- Gewinnschwund setzt sich fort: Überschuss der weltweit größten Autokonzerne im ersten Quartal 2026 um 32 Prozent gesunken – nur US-Hersteller steigern ihre Gewinne deutlich
- Profitabilität unter Druck: Die durchschnittliche Marge fällt von 5,3 auf 3,5 Prozent – niedriger war sie zuletzt im Corona-Jahr 2020
- Deutsche Autokonzerne im Ländervergleich mit schwächster Umsatzentwicklung
Wien, 5. Juni 2026. Die weltweite Autoindustrie ist mit deutlichem Gegenwind ins Jahr 2026 gestartet – und die deutschen Hersteller trifft es besonders hart. Während der Umsatz der 18 weltweit größten Autokonzerne im ersten Quartal insgesamt um knapp zwei Prozent zulegte, wuchs der Umsatz japanischer Hersteller um vier Prozent, der der US‑Konzerne sogar um fünf Prozent. Die drei deutschen Autokonzerne mussten dagegen insgesamt einen Umsatzrückgang von vier Prozent hinnehmen.
Auch beim Gewinn haben die US-Konzerne die Nase vorn: Die US‑Hersteller steigerten ihren Gewinn um 83 Prozent, während die deutschen Konzerne ein Minus von 23 Prozent verzeichneten. Lediglich acht der untersuchten Unternehmen erzielten ein Gewinnplus, zehn Konzerne – darunter alle drei deutschen – mussten rückläufige Ergebnisse melden.
Während die deutschen Autokonzerne also weiterhin Rückgänge bei Umsatz und Gewinn verbuchen, haben gerade die US-Konzerne im ersten Quartal offenbar eine Trendwende geschafft und zeigen allen anderen Herstellernationen die Rücklichter. Dabei lassen sie auch die chinesischen Hersteller im Ranking hinter sich, deren Umsatz im ersten Quartal um ein Prozent und deren Gewinn sogar um 43 Prozent schrumpfte.
Insgesamt ist die Profitabilität der Autoindustrie weiter rückläufig: Über alle Hersteller hinweg sank die Gesamtmarge von 5,3 auf 3,5 Prozent und damit auf den zweitniedrigsten Stand in den vergangenen zehn Jahren. Nur im Corona-Jahr 2020 war die Profitabilität mit einer Marge von 1,9 Prozent noch geringer gewesen.
Im Ranking der profitabelsten Autokonzerne belegt Suzuki mit einer Marge von 10,9 Prozent den Spitzenplatz, gefolgt von General Motors (9,4 %) und Kia (7,5 %). BMW erreicht mit 6,5 Prozent Rang vier, Mercedes‑Benz liegt mit 6,0 Prozent auf Platz sechs, Volkswagen mit 3,3 Prozent auf Rang 13. Die Durchschnittsmarge der deutschen Konzerne ist im Jahresvergleich von 5,7 auf 4,6 Prozent gesunken – zum Vergleich: Vor vier Jahren, im ersten Quartal 2022, hatten die drei deutschen Konzerne zusammen noch eine Marge von 13,2 Prozent erzielt.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 19 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY quartalsweise erstellt.
„Die aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich, dass die Herausforderungen für die Automobilindustrie noch lange nicht überwunden sind“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Die Branche befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel: Rückläufige Absatzmärkte, hohe Überkapazitäten und der verzögerte Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse weiterhin.“
Unsicherheiten bremsen globalen Automobilmarkt
Zudem machten die neuen Wettbewerber aus China allen etablierten Autokonzernen zunehmend das Leben schwer – außer auf dem US-Markt, zu dem chinesische Autohersteller aktuell keinen Zugang haben. Ein Grund für das deutliche Gewinnwachstum der US-Hersteller sind neben der Abschirmung des US-Markts gegen Produkte aus dem Ausland unter anderem die vom Obersten Gerichtshof der USA teilweise gekippten Einfuhrzölle, die zu hohen Rückzahlungen an die Hersteller führen.
Die Probleme auf dem US-Markt seien Teil einer schwierigen Gemengelage, mit der die Hersteller konfrontiert seien: „Das Umfeld für die Automobilhersteller ist derzeit von hoher Unsicherheit geprägt: Geopolitische Spannungen, zunehmender Protektionismus und sich verändernde politische Rahmenbedingungen für unterschiedliche Antriebstechnologien erschweren langfristige Planungssicherheit“, so Preiss. „Gerade global aufgestellte Konzerne stehen dadurch unter besonderem Druck.“
China-Absatz weiter rückläufig – vor allem bei den deutschen Autobauern
Zum Bremsklotz entwickelt sich für die meisten westlichen Autokonzerne aktuell das Geschäft in China, wo der Absatz der untersuchten Unternehmen im ersten Quartal um elf Prozent sank. Die deutschen Konzerne verzeichneten sogar einen Absatzrückgang von 16 Prozent. Der Anteil Chinas am Gesamtabsatz der deutschen Autobauer sank damit erneut: von 28,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 26,4 Prozent im ersten Quartal 2026. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2020 waren noch 39,4 Prozent des weltweiten Pkw-Absatzes der deutschen Hersteller auf China entfallen. Seitdem schrumpft die Bedeutung Chinas kontinuierlich.
„China hat sich von einem zentralen Wachstumstreiber zu einem äußerst anspruchsvollen Markt entwickelt“, sagt Preiss. „Der Wettbewerb ist intensiv, die Nachfrage – insbesondere im Premiumsegment – schwächelt aufgrund der schwachen Konjunktur und im Bereich Elektromobilität dominieren zunehmend lokale Anbieter den chinesischen Markt – da gibt es für die westlichen Hersteller aktuell wenig zu gewinnen“.
Die derzeitige Marktschwäche in China macht allerdings auch den chinesischen Autokonzernen im Ranking zu schaffen, die im ersten Quartal weltweit 14 Prozent weniger Pkw verkauften – trotz eines starken Wachstums um 155 Prozent in Europa. Zudem mussten auch die chinesischen Unternehmen Einbußen bei der Profitabilität hinnehmen: ihre durchschnittliche Marge schrumpfte von 6,9 auf 3,9 Prozent. „Der intensive Wettbewerb und die hohen Investitionen in internationale Expansion drücken aktuell auf die Profitabilität vieler Hersteller“, so Preiss. „Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass dieser Kurs fortgesetzt wird – und der Wettbewerbsdruck auch in etablierten Märkten weiter zunimmt.“
Nötiger Strukturwandel in der deutschen Autoindustrie kommt langsam voran
Angesichts der anhaltenden Gewinnschwäche der deutschen Autokonzerne und der geringen Wahrscheinlichkeit einer baldigen Aufhellung der weltweiten Autokonjunktur setzen die deutschen Autobauer auf Sparmaßnahmen – durch Stellenabbau, durch Produktionsverlagerungen in sogenannte Best-Cost-Länder, inzwischen aber auch durch den Verkauf von Autofabriken an andere Hersteller oder auch an branchenfremde Dritte.
„Die Branche reagiert zunehmend mit strukturellen Anpassungen auf den anhaltenden Druck“, sagt Preiss. „Dazu zählen auch neue Nutzungskonzepte für Produktionsstandorte und verstärkte Kooperationen. Entscheidend ist, dass Unternehmen den Wandel aktiv gestalten, statt auf eine kurzfristige Markterholung zu hoffen. Produktionsentscheidungen werden heute stärker denn je durch Kosten, Produktivität und staatliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Viele Standorte stehen dadurch auf dem Prüfstand, da sich Produktion in anderen Regionen oft wirtschaftlicher darstellen lässt.“
Iran-Krise wird Autokonjunktur bremsen
Angesichts der aktuellen konjunkturellen und geopolitischen Lage rechnet Preiss nicht mit einer spürbaren Belebung der Neuwagennachfrage in Europa im laufenden Jahr: „Die aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen wirken dämpfend auf die Nachfrageentwicklung. Steigende Kosten, Unsicherheiten in vielen Märkten und eine zurückhaltende Konsumstimmung bremsen die Automobilkonjunktur.“
Die Nachfrage nach Verbrenner-Modellen werde aufgrund der hohen Spritpreise und der sinkenden Kaufkraft weiter sinken, während gleichzeitig Elektroautos – nicht zuletzt dank hoher staatlicher Subventionen – Marktanteile gewinnen würden, so Preiss. In Summe dürfte der Absatz, der im ersten Quartal bereits knapp vier Prozent niedriger lag als im Vorjahreszeitraum, rückläufig bleiben: „Die Automobilindustrie wird auch 2026 mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert bleiben“, so Preiss. „Umso wichtiger ist es, jetzt konsequent auf Effizienz, Innovation und Anpassungsfähigkeit zu setzen.“