benz (- 4 %) die letzten Plätze im Umsatzranking. Die stärksten Umsatzsteigerungen erzielten Tesla (+21 %), Suzuki (+ 18 %) und Geely (+ 15 %).
Auch die Ertragslage entwickelte sich unterschiedlich. Der operative Gewinn aller untersuchten Hersteller stieg im ersten Halbjahr um 11,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro. Die deutschen Hersteller mussten hingegen einen Gewinnrückgang von 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro hinnehmen. Die durchschnittliche EBIT-Marge der deutschen Hersteller sank von 5,5 auf 4,6 Prozent, während die Marge der Gesamtbranche leicht auf 4,2 Prozent zulegte.
Die Ergebnisse stammen aus einer Analyse der Finanzkennzahlen der 19 größten Automobilhersteller weltweit, die EY quartalsweise erstellt.
„Die Ergebnisse zeigen, wie stark sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Automobilindustrie verschieben. Während internationale Hersteller in Summe wieder wachsen, stehen insbesondere die deutschen Konzerne weiterhin unter erheblichem Transformationsdruck. Für Österreich ist diese Entwicklung besonders relevant, da die heimische Industrie eng mit der europäischen und insbesondere der deutschen Automobilwirtschaft verflochten ist“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.
„Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Herausforderungen längst nicht mehr auf einzelne Hersteller oder Märkte beschränken. Hohe Kosten, zunehmende geopolitische Unsicherheiten, die Transformation hin zu neuen Antriebstechnologien und der verschärfte internationale Wettbewerb setzen die gesamte europäische Automobilindustrie unter Druck. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, braucht es konsequente Investitionen in Innovation, Digitalisierung und effiziente Produktionsstrukturen.“
China bleibt Belastungsfaktor für internationale Hersteller
Besonders herausfordernd bleibt die Entwicklung auf dem chinesischen Markt. Der Absatz der untersuchten Hersteller ging dort im ersten Halbjahr insgesamt um 18 Prozent zurück. Vor allem die deutschen Hersteller verzeichneten mit einem Minus von 25 Prozent einen überdurchschnittlich starken Rückgang. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Konzerne sank innerhalb eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent. Noch 2020 entfielen rund vier von zehn weltweit verkauften Fahrzeugen deutscher Hersteller auf den chinesischen Markt.
„China bleibt einer der entscheidenden Faktoren für die Entwicklung der globalen Automobilindustrie. Der Wettbewerb hat sich dort in den vergangenen Jahren massiv verschärft. Besonders im Bereich der Elektromobilität profitieren chinesische Hersteller zunehmend von ihrer starken Marktposition. Gleichzeitig expandieren chinesische Anbieter verstärkt nach Europa und erhöhen damit den Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller zusätzlich“, sagt Preiss.
Auch chinesische Hersteller stehen unter Druck
Der zunehmende Wettbewerb belastet allerdings nicht nur europäische Hersteller. Auch die chinesischen Automobilkonzerne selbst mussten im ersten Halbjahr Rückschläge hinnehmen. Ihr weltweiter Absatz sank um acht Prozent, der operative Gewinn ging um 22 Prozent zurück und die durchschnittliche EBIT-Marge fiel von 6,0 auf 4,6 Prozent. Gleichzeitig setzen die chinesischen Hersteller ihre internationale Expansion fort und steigerten ihren Absatz in Europa um 44 Prozent, während BYD seine Verkäufe in Europa sogar um 168 Prozent erhöhte.
Europäischer Markt sorgt für Stabilisierung
Während die Entwicklung in China belastet, zeigte sich der europäische Markt vergleichsweise stabil. Die deutschen Hersteller konnten ihren Absatz in Europa im ersten Halbjahr um drei Prozent steigern. Insgesamt erhöhte sich der Absatz der untersuchten Hersteller in Europa um knapp vier Prozent. Dennoch reicht diese Entwicklung derzeit nicht aus, um die Verluste in anderen Regionen vollständig auszugleichen.
Transformation und Kostendruck bleiben zentrale Herausforderungen
Insgesamt verkauften die 19 größten Automobilhersteller im ersten Halbjahr 34,5 Millionen Fahrzeuge und damit 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Nur sechs der 19 Hersteller konnten ihren Absatz steigern. Die Branche befindet sich damit weiterhin in einer Phase tiefgreifender Transformation, die von hohen Investitionen, geopolitischen Unsicherheiten und zunehmendem Wettbewerbsdruck geprägt ist.
„Die Automobilindustrie steht vor der Herausforderung, ihren umfassenden Wandel voranzutreiben und gleichzeitig ihre Kostenstrukturen wettbewerbsfähig zu halten. Für viele Unternehmen werden Produktivität, Innovationsfähigkeit und die gezielte Nutzung neuer Technologien zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren der kommenden Jahre werden“, so Preiss abschließend.
„Davon hängt letztlich auch die Wettbewerbsfähigkeit zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten in Europa und Österreich ab. Gerade für den Wirtschaftsstandort Österreich mit seiner starken Exportorientierung und seiner engen Verflechtung mit der europäischen Industrie sind diese Entwicklungen von zentraler Bedeutung.“