EY Nachhaltigkeitsbarometer 2026

Trotz Kostendruck und geopolitischer Krisen: Strategische Integration von Nachhaltigkeit erreicht in Österreichs Unternehmen neuen Höchststand

Willibald Kaltenbrunner, Partner bei EY denkstatt

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  • 61 Prozent der heimischen Großunternehmen haben Nachhaltigkeit inzwischen vollständig in ihre Unternehmensstrategie eingebettet – zehn Prozent mehr als 2025
  • Für jedes zweite Unternehmen zählen finanzielle Beschränkungen mittlerweile zu den größten Hürden bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen (2025: 39 %) – regulatorische Vorgaben belasten sie mit 44 Prozent fast dreimal so oft wie im Vorjahr
  • Vorgaben des Headquarters (87 %) und regulatorische Richtlinien (86 %) treiben Unternehmen nach wie vor am stärksten zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen an
  • Rund 4 von 10 Unternehmen spüren durch steigende Energie- und Rohstoffpreise bereits einen wirtschaftlichen Zusatznutzen ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen

Wien, 07. Oktober 2026. Steigende Energiepreise, geopolitische Unsicherheit und eine wachsende Regulierungsdichte setzen Österreichs Großunternehmen unter Druck – und doch rücken viele von ihnen nicht von ihrer Nachhaltigkeitsstrategie ab. Im Gegenteil: Das Thema hat sich in der heimischen Unternehmenslandschaft weiter gefestigt. Zwar bauen die Unternehmen ihre strategische Verankerung von Nachhaltigkeit und zahlreiche operative Maßnahmen weiter aus, gleichzeitig wachsen aber auch die Hürden bei der Umsetzung – vor allem finanzieller und regulatorischer Natur.

„Auch wenn der Kostendruck in vielen Unternehmen spürbar zunimmt, ist Nachhaltigkeit keine Frage der wirtschaftlichen Großwetterlage mehr, sondern ein fixer Bestandteil unternehmerischer Planung geworden“, sagt Willibald Kaltenbrunner, Partner bei EY denkstatt.

Das zeigt das EY Nachhaltigkeitsbarometer 2026, für das 180 heimische Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden aus allen Branchen befragt wurden.

Strategische Verankerung wächst – auch unter wirtschaftlichem Druck
61 Prozent der befragten Unternehmen sagen aus, sie hätten Nachhaltigkeit inzwischen „vollkommen“ in ihre Unternehmensstrategie eingebettet – 2025 lag dieser Wert noch bei 51 Prozent. Bei den größten Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden betonen 67 Prozent eine volle Integration. Doch auch die kleineren Unternehmen holen deutlich auf: Bei Betrieben mit 250-499 Mitarbeitenden haben 61 Prozent Nachhaltigkeit strategisch eingebettet (2025: 55 %), bei den Unternehmen mit 100-249 Mitarbeitenden sind es bereits 58 Prozent. Das bedeutet eine Steigerung im Vergleich zur Vorperiode um ganze sieben Prozentpunkte.

Drei von zehn Unternehmen (31 %) lassen sich von den geopolitischen Krisen und den gestiegenen Energiepreisen in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie nicht beirren, bei jedem zweiten Unternehmen (51 %) beschleunigen die Krisen die eigenen Aktivitäten sogar zumindest teilweise. Vier von zehn Unternehmen spüren durch die Energie- und Rohstoffpreisentwicklung inzwischen sogar einen höheren wirtschaftlichen Nutzen ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen, nur 17 Prozent verzeichnen das Gegenteil. Die hohen Energiepreise wirken damit für viele Unternehmen weniger als Bremse, denn als Argument für die eigene Nachhaltigkeitsagenda – Investitionen etwa in Energieeffizienz oder eigene Stromerzeugung rechnen sich unter diesen Bedingungen schneller.

„Dass Nachhaltigkeit trotz Kostendruck weiter an Boden gewinnt, zeigt, dass viele Unternehmen sie längst nicht mehr als Zusatzaufgabe, sondern als Teil ihrer wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit verstehen“, so Kaltenbrunner.

Regulatorik und Konzernvorgaben bleiben die stärksten Treiber
Am stärksten treiben die Unternehmen nach wie vor Vorgaben aus der Konzernzentrale (87 %) sowie Gesetze und Regulierungen (86 %) zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen an – letztere haben im Jahresvergleich deutlich an Gewicht gewonnen.

„Die Omnibus-Initiative schafft zwar punktuell Erleichterungen bei der Berichterstattung, doch gleichzeitig kommen neue europäische Vorgaben wie die EmpCo-Richtlinie und die PPWR auf Unternehmen zu. Das regulatorische Umfeld wird dadurch nicht einfacher. In einer sich ständig verändernden regulatorischen Landschaft sind Unternehmen daher besser aufgestellt, wenn sie Verordnungen und Richtlinien nicht isoliert betrachten und reaktiv erfüllen, sondern frühzeitig eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln“, so Kaltenbrunner.

Auf Platz 3 der Treiber folgen persönliche Überzeugungen von Entscheidungsträger:innen (81 %), gefolgt von Anforderungen von Kund:innen und Abnehmer:innen (74 %) sowie der strategischen Notwendigkeit, Wachstum und Profitabilität zu sichern (70 %).

Deutlich an Bedeutung verloren haben dagegen der Wunsch, sich vom Wettbewerb abzuheben (60 %; 2025: 73 %), sowie die Sorge um Reputationsrisiken in einzelnen Unternehmensbereichen (46 %; 2025: 64 %). Der Rückgang bei beiden Motiven deutet dabei weniger auf einen Bedeutungsverlust von Nachhaltigkeit insgesamt als auf eine Verschiebung der Beweggründe hin: Nachhaltigkeit wird seltener primär als Instrument zur Differenzierung oder Absicherung der Reputation verstanden und stärker als strategische und organisatorische Aufgabe im Unternehmen verankert.

Angesichts der Energiekrise und geopolitischer Unsicherheiten streben Unternehmen nach größerer Unabhängigkeit und setzen daher noch stärker auf energiebezogene Maßnahmen: Am häufigsten rückt die eigene Stromerzeugung beziehungsweise Photovoltaik in den Vordergrund (58 %), gefolgt von Energieeffizienz (51 %), Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz (38 %) sowie langfristigen Energiebezugsverträgen wie PPAs (29 %). Die Priorisierung nahezu aller Maßnahmen nimmt mit der Unternehmensgröße zu – größere Unternehmen können offenbar leichter investieren als kleinere.

Maßnahmen im Bereich Governance und Ökologie legen zu
Die Verantwortung für Nachhaltigkeit liegt in drei von zehn Unternehmen beim Vorstand oder der Geschäftsführung selbst (31 %), in einem ähnlich großen Anteil bei einer eigens geschaffenen Stelle (29 %). Nachdem Nachhaltigkeitsabteilungen im vergangenen Jahr teilweise aufgelöst wurden und die Verantwortung verstärkt auf Vorstands- und Geschäftsführungsebene gebündelt worden war, zeigt sich nun, dass die Zuständigkeit wieder stärker in eigens dafür geschaffene Stellen wandert. Eigene Abteilungen und Projektteams werden vor allem von größeren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden etabliert und sind bei einem knappen Viertel der Befragten (23 %) verantwortlich.

Bei den konkreten Governance-Maßnahmen bauen die Unternehmen deutlich aus: 72 Prozent verankern Nachhaltigkeit mittlerweile als wesentlichen strategischen Eckpfeiler (2025: 52 %), 67 Prozent verfügen über einen Nachhaltigkeits-Management-Plan (2025: 44 %), und 66 Prozent betreiben aktives Nachhaltigkeits-Reporting (2025: 46 %). Auch auf struktureller Ebene zeigt sich damit eine deutlich stärkere Verankerung von Nachhaltigkeit in den Unternehmen. Der breite Anstieg bei nahezu allen Governance-Kennzahlen deutet darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Strukturen weiter professionalisieren und Nachhaltigkeit zunehmend systematisch in Strategie, Management und Berichterstattung integrieren.

Bei den ökologischen Maßnahmen haben vor allem die Abfallreduktion und Kreislaufwirtschaft an Stellenwert gewonnen. 90 Prozent der befragten Unternehmen reduzieren ihren Abfall (2024: 74 %), 87 Prozent setzen erneuerbare Energien ein und 86 Prozent arbeiten an höherer Energieeffizienz. Kreislaufwirtschaft verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 67 auf 81 Prozent. Direkte Emissionen reduzieren 79 Prozent der Unternehmen, indirekte Emissionen 73 Prozent.

Freiwillige Berichterstattung trotz reduzierter Berichtspflichten durch Omnibus
Die durch das EU-Omnibus-Paket veränderten Berichtspflichten spiegeln sich in den Ergebnissen wider: 32 Prozent der befragten Unternehmen waren vor dem Omnibus-Paket CSRD-pflichtig und sind nun durch die angehobenen Schwellenwerte ausgenommen.

47 Prozent der befragten Unternehmen waren nie dafür vorgesehen, 16 Prozent sind aktuell nach geltenden Schwellenwerten weiterhin berichtspflichtig. Bemerkenswert: Von den nicht mehr oder nie berichtspflichtigen Unternehmen will dennoch knapp jedes zweite (44 %) freiwillig berichten, etwa nach ESRS oder VSME – ein Indiz dafür, dass viele die CSRD-Vorgaben inzwischen eher als Qualitätsstandard denn als reine Pflichtübung begreifen.

„Der Rückgang der CSRD-Berichtspflicht im Zuge der Omnibus-Vereinfachung entbindet Unternehmen nicht von der Notwendigkeit belastbarer Nachhaltigkeitsdaten – Banken, Investor:innen und große Geschäftspartner fordern diese Informationen ohnehin zunehmend ein“, erklärt Kaltenbrunner.

Finanzierung und Regulatorik werden zu den größten Hürden, Digitalisierung bleibt Nebenschauplatz
Während größere Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden vor allem an der Regulatorik verzweifeln, drückt kleinere Unternehmen eher der fehlende finanzielle Spielraum. Das Zusammenspiel aus mehr Regulierung und engeren Budgets könnte gerade für kleinere Betriebe zum Nadelöhr werden – ihnen fehlen häufig die Kapazitäten, um regulatorische Anforderungen mit denselben Ressourcen zu stemmen wie Konzerne. Finanzielle Beschränkungen bremsen mittlerweile die Hälfte (49 %) von ihnen aus – zehn Prozentpunkte mehr als noch 2025. Fast ebenso häufig, nämlich bei 44 Prozent, machen regulatorische Vorgaben zu schaffen; ihr Anteil hat sich binnen eines Jahres nahezu verdreifacht (2025: 16 %). Dahinter folgen die Integration von ESG-Daten in bestehende Prozesse (32 %) und Reibungen entlang der Lieferkette (24 %).

Ausgerechnet dort, wo Entlastung möglich wäre, hinken viele Unternehmen hinterher: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz spielen im Nachhaltigkeitskontext noch eine untergeordnete Rolle. 43 Prozent der Unternehmen setzen hier aktuell überhaupt keine Lösungen ein. Nur ein Fünftel (21 %) nutzt KI zumindest für Datensammlung, -aufbereitung oder -analyse; 17 Prozent bauen individuelle Datenlösungen wie Data Lakes oder BI-Tools auf. Nur jeder zehnte Betrieb setzt spezialisierte Softwarelösungen für ESG- und Nachhaltigkeitsdaten ein. Angesichts wachsender Berichtspflichten und Datenanforderungen dürfte sich diese Zurückhaltung mittelfristig als teurer Umweg erweisen.

„Wer den wachsenden Datenanforderungen bei Nachhaltigkeitsberichterstattung und CO2-Bilanzierung mit begrenzten Ressourcen begegnen will, kommt an digitalen Werkzeugen und KI-gestützter Datenaufbereitung mittelfristig nicht vorbei. Die diesjährigen Zahlen zeigen dabei eine Entwicklung mit zwei Geschwindigkeiten: Österreichs Großunternehmen halten an ihren Nachhaltigkeitsstrategien fest, während ihnen die Umsetzung im Detail zunehmend schwerer fällt. Wer jetzt in belastbare Daten, klare Governance-Strukturen und digitale Prozesse investiert, dürfte künftig unabhängiger von wechselnden Berichtspflichten und Förderregeln dastehen“, sagt Kaltenbrunner.

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at 

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