- 88 Prozent der Befragten halten Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen für wichtig
- 58 Prozent sind der Meinung, dass Unternehmen nicht genug für Klima- und Umweltschutz tun
- 77 Prozent vermuten Übertreibungen in der Klima- und Umweltkommunikation von Unternehmen
- 73 Prozent würden Unternehmen bei glaubwürdiger Nachhaltigkeitskommunikation positiver wahrnehmen
- Jüngere Menschen stellen besonders hohe Anforderungen an unternehmerisches Engagement im Klimaschutz
Wien, 23. September 2026. Österreichs Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, beim Klima- und Umweltschutz Verantwortung zu übernehmen. Das zeigt das aktuelle EY Klimaschutz Barometer 2026, für das 1.000 Österreicher:innen zwischen 16 und 79 Jahren im August 2026 befragt worden sind. Die Ergebnisse offenbaren ein klares Bild: Die Bevölkerung erwartet von Unternehmen aktives Handeln, bewertet die bisherigen Fortschritte jedoch kritisch. Gleichzeitig herrscht großes Misstrauen gegenüber der Nachhaltigkeitskommunikation vieler Unternehmen.
Hohe Erwartungen an die Wirtschaft
88 Prozent der Österreicher:innen halten es für wichtig, dass Unternehmen aktiv Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz setzen. Fast die Hälfte der Befragten stuft entsprechendes Engagement sogar als „sehr wichtig“ ein. Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich nur geringe Unterschiede. Frauen bewerten unternehmerisches Engagement mit 89 Prozent nur etwas wichtiger als Männer mit 87 Prozent.
„Unternehmen werden längst nicht mehr nur an ihren Produkten oder Dienstleistungen gemessen. Klima- und Umweltschutz ist für viele Menschen zu einem wichtigen Bewertungskriterium geworden. Die Erwartungen an die Wirtschaft steigen deutlich“, sagt Willibald Kaltenbrunner, Partner bei EY denkstatt.
Mehrheit sieht Nachholbedarf
Trotz der hohen Erwartungen sind viele Menschen mit dem bisherigen Engagement der Unternehmen unzufrieden. 58 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich Unternehmen heute nicht ausreichend für Klima- und Umweltschutz engagieren. Nur 42 Prozent sehen die bestehenden Aktivitäten als ausreichend an. Besonders kritisch fällt die Beurteilung bei den über 50-Jährigen aus. In dieser Altersgruppe sagen 64 Prozent, dass Unternehmen bislang zu wenig für den Klima- und Umweltschutz leisten.
Von Unternehmen erwartet die Bevölkerung vor allem konkrete Maßnahmen. Rund die Hälfte der Befragten nennt die Reduktion eigener Emissionen sowie Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels als wichtigste Aufgaben. Dazu zählen etwa Hitzeschutz, Vorsorgemaßnahmen gegen Extremwetterereignisse oder Investitionen in resiliente Infrastruktur. 44 Prozent fordern zudem nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen.
„Die Bevölkerung erwartet von Unternehmen nicht nur Klimaziele auf dem Papier. Gefragt sind sichtbare und nachvollziehbare Maßnahmen, die sowohl Emissionen reduzieren als auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken“, so Kaltenbrunner.
Greenwashing-Sorgen prägen die Wahrnehmung
Die Studie zeigt zugleich ein erhebliches Vertrauensproblem. Nur rund ein Drittel der Befragten vertraut den Aussagen von Unternehmen über ihre Maßnahmen im Bereich Klima- und Umweltschutz. Zwei Drittel begegnen solchen Aussagen mit Misstrauen. Frauen sind dabei deutlich skeptischer als Männer: Während 60 Prozent der Männer Aussagen von Unternehmen zu Nachhaltigkeitsthemen eher misstrauen, liegt dieser Wert bei Frauen bei 72 Prozent.
Noch deutlicher fällt das Urteil beim Thema Greenwashing aus: 77 Prozent der Österreicher:innen glauben, dass die Mehrheit oder sogar fast alle Unternehmen ihre Leistungen im Bereich Klima- und Umweltschutz besser darstellen, als sie tatsächlich sind. Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung bei jüngeren Menschen.
„Unternehmen stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen wirksam handeln und gleichzeitig glaubwürdig kommunizieren. Wer Nachhaltigkeit lediglich vermarktet, riskiert erhebliche Vertrauensverluste. Gerade vor dem Hintergrund strengerer regulatorischer Anforderungen wird Glaubwürdigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor“, sagt Kaltenbrunner.
Glaubwürdigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil
Trotz der hohen Skepsis zeigt die Studie auch das Potenzial glaubwürdiger Nachhaltigkeitskommunikation. Fast drei Viertel der Österreicher:innen (73 %) würden ein Unternehmen positiver wahrnehmen, wenn es nachvollziehbar und glaubwürdig über Klima- und Umweltschutz berichtet.
Besonders stark fällt dieser Effekt bei Menschen in Ausbildung aus. In dieser Gruppe würden sogar 88 Prozent Unternehmen bei glaubwürdiger Kommunikation positiver bewerten. Auch die Bereitschaft, zusätzliche Investitionen in Klima- und Umweltschutz mitzutragen, ist vorhanden: 58 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Unternehmen mehr in Klima- und Umweltschutz investieren sollten, selbst wenn dies kurzfristig höhere Kosten und Preissteigerungen nach sich zieht.