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  • Umsatz im produzierenden Bereich steigt im ersten Quartal 2026 auf 94,9 Milliarden Euro – ein leichtes Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal
  • Beschäftigung sinkt zum zehnten Mal in Folge: 12.000 Stellen weniger als vor einem Jahr
  • Exporte legen um 3,5 Prozent auf 49,5 Milliarden Euro zu – Ausfuhren in die Eurozone plus 4,4 Prozent, Exporte in die USA hingegen minus 15 Prozent
  • Automobilindustrie beim Umsatz mit plus 7,5 Prozent vorn
  • Chemie/Pharma und Papier/Pappe entwickeln sich sowohl beim Umsatz als auch bei den Exporten rückläufig

Wien, 14. Juli 2026. Nach zwei Jahren mit rückläufigen Umsätzen sendet die österreichische Industrie erste vorsichtige Erholungssignale. Die produzierenden Unternehmen erwirtschafteten im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 94,9 Milliarden Euro und liegen damit 1,1 Prozent über dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig setzt sich der Beschäftigungsrückgang bereits im zehnten Quartal in Folge fort. Das zeigt das aktuelle EY Industriebarometer. Die Ergebnisse zeichnen ein zweigeteiltes Bild – aus einer beginnenden Stabilisierung von Umsatz und Exporten auf der einen und einem anhaltenden strukturellen Personalabbau auf der anderen Seite.

„Die österreichische Industrie hat den Boden erreicht, aber noch lange nicht die Kraft, sich davon abzustoßen. Der Umsatz wächst wieder – doch das Wachstum ist schmal, ungleich verteilt und wird von einem strukturellen Beschäftigungsabbau überschattet, der sich mittlerweile über zweieinhalb Jahre zieht. Die Frage ist nicht mehr, ob die Rezession endet, sondern wie tragfähig die Erholung sein wird", sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.

Umsatz: Automobilbranche vorn, Chemie/Pharma verliert am stärksten
Der Umsatzanstieg im produzierenden Bereich ist der zweite in Folge, nachdem die Umsätze zuvor zehn Quartale hintereinander gegenüber der Vorjahresperiode gesunken waren. Vom Wachstumsniveau der Jahre 2021 und 2022 ist die österreichische Industrie allerdings weit entfernt. Unter den großen Industriebranchen zeigte die Automobilindustrie mit einem Plus von 7,5 Prozent die beste Umsatzperformance, gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung (+6,6 %), der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+6,3 %), dem Maschinenbau (+5,7 %) sowie den Gummi- und Kunststoffwaren (+4,5 %). Deutlich unter Druck stehen dagegen die Chemie- und Pharmaindustrie (-6,7 Prozent) und der Bereich Papier und Pappe (-6,0 %).

„Was wir aktuell sehen, ist keine flächendeckende Trendwende, sondern eine sehr selektive Erholung. Die exportorientierten Investitionsgüterbranchen profitieren von einer leichten Belebung der internationalen Nachfrage, während sich Chemie/Pharma und Papier/Pappe in einem strukturell härteren Umfeld bewegen. Für die Standortpolitik ist das ein Warnsignal: Die Unterschiede zwischen den Branchen werden größer, nicht kleiner", so Preiss.

Beschäftigung: Zehntes Quartal mit Jobabbau in Folge – Textilindustrie am stärksten betroffen
Der Beschäftigungstrend zeigt seit dem vierten Quartal 2023 nach unten, und die Negativdynamik hatte sich im Jahresverlauf 2025 sogar verstärkt. Zum Ende des ersten Quartals 2026 lag die Zahl der Beschäftigten in sechs von acht untersuchten Industriebranchen unter dem Niveau des Vorjahres. Den prozentual stärksten Rückgang verzeichnete die Textil- und Bekleidungsindustrie mit minus vier Prozent (in absoluten Zahlen minus 452 Stellen), gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung (minus 992 Stellen) sowie der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (minus 1.112 Stellen). Nur die Bereiche Chemie/Pharma (plus 382 Stellen) und Maschinenbau (plus 404 Stellen) meldeten einen Beschäftigungsaufbau. Im längeren Vergleich seit dem ersten Quartal 2019 wurden im produzierenden Bereich per Saldo dennoch 9.164 neue Stellen geschaffen – wobei die Automobilindustrie mit einem Minus von 8.058 Stellen bzw. 20,6 Prozent den mit Abstand stärksten Abbau verzeichnete. Deutliche Zugewinne gab es hingegen in der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (plus 8.943 Stellen bzw. +12,5 %), im Maschinenbau (plus 8.482 Stellen bzw. +9,6 %) und in Chemie/Pharma (plus 6.173 Stellen bzw. +17,8 %).

„Der anhaltende Beschäftigungsabbau ist die eigentliche strukturelle Nachricht dieses Quartals. Vor allem die Zahlen aus der Automobilindustrie – jeder fünfte Arbeitsplatz wurde seit 2019 gestrichen – zeigen, wie tiefgreifend die Transformation in Teilen der österreichischen Industrie bereits ist. Wo die Wertschöpfungsketten neu geordnet werden, verändert sich das Beschäftigungsprofil dauerhaft. Das ist kein zyklisches Phänomen mehr", betont Preiss.

Exporte: Zurück im Plus – aber die USA brechen weg
Deutlich freundlicher zeigt sich der Außenhandel. Österreichische Unternehmen exportierten im ersten Quartal 2026 bewegliche Güter inklusive elektrischem Strom im Wert von rund 49,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 3,5 Prozent bzw. 1,65 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ist – nach sieben Quartalen mit Rückgängen – das zweite Quartal in Folge mit einem Exportanstieg. Getragen wurde die Entwicklung vor allem von den Ausfuhren in die Eurozone (+4,4 % bzw. plus 1,12 Milliarden Euro) sowie in das sonstige Ausland (+8,1 %). Deutlich rückläufig entwickelten sich hingegen die Exporte nach Amerika (-13 % bzw. minus 662 Millionen Euro). In zwölf der 15 größten Exportmärkte Österreichs legten die Ausfuhren zu, allen voran nach Deutschland (+4 % bzw. plus 580 Millionen Euro), Großbritannien (+15 % bzw. plus 200 Millionen Euro) und in die Schweiz (+8 % bzw. plus 190 Millionen Euro). Die stärkste Absatzeinbuße verzeichneten die Ausfuhren in die USA – den drittgrößten Exportmarkt österreichischer Unternehmen – mit einem Minus von 15 Prozent bzw. 539 Millionen Euro. Auch die Exporte nach Slowenien (-10 %) und Rumänien (-4 %) waren rückläufig. Branchenseitig lag die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie mit einem Exportplus von 7,3 Prozent an der Spitze, gefolgt von Metallerzeugung und -bearbeitung (+6,9 %), Gummi- und Kunststoffwaren (+6,6 %) sowie der Automobilindustrie (+6,4 %). Chemie/Pharma (-8,3 %) und die Papierindustrie (-4,8 %) mussten hingegen deutliche Rückgänge hinnehmen.

„Das USA-Geschäft ist im ersten Quartal regelrecht eingebrochen – ein Minus von über einer halben Milliarde Euro in nur einem Quartal ist ein deutliches Warnsignal, gerade vor dem Hintergrund der handelspolitischen Debatten. Dass die Eurozone und Großbritannien diese Lücke aktuell kompensieren, ist ein Glücksfall, aber keine Strategie. Die österreichische Industrie wird ihre Absatzmärkte noch stärker diversifizieren müssen, um sich gegen geopolitische Schocks abzusichern", sagt Preiss.

Ausblick: Bodenbildung ja, Aufschwung nein
Das erste Quartal 2026 bestätigt insgesamt das Bild einer vorsichtigen Stabilisierung: Umsatz und Exporte drehen ins Plus, gleichzeitig verlieren mehrere Branchen weiterhin Beschäftigte, und das Umsatzniveau bleibt spürbar unter den Werten der Boomjahre 2021 bis 2023. Ob die Rezession im produzierenden Bereich damit endgültig überwunden ist, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen – abhängig von der weiteren Entwicklung der Nachfrage in Europa, der Handelspolitik in den USA und den Kostenstrukturen am Standort Österreich.

Die Analyse basiert – soweit nicht anders gekennzeichnet – auf den Konjunkturdaten der EU-harmonisierten Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008 und 2025), hier im speziellen auf den monatlichen Unternehmensdaten (Primärerhebung plus modellbasierte Datenergänzung). Die Analyse der Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern basiert auf der Außenhandelsstatistik (ITGS – International Trade in Goods Statistics) und erfasst Importe und Exporte beweglicher Güter inkl. elektrischem Strom.

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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Bettina Loidhold
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