- Finanzierungsvolumen österreichischer Start-ups steigt auf 472 Millionen Euro (+329 %)
- Rein internationale Investor:innengruppen investieren mindestens 300 Millionen Euro in österreichische Start-ups – nach lediglich 21 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum
- Anteil rein internationaler Investor:innengruppen am gesamten Finanzierungsvolumen steigt von 27 Prozent auf 64 Prozent
- Österreichische Investor:innen bleiben stark vertreten und sind an 63 Prozent aller Finanzierungsrunden beteiligt
- Bei Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro stellen heimische Investor:innen nur noch 12,5 Prozent der beteiligten Kapitalgeber:innen
- Sieben der zehn größten Finanzierungsrunden kommen ohne Beteiligung österreichischer Investor:innen zustande
- AI-Start-ups sammeln 93 Millionen Euro ein – zweithöchster Halbjahreswert seit Beginn der Auswertung
- Sustainability-Start-ups erhalten 170 Millionen Euro – mehr als jeder dritte investierte Euro fließt in Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbezug
Wien, 23. Juli 2026. Nach einem schwachen ersten Halbjahr 2025 ist internationales Wachstumskapital auf den österreichischen Start-up-Markt zurückgekehrt. Während im Vorjahreszeitraum lediglich mindestens 21 Millionen Euro beziehungsweise 27 Prozent des investierten Risikokapitals aus rein internationalen Investor:innengruppen stammten, waren es im ersten Halbjahr 2026 mindestens 300 Millionen Euro beziehungsweise 64 Prozent. Damit wird die aktuelle Erholung des österreichischen Start-up-Markts maßgeblich von internationalen Kapitalgeber:innen getragen. Gleichzeitig stieg das gesamte Finanzierungsvolumen auf 472 Millionen Euro und damit um 329 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Finanzierungsrunden erhöhte sich von 78 auf 97 und erreichte damit einen neuen Halbjahresrekord.
Das sind die Ergebnisse des Start-up Investment Barometers für das erste Halbjahr 2026 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit invest.austria, dem führenden Netzwerk für Investor:innen am vorbörslichen Kapitalmarkt in Österreich. Berücksichtigt wurden veröffentlichte Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Internationale Investor:innen prägen den Markt wieder deutlich stärker
Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung bei der Herkunft des Risikokapitals. Im ersten Halbjahr 2025 entfielen lediglich 27 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf rein internationale Investor:innengruppen. Gleichzeitig wurden damals 17 Prozent des Kapitals von ausschließlich österreichischen Investor:innen bereitgestellt. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich dieses Verhältnis grundlegend verändert: Rein internationale Investor:innengruppen stellen nun 64 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens, während der Anteil rein österreichischer Investor:innengruppen auf fünf Prozent sinkt.
„Internationale Investor:innen sind zurück – und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt eine massive Verschiebung: 2025 wurde der Markt noch stark von heimischen und gemischten Investor:innengruppen getragen, 2026 kommt der Großteil des Kapitals wieder aus rein internationalen Runden. Das ist ein starkes Vertrauenssignal für die Qualität österreichischer Start-ups und für die internationale Wahrnehmung des Standorts“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sich die Entwicklung nicht nur in einzelnen Ausnahmedeals zeigt. Die Zahl der Finanzierungsrunden erreichte mit 97 Abschlüssen einen historischen Höchstwert. Gleichzeitig flossen mehr als 300 Millionen Euro aus rein internationalen Investor:innengruppen in österreichische Start-ups. Die aktuelle Erholung des Marktes wird damit sowohl durch eine höhere Aktivität als auch durch die Rückkehr großer international finanzierter Wachstumsrunden getragen.
Österreichische Investor:innen bleiben das Fundament des Ökosystems
Trotz der starken Rolle internationaler Kapitalgeber:innen bleiben heimische Investor:innen ein zentraler Baustein des österreichischen Start-up-Ökosystems. An mindestens 61 der 97 registrierten Finanzierungsrunden waren österreichische Investor:innen beteiligt. Das entspricht 63 Prozent aller Deals. 39 Finanzierungsrunden beziehungsweise 40 Prozent aller Abschlüsse wurden sogar ausschließlich von Investor:innen mit Hauptsitz in Österreich begleitet. Auch bei der Anzahl der Investor:innen zeigt sich die weiterhin hohe Bedeutung heimischer Kapitalgeber:innen: Von den mindestens 230 namentlich bekannten Investor:innen im ersten Halbjahr 2026 haben 116 ihren Hauptsitz in Österreich. Deutschland folgt mit 49 Investor:innen auf Rang zwei. Dahinter liegen die Schweiz (11) und die USA (7).
„Österreichische Investor:innen sichern die Breite des Marktes und ermöglichen seit Jahren die Finanzierung zahlreicher Start-ups in frühen Entwicklungsphasen. Ohne dieses Fundament wäre die jetzt wieder und hoffentlich auch nachhaltig positive Entwicklung des Standorts nicht möglich. Gleichzeitig sehen wir aber, dass größere Wachstumsschritte zunehmend von internationalen Kapitalgeber:innen finanziert werden“, so Haas.
Je größer die Finanzierungsrunde, desto internationaler das Kapital
Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei einem Blick auf die Größenklassen der Finanzierungsrunden. Während bei Finanzierungen bis zu einer Million Euro österreichische Investor:innen 74 Prozent aller beteiligten Kapitalgeber:innen stellen, sinkt ihr Anteil bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro auf 36 Prozent. Bei Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro liegt der Anteil heimischer Investor:innen nur noch bei rund 13 Prozent. Der Vergleich mit dem Vorjahr verdeutlicht die Dynamik zusätzlich: Im ersten Halbjahr 2025 lag der Anteil heimischer Investor:innen bei den Finanzierungsrunden über zehn Millionen Euro noch bei rund 80 Prozent. Heute dominieren internationale Kapitalgeber:innen diese Größenordnung deutlich.
„Je größer die Finanzierungsrunde, desto internationaler wird die Kapitalbasis. Das ist grundsätzlich kein Nachteil – im Gegenteil: Internationale Investor:innen bringen zusätzliches Kapital, Erfahrung und Netzwerke mit. Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung aber auch, dass Österreich bei großen Wachstumstickets weiterhin stark auf ausländisches Kapital angewiesen ist“, sagt Haas.
„Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass internationales Kapital wieder bereit ist, größere Wachstumsfinanzierungen in Österreich zu begleiten. Das ist eine erfreuliche Entwicklung und ein wichtiges Signal für den Standort. Gleichzeitig macht die Analyse aber auch sichtbar, dass Österreich bei großen Finanzierungsrunden weiterhin stark von ausländischem Kapital abhängig ist. Um langfristig mehr Wertschöpfung, Wachstum und Skalierung im Inland zu ermöglichen, müssen wir zusätzliche heimische Kapitalquellen erschließen. Gerade institutionelle Investor:innen wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Deshalb ist die rasche und ambitionierte Umsetzung des angekündigten Dachfonds ein wichtiger Schritt, um privates Kapital stärker für Innovation und Unternehmertum zu mobilisieren“, sagt Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria.
Internationale Investor:innen dominieren die größten Finanzierungen
Die Analyse der größten Finanzierungsrunden des ersten Halbjahres bestätigt diesen Trend. Unter den 26 Investor:innen der zehn größten Finanzierungsrunden befanden sich lediglich drei österreichische Kapitalgeber:innen. 23 Investor:innen stammen aus dem europäischen Ausland (inklusive UK), weitere fünf aus den USA. Sieben der zehn größten Finanzierungsrunden kamen ohne Beteiligung österreichischer Investor:innen zustande.
Der Unterschied zum Vorjahr könnte kaum größer sein: Im ersten Halbjahr 2025 waren an acht der zehn größten Finanzierungsrunden österreichische Kapitalgeber:innen beteiligt. Unter den Investor:innen der Top-3-Deals befanden sich damals sogar mehrheitlich heimische Investor:innen (57 %).
Investor:innen setzen auf Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit
Neben der Herkunft des Kapitals zeigt das aktuelle Investment Barometer auch klar, welche Themen derzeit im Fokus der Investor:innen stehen. Besonders stark nachgefragt waren im ersten Halbjahr 2026 Unternehmen aus den Bereichen Sustainability und Artificial Intelligence. Beide Segmente vereinen einen erheblichen Teil des gesamten investierten Risikokapitals auf sich und zählen zu den wichtigsten Zukunftsthemen des österreichischen Start-up-Ökosystems.
Künstliche Intelligenz bleibt einer der stärksten Wachstumstreiber
Auch Artificial Intelligence zählt weiterhin zu den attraktivsten Investmentfeldern. Im ersten Halbjahr 2026 flossen insgesamt 93 Millionen Euro in österreichische AI-Start-ups. Damit wurde der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Auswertung erreicht. Insgesamt entfielen 30 der 97 registrierten Finanzierungsrunden (31 %) auf Unternehmen mit AI-Bezug.
Zusätzliche Dynamik erhielt das österreichische AI-Ökosystem durch den erfolgreichen Exit von Emmi AI, der im ersten Halbjahr 2026 für große Aufmerksamkeit sorgte. Die Kombination aus hohen Finanzierungsvolumina und erfolgreichen Exits zeigt, dass österreichische AI-Unternehmen zunehmend internationale Relevanz erreichen und zu den sichtbarsten Innovationstreibern des Standorts zählen.
„Künstliche Intelligenz ist der zentrale Innovationstreiber in nahezu allen Branchen. Investor:innen investieren heute nicht mehr nur in die Technologie selbst, sondern vor allem in konkrete Anwendungsfälle mit skalierbaren Geschäftsmodellen. Österreichische Start-ups können hier mit starken Lösungen in Bereichen wie Health, Cybersecurity, Enterprise Software oder Industrial Tech punkten“, sagt Haas.
„Die erfolgreiche Übernahme von Emmi AI durch Mistral hat international für viel Aufmerksamkeit gesorgt und zeigt, dass Österreich im Bereich Künstliche Intelligenz nicht nur innovative Technologien hervorbringt, sondern Unternehmen mit internationaler Relevanz aufbauen kann. Solche Erfolgsgeschichten schaffen Sichtbarkeit, stärken das Vertrauen von Investor:innen und setzen wichtige Signale für die nächste Generation von AI-Gründer:innen“, so Haas.
Wenige Deals, große Tickets: Sustainability zieht besonders viel Kapital an
Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 170 Millionen Euro entfiel im ersten Halbjahr 2026 mehr als jeder dritte investierte Euro auf Start-ups mit Sustainability-Bezug. Gleichzeitig wurden jedoch lediglich 14 Finanzierungsrunden in diesem Bereich registriert.
Auf den ersten Blick erscheint diese Kombination ungewöhnlich: Ein vergleichsweise kleiner Anteil der Finanzierungsrunden vereint einen überproportional hohen Anteil des gesamten Investitionsvolumens auf sich. Der Grund dafür liegt in der Struktur des Nachhaltigkeitssektors. Viele Sustainability-Unternehmen entwickeln technologie- und kapitalintensive Lösungen in Bereichen wie nachhaltiges Bauen, Energie, Dekarbonisierung, Batterie-Technologien oder industrielle Transformation. Diese Geschäftsmodelle erfordern häufig deutlich höhere Finanzierungsvolumina als klassische Software- oder Internetunternehmen und ziehen daher größere Wachstumstickets nach sich. Entsprechend wurde ein erheblicher Teil des gesamten Sustainability-Investitionsvolumens von wenigen großen Finanzierungsrunden getragen.
„Im Nachhaltigkeitsbereich beobachten wir, dass Investor:innen sehr gezielt in Unternehmen investieren, die bereits eine gewisse Größenordnung erreicht haben und Lösungen für zentrale Transformationsherausforderungen entwickeln. Themen wie nachhaltiges Bauen, Energie, Batterietechnologie oder Dekarbonisierung sind häufig kapitalintensiv und erfordern größere Wachstumstickets. Entsprechend konzentriert sich ein erheblicher Teil des verfügbaren Kapitals auf vergleichsweise wenige Unternehmen mit hohem Skalierungspotenzial und internationaler Relevanz“, sagt Haas.
Aufschwung ja – aber Wachstum bleibt international finanziert
Der österreichische Start-up-Markt hat sich im ersten Halbjahr 2026 eindrucksvoll zurückgemeldet. Das Finanzierungsvolumen hat sich mehr als vervierfacht, die Zahl der Finanzierungsrunden erreicht einen neuen Rekordwert und internationale Investor:innen stellen wieder einen wesentlichen Teil des Kapitals bereit.
Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass große Wachstumsschritte weiterhin stark von internationalen Kapitalgeber:innen abhängig sind. Heimische Investor:innen bleiben für die Finanzierung früher Unternehmensphasen unverzichtbar, während internationale Fonds insbesondere bei größeren Finanzierungsrunden die entscheidende Rolle spielen.
„Internationale Investor:innen bringen nicht nur Kapital, sondern auch Netzwerke, Erfahrung und Marktzugang. Österreichische Start-ups profitieren davon enorm. Gleichzeitig sollte es unser Ziel sein, künftig mehr dieser Wachstumsfinanzierungen gemeinsam mit heimischen Investor:innen darzustellen. Warum das so wichtig ist, zeigt sich ganz besonders im Exit-Fall: Wenn Aushängeschilder wie Tractive oder zuletzt Emmi AI erfolgreich verkauft werden, fließt das Geld nur dann in unseren Kreislauf zurück, wenn heimische Geldgeber:innen an Bord waren. Sie spielen das freigewordene Kapital durch neue Investments wieder in das System zurück – ein ‚Flywheel-Effekt‘, der in anderen Start-up-Nationen längst als Erfolgsmotor dient. Je stärker unsere heimische Investor:innenlandschaft also wird, desto mehr Wertschöpfung und Know-how können wir durch diesen Kreislauf langfristig im Land halten“, so Haunstein.
„Der aktuelle Aufschwung zeigt, dass Österreich als Innovationsstandort international wieder stärker wahrgenommen wird. Gleichzeitig unterstreichen die Zahlen, wie wichtig internationale Investor:innen für die Finanzierung ambitionierter Wachstumspläne geworden sind. Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird darin bestehen, internationales Kapital anzuziehen und gleichzeitig die Verfügbarkeit heimischen Wachstumskapitals weiter zu stärken“, sagt Haas abschließend.