EY Energiepreisbarometer 2026

Fernwärme primäre Energiequelle der Österreicher:innen – Wechselwille aus Gas und Öl steigt deutlich

Christina Khinast-Sittenthaler, Leiterin des Energiesektors bei EY Österreich

© EY/Christina Häusler
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  • Fernwärmenutzung steigt und ist Primärquelle in Österreich
  • Alternative Wärmequellen mit höherer Beliebtheit aber geringer Verbreitung
  • Wechselwille aus Öl- und Gas-Modellen gestiegen – mehr als die Hälfte der Haushalte mit Öl und Gas wollen Alternativen nutzen
  • Preisentwicklung und Wunsch nach Unabhängigkeit stärkste Treiber des Wechsels
  • Großteil bezieht Strom von Stromanbietern, nur ein Viertel produziert selbst Strom
  • Die Hälfte der Eigenstrom-Produzent:innen verfügt über Heimspeicher
  • 55 Prozent wissen um vereinfachten Stromanbieterwechsel Bescheid, doch nur 43 Prozent kennen neue Sozialtarife

Wien, 14. Oktober 2026. Die hohen Energiepreise bleiben weiterhin ein Sorgenkind für die Lebenssituation und Erhaltungskosten der Österreicher:innen – sowohl bei Wärme als auch bei Strom. Derzeit beziehen 77 Prozent der Österreicher:innen ihre Energie immer noch ausschließlich von Stromanbietern. Fernwärme ist mit einer Verbreitung in 36 Prozent der Haushalte die primäre Wärmequelle (2025: 27 %), gefolgt von Gas mit 25 Prozent (2025: 23 %). Gerade Fernwärme weist also einen sehr deutlichen Anstieg von neun Prozentpunkten auf, der auf den vermehrten Ausbau zurückzuführen ist. Pellets bzw. Holz sind die Quelle der Wahl für 17 Prozent, Luft-, Wasser-, Wärmepumpen für 15 Prozent der Haushalte. Öl wird weiterhin von knapp zehn Prozent bezogen (2025: 10 %), alle anderen Energiequellen wie Solar, Infrarot, Biomasse, Brennstoffzellen oder sonstige werden von deutlich unter fünf Prozent der Befragten genutzt.

Auffällig ist die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg: 2022 nutzten nur knapp neun Prozent eine Luft-, Wasser-, Wärmepumpe und 26 Prozent Fernwärme – diese Energiequellen verzeichnen also einen deutlichen Nutzungsanstieg. Gas (27 auf 25 %) zeigt einen leichten Sinkflug; Pellets und Holz (22 auf 17 %) sind im Vergleich zu 2022 deutlich weniger weit verbreitet. Alternative Methoden wie Luft-/Wasser-/Wärmepumpen sind mittlerweile beliebter – ihre Nutzung ist in einem Jahr von zehn auf 15 Prozent gestiegen. Photovoltaik wird zumindest von knapp jedem zehnten Haushalt genutzt. Weitere Quellen wie Solar, Infrarot oder Biomasse sind aber weit abgeschlagen.

Insbesondere Öl und Gas-Nutzer:innen spüren den Preisdruck und wünschen sich, auch um mehr Unabhängigkeit von ihrer Energiequelle zu erlangen, vermehrt einen Wechsel zu alternativen Energiequellen. Christina Khinast-Sittenthaler, Leiterin des Energiesektors bei EY Österreich, dazu: „Der Sorgendruck durch die hohen Energiekosten ist nicht kleiner geworden, und parallel dazu ist der Wechselwille im Bereich Wärme, insbesondere bei den Quellen Öl und Gas, in die Höhe geschossen. Primär wegen der Kosten und der Angst vor Abhängigkeit, weniger wegen des Klimaschutzes. Hier gäbe es, gerade bei alternativen Quellen, noch große Potenziale, die es zu heben gilt – und dafür braucht es Anreize.“

Das sind Ergebnisse des EY Energiebarometers 2026, für das heuer wieder 1.000 Österreicher:innen zwischen 18 bis 65 Jahren im Zeitraum Ende August bis Mitte September befragt wurden.

Haushalte wollen „raus“ aus Öl und Gas
64 Prozent der Öl-Haushalte wollen gerne auf eine andere Energiequelle umsteigen. 34 Prozent planen kurz- bis mittelfristig den Umstieg auf eine Alternative, 30 Prozent würden gerne wechseln, planen aber derzeit noch nicht konkret. „Im Vorjahr war es etwas mehr als ein Drittel der Personen mit Ölheizung, das über einen Wechsel auf ein anders System nachdachte oder mitten im Umstieg war. Man kann also sagen, der Wechselwille bei der Energiequelle Öl hat sich verdoppelt – ein klares Zeichen dafür, dass die geo- und marktpolitische Lage rund um fossile Energieträger den Menschen in Österreich durchwegs große Sorgen bereitet“, so Khinast. Der vorwiegende Grund, warum Österreicher:innen einen Wechsel vorantreiben wollen, liegt in der Preisentwicklung (60 %), gefolgt vom Wunsch nach Unabhängigkeit vom Ölmarkt (52 %). Immerhin 47 Prozent nennen Klimaschutz als Hauptgrund, umsteigen zu wollen. 

Auch viele Gas-Nutzer:innen planen den Umstieg auf eine Alternative, wenn auch etwas weniger als jene mit Ölheizung. Mehr als ein Viertel (26 %) ist bereits mitten im Wechsel oder in der Planung. Ein weiteres Viertel (25 %) würde gerne wechseln, ist aber noch nicht in die Gänge gekommen. Insgesamt zeigt sich also die Hälfte der Gas-Haushalte (51 %) als wechselwillig. Auch hier sind, wie auch bei Öl, die Preisentwicklung (52 %) und der Wunsch nach Unabhängigkeit (49 %) die treibenden Kräfte; Klimaschutz ist hier nur für 38 Prozent der entscheidende Faktor.

Mehr als ein Drittel Wechselwillige beim Strom-Bezug
Nicht nur bei Wärme, auch bei Strom ist die Kundenzufriedenheit mit dem Anbieter oder Preis ausbaubar: 15 Prozent haben 2026 ihren Stromanbieter gewechselt, mehr als jeder fünfte Haushalt (21 %) zumindest den Tarif beim bestehenden Anbieter. Insgesamt hat also über ein Drittel der Haushalte versucht, die Stromrechnung durch aktives Einschreiten via neuem Anbieter oder Tarif zu reduzieren.

Dass der Wechsel des Stromanbieters durch das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) vereinfacht wurde, hat mittlerweile den Großteil der Bevölkerung erreicht und ist bei 55 Prozent der Österreicher:innen bekannt. Den gesetzlichen Sozialtarif kennen dagegen bisher nur 43 Prozent.

Eigenproduktion noch weit abgeschlagen
Trotz hohem Wechselwillen hat sich Strom aus Eigenproduktion immer noch nicht durchgesetzt. Aktuell nutzen 22 Prozent der Österreicher:innen zumindest teilweise Energie aus Eigenproduktion, 2025 waren es 21 Prozent. Fünf Prozent sagen aus, ihren Strom zur Gänze selbst zu produzieren, weitere fünf Prozent beziehen Strom zumindest zur Hälfte aus Eigenproduktion, und der Großteil der Eigenproduzent:innen (12 %) stellt weniger als die Hälfte des Bedarfs selbst her. Mittlerweile verfügen bereits 55 Prozent der Haushalte über einen Heimspeicher (2025: 48 %), über ein Viertel (26 %) plant die Anschaffung. Zum Vergleich: 2022 setzte nur etwa die Hälfte (23 %) auf die Speicherung überschüssiger Strommengen in den eigenen vier Wänden.

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