- Drei Viertel der Organisationen haben weder ein integriertes zentrales Gebäude- und Infrastrukturmanagement noch eine ausgearbeitete Entwicklungsstrategie im Immobilienbereich, zwei Drittel keinen Dekarbonisierungsfahrplan
- 72 Prozent sehen Investitions- und Sanierungsbedarf im Bereich Immobilien & Infrastruktur – finanzielle Herausforderungen dominieren
- 51 Prozent der Flächen in den Organisationen werden effizient genutzt, bei 42 Prozent gibt es Handlungsbedarf
- Nur drei von zehn Städten/Gemeinden haben eine Smart City-/Stadtentwicklungsstrategie – Potenziale für Klimaresilienz und Kreislaufwirtschaft werden liegen gelassen
- 28 Prozent halten Reifegrad der digitalen Services für hoch, zwei Drittel für mittel bis gering
- Jede zweite Stadt/Gemeinde betrachtet E-Ladeinfrastruktur als ausreichend
Wien, 30. Juli 2026. Die Verwaltung und Entwicklung von Liegenschaften sowie der Ausbau der Infrastruktur stellen zentrale Aufgabenbereiche der öffentlichen Hand in Österreich dar. Ein Viertel der Organisationen im öffentlichen Bereich (25 %) verfügt über ein integriertes, zentrales Gebäude- bzw. Infrastrukturmanagement und bündelt somit die Verwaltung ihrer Flächen an einem Ort. Jede neunte Organisation (11 %) gibt an, dass sie auf ein voll integriertes Management zurückgreift – dem gegenüber stehen jedoch 56 Prozent, die ihr Infrastrukturmanagement als gar nicht oder wenig integriert einschätzen. Vor allem Unternehmen im öffentlichen Eigentum, Kammer und Innung setzen auf Integration (29 %), ebenso wie Organisationen mit mehr als 200 Mitarbeitenden (47 %).
Das sind Ergebnisse der Studie „Zukunft Verwaltung“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im Februar und März 2026 173 Organisationen aus dem Bereich Bund/Länder/Gemeinden sowie österreichische Unternehmen über 20 Mitarbeitenden aus dem öffentlichen Sektor befragt wurden.
Vier von zehn Organisationen (42 %) geben an, dass es derzeit ineffizient genutzte Flächen gibt – davon sehen 14 Prozent erheblichen Handlungsbedarf. Wenngleich an einigen Stellen Bedarf nach Veränderung laut wird, hat nur ein Viertel der Organisationen (25 %) eine Entwicklungsstrategie im Immobilienwesen etabliert, 35 Prozent im Infrastruktur-Bereich. „Die Ergebnisse zeigen: Ohne Strategie und zentralen Überblick über Flächen, Zustand und Maßnahmenportfolio bleibt Steuerung ineffizient und reaktiv. Der öffentliche Sektor sollte Liegenschaften und Infrastruktur als Portfolio über den Lebenszyklus führen – so lassen sich Flächen effizienter nutzen, Sanierungen priorisieren und Budgets zielgerichtet einsetzen.“, analysiert Elisabeth Sardy-Rauter, Director EY-Parthenon und Bau- und Immobilienexpertin bei EY.
Hoher Sanierungsbedarf verzeichnet
Das Thema CO2-Emissionen ist in der öffentlichen Verwaltung noch zu wenig präsent: Zwei Drittel der Organisationen haben noch keinen Dekarbonisierungsfahrplan für ihren Immobilienbestand erarbeitet. Erst in einem Drittel der Organisationen (34 %) existiert aktuell ein Dekarbonisierungsfahrplan für den Immobilienbestand, jedoch ist er nur in 18 Prozent implementiert.
Beim Blick in die Zukunft wird auch klar, dass der Status Quo Veränderung verlangt, auch in Hinblick auf die Anforderungen der neuen EU-Gebäuderichtlinie EPBD, die eine raschere Umsetzung bei öffentlichen Gebäuden vorsieht. „Die Problemfelder und Herausforderungen, die den Bereich Infrastruktur und Immobilien dominieren, sind vielfältig – von regulatorischen und externen Rahmenbedingungen bis hin zur Umstellung auf alternative Energiequellen. Doch am stärksten sieht sich die öffentliche Verwaltung Österreichs mit finanziellen Hürden sowie knapper Budgetierung konfrontiert. Und dies bei gleichzeitig hohem Investitions- und Sanierungsstau in nahezu allen Bereichen der kommunalen Infrastruktur“, ergänzt Ralf Seidenspinner, Senior Manager EY-Parthenon und Infrastrukturexperte bei EY. So sehen derzeit immerhin fast drei Viertel (72 %) Investitions- bzw. Sanierungsbedarf im Bereich Immobilien & Infrastruktur, 27 Prozent davon sogar erheblichen.
Smart Cities und urbane Transformation
Stadtentwicklung ist ein großes Thema für Städte und Gemeinden. Trotzdem geben nur 30 Prozent der befragten Organisationen im Bereich Stadt/Gemeinde an, bereits eine Smart-City-/Stadtentwicklungs-Strategie verankert zu haben – am wenigsten jedoch in Österreichs Westen (43 % nicht eingebunden). Nicht nur die Implementierung der Smart-City-Strategie per se spielt eine Rolle, sondern auch die Einbettung digitaler Services in Städten und Gemeinden. Der Reifegrad dieser ist laut Angaben der Befragten nur bei knapp drei von zehn (28 %) sehr hoch bzw. hoch.
Auch bei der Integration von Mobilität, Energie, Digitalisierung und Verwaltung innerhalb der Städte/Gemeinden besteht Nachholbedarf: Sie ist nur bei einem Viertel (23 %) sehr stark bzw. stark – vor allem, bei Organisationen mit über 200 Mitarbeitenden (57 %). Nur 17 Prozent der Städte/Gemeinden haben Klimathemen/Kreislaufwirtschaft (sehr) stark in Smart City-Ansätze integriert. „In Hinblick auf die besorgniserregenden Entwicklungen in den Bereichen urbane Hitze, Extremwetterereignisse und begrenzte Ressourcen gilt es hier dringend, die Hausaufgaben zu machen. Dass acht von zehn Städten/Gemeinden Klimathemen noch nicht im strategischen Fokus haben, zeigt den starken Aufholbedarf“, so Andreas Lindinger, Senior Manager bei EY denkstatt und Smart-City- und Mobilitäts-Experte bei EY. Pickt man das Thema E-Ladeinfrastruktur heraus, zeigt sich eine große Zufriedenheit mit dem derzeit vorhandenen Angebot an öffentlicher Ladeinfrastruktur, auch in Hinblick auf die zunehmende Anzahl an E-Fahrzeugen: 52 Prozent der Städte/Gemeinden bezeichnen diese als (völlig) ausreichend, einzig drei Prozent stimmen für „völlig unzureichend“.
Nur knapp einem Viertel der Städte/Gemeinden gelingt die Einbindung von Stakeholdern in Smart City-Strategien (sehr) gut, nämlich 24 Prozent, und zwar unabhängig davon, ob und wie weit diese bereits verankert sind – besonders gut in Österreichs Mitte und Süden (Steiermark, Kärnten, OÖ) sowie im Westen (Salzburg, Tirol, Vorarlberg), zu je 26 Prozent. Gute drei Viertel der Organisationen scheinen jedoch laut der Befragung ihre Stakeholder wenig bis gar nicht einzubinden.
„Die Zukunft unserer Städte entscheidet sich nicht allein an der Umsetzung von Smart-City-Strategien, sondern daran, wie konsequent es gelingt, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Lebensqualität miteinander zu verbinden – und dabei alle relevanten Akteur:innen aktiv einzubinden. Erst wenn Technologie, Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Teilhabe zusammenspielen, wird urbane Transformation wirklich wirksam“, so Lindinger.