- Finanzierung und Einsparungen dominieren
- Zwei Drittel spüren starken Budgetdruck
- Nur 35 Prozent aus dem Bereich Stadt/Gemeinde geben Veränderungsbereitschaft an
- Ein Drittel der Organisationen bezeichnet die internen Strukturen & Prozesse als (sehr) effizient, öffentliche Unternehmen weit häufiger
- Fast jede Organisation ortet Potenzial bei Prozesseffizienz im Förderwesen
Wien, 16. Juni 2026. Die österreichische öffentliche Verwaltung steht vor der Herausforderung, ihre Finanzierung und ihre internen Prozesse mit dem Ziel einer langfristigen Budgetstabilität zu optimieren. Jede elfte befragte Organisation in Österreich (9 %) im öffentlichen Bereich sieht einen sehr hohen Veränderungs- und Reformdruck. Geht man stärker ins Detail, wird deutlich, dass sich vor allem Organisationen im Bereich Stadt und Gemeinde (30 %) sehr großem Druck ausgesetzt fühlen, hingegen verspürt ein Drittel der Unternehmen im öffentlichen Eigentum, Kammern und Innungen einen sehr bzw. geringen Veränderungs- und Reformdruck (32 %).
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass der wahrgenommene Reformdruck innerhalb des öffentlichen Sektors unterschiedlich ausgeprägt ist und selbst innerhalb einzelner Organisationsgruppen gleichzeitig hohe und niedrige Ausprägungen vorkommen können.
Dominiert werden die Agenda der befragten Organisationen vor allem von den Themen Finanzierung (sehr wichtig für 58 %) sowie Einsparungen allgemein (55 %). Am anderen Ende der Prioritäten-Skala rangieren Personalreduktion (nur für 7 % sehr wichtig) und Reduktion der genutzten Büroflächen (9 %).
„Vor allem Stadt und Gemeinde kämpfen mit einem sehr hohen bzw. hohen Budgetdruck – nämlich 79 Prozent der Befragten. Während die Sicherung der Finanzierung und allgemeine Einsparungen ganz oben auf der Agenda stehen, werden drastische Einschnitte beim Personal oder der Infrastruktur kaum als zielführend angesehen. Der Fokus liegt sichtlich auf einer internen Effizienzsteigerung, ohne die Substanz der Organisation zu gefährden“, so Christoph Harreither, Leiter des Bereichs Government & Public Services bei EY Österreich.
Das sind Ergebnisse der Studie „Zukunft Verwaltung“ der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im Februar und März 2026 173 Organisationen aus dem Bereich Bund/Länder/Gemeinden sowie österreichische Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitenden aus dem öffentlichen Sektor befragt wurden.
Veränderungsbereitschaft mäßig trotz Druck
Daraus resultiert, dass viele einen ganz genauen Blick auf Effizienzsteigerung werfen – und da zeige sich viel Luft nach oben, fasst Harreither zusammen. Denn: Nur die Hälfte der Verwaltungsorganisationen (46 %) ist mit der bis jetzt erzielten Verbesserung von Effizienz und Servicequalität zufrieden, die größte Zufriedenheit zeigt sich bei Unternehmen im öffentlichen Eigentum, Kammern und Innungen (21 % sehr zufrieden). Fast jede Organisation ortet mehr oder weniger großes Potenzial bei der Effizienz der Prozesse im Förderwesen – nur fünf Prozent bezeichnen ihre Prozesse als sehr effizient, weitere 17 Prozent als eher effizient.
„Finanzierungssicherung und Einsparungen stehen bei über der Hälfte der Organisationen ganz oben auf der Agenda, während die systematische Überprüfung der Förderwirksamkeit und -effizienz oft noch im Hintergrund bleibt. Das ist insofern bemerkenswert, als gut drei Viertel der Befragten erhebliches Potenzial sehen, Förderungen effizienter und wirksamer zu gestalten. Insbesondere die Vermeidung von Doppelförderungen, eine gezielte Optimierung der förderrelevanten Prozesse und eine Evaluierung der Wirksamkeit der Förderungen, um nur einige Beispiele zu nennen, wären geeignete Maßnahmen, um Budgetziele zu erreichen, ohne wesentliche Auswirkungen für die berechtigten Begünstigen“, fügt Harreither an.
Bei der Leistungsmessung geht die Schere weit auseinander: Die Steuerung über KPIs, z.B. die Anzahl der erledigten Fälle pro Fachkraft und Arbeitstag, Anzahl offene Verfahren, durchschnittliche Bearbeitungsdauer etc., ist bloß bei fünf Prozent vollständig etabliert, hingegen bei 30 Prozent gar nicht.
Nur in einem knappen Drittel (32 %) der Organisationen wird eine (sehr) hohe Veränderungsbereitschaft wahrgenommen, in Bund und Land noch weniger – hier geben nur noch 17 Prozent an, die Veränderungsbereitschaft sei „eher hoch“.
Blick nach innen: Restrukturierung und Organisationsentwicklung
Ein knappes Drittel der Organisationen (32 %) bezeichnet die internen Strukturen als (sehr) effizient – bei öffentlichen Unternehmen, Kammern und Innungen stimmt die Hälfte (50 %) zu. Die Hälfte aller Befragten reiht sich allerdings in der Mitte ein, 55 Prozent geben an, die Effizienz als „mittel“ einzustufen.
Bestehende Governance-Strukturen sind für Organisationen die Basis für Regeln, Zuständigkeiten, Entscheidungsprozesse usw. – für knapp die Hälfte (45 %) ist der Reifegrad dieser Strukturen als sehr hoch. bzw. eher hoch einzustufen. Das Mittelfeld ist hier ebenfalls stark, mit 43 Prozent. „Zwei Drittel der Befragten leiden unter Kostendruck, und Einsparungen. Umso entscheidender ist es, die identifizierten Effizienzpotenziale bei Förderungen und anderen verwaltungsinternen Prozessen auszuschöpfen, um Spielräume für künftig notwendige Investitionen und Innovationen zu sichern“, so Harreither.
Beim Blick in die Zukunft wird klar: Mehr finanzielle Mittel für öffentliche Einrichtungen rangieren auf Platz 1 der Wunschliste (29 %). Standortentwicklung bzw. -instandhaltung (Infrastruktur, Sanierungen) sind die zweitdringendste Zukunftsaufgabe (21 %) für die Befragten. „Dass man die Bevölkerung miteinbindet und zur Mitarbeit animiert, ist essenziell. Neben strukturellen und strategischen Verbesserungen wie Innovation, Effektivität, Qualitätssicherung und Co. geht es vor allem darum, Bürgernähe zu praktizieren und transparent zu sein“, schließt Martin Bodenstorfer, Partner bei EY-Parthenon.