- 5,92 Millionen Datenspuren zeigen, wie sichtbar österreichische Identitäten in geleakten Datenbeständen sind
- Mehr als jede dritte E-Mail-Adresse taucht in mehreren unabhängigen Datenlecks auf
- Viele historische Datenlecks sind noch heute relevant, weil Passwörter häufig wiederverwendet werden
- Weniger als fünf Prozent der analysierten Passwörter erfüllen empfohlene Sicherheitsstandards
- Unternehmen sollten exponierte digitale Identitäten laufend überwachen und konsequent mit Multi-Faktor-Authentifizierung absichern
Wien, 22. Oktober 2026. Millionen österreichische E-Mail-Adressen und digitale Identitäten sind in öffentlich zugänglichen Datenbeständen dokumentiert, die Cyberkriminelle für Betrugsversuche, Phishing-Angriffe oder die Übernahme von Konten nutzen können. Eine gemeinsame Studie von EY Österreich und Risikomonitor zeigt nun erstmals in dieser Breite, wie sichtbar Personen und Unternehmen aus Österreich in geleakten Datenbeständen sind und warum viele historische Datenlecks bis heute ein relevantes Risiko darstellen. Für die Studie wurden Daten aus 7.721 unterschiedlichen Datenlecks ausgewertet. Insgesamt wurden 5,92 Millionen Datenspuren und 2,95 Millionen eindeutige E-Mail-Adressen mit Österreich-Bezug identifiziert. Von rund 1,6 Millionen untersuchten Domains wiesen knapp 297.000 mindestens einen Treffer auf.
Millionen Datenspuren erleichtern gezielte Angriffe
Ein zentraler Befund der Studie ist, dass die meisten identifizierten Datenspuren aus Datenlecks stammen, bei denen auch Zugangsdaten betroffen waren. Daneben finden sich zahlreiche Einträge aus Marketing- und Kontaktdatenbanken. Während die einen für Login-Angriffe genutzt werden können, liefern die anderen wertvolle Informationen für Phishing-Nachrichten, betrügerische Anrufe oder Social-Engineering-Angriffe.
Für Cyberkriminelle sind solche Informationen besonders wertvoll. Oft reicht bereits eine E-Mail-Adresse, die Firmenzugehörigkeit oder die berufliche Funktion aus, um täuschend echte Nachrichten oder Anrufe vorzubereiten. Die Menge der öffentlich verfügbaren Informationen erleichtert es Angreifer:innen, Vertrauen aufzubauen und gezielt Personen in Unternehmen anzusprechen.
„Die reine Zahl der Findings erzählt nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist die Frage, wie die Daten genutzt werden können. Zugangsdaten schaffen Risiken für Kontoübernahmen, während Kontaktdaten gezielte Phishing- und Social-Engineering-Angriffe erleichtern. Unternehmen müssen daher nicht nur technische Schwachstellen im Blick behalten, sondern auch ihre digitale Sichtbarkeit“, sagt Robert Pölzelbauer, Senior Manager bei EY Österreich.
„Viele Unternehmen konzentrieren sich auf die Frage, ob ein Passwort betroffen ist. In der Praxis sehen wir aber zunehmend Angriffe, die lange vor dem eigentlichen Login beginnen. Informationen über Funktionen, Verantwortlichkeiten oder Geschäftsbereiche reichen heute oft aus, um täuschend echte Angriffe vorzubereiten“, ergänzt Manuel Löw-Beer, Geschäftsführer von Risikomonitor.
Mehr als jede dritte E-Mail-Adresse taucht mehrfach auf
Besonders auffällig ist, dass mehr als jede dritte untersuchte E-Mail-Adresse in mehreren unabhängigen Datenlecks vorkommt. Rund 1,04 Millionen Adressen wurden in mindestens zwei Quellen identifiziert. Mehr als 24.000 Adressen tauchen sogar zehnmal oder häufiger auf.
Je häufiger eine digitale Identität in kompromittierten Datenbeständen auftaucht, desto interessanter wird sie für Cyberkriminelle. Denn viele Nutzer:innen verwenden Passwörter mehrfach oder ändern diese über Jahre hinweg kaum. Ältere Datenlecks können dadurch auch lange nach ihrem Bekanntwerden relevant bleiben.
Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass digitale Risiken längst nicht mehr nur einzelne Unternehmen betreffen. Ein Großteil der identifizierten Datenspuren steht mit Unternehmens- und Organisationsdomains in Verbindung. Damit wird deutlich, dass geleakte digitale Identitäten zu einem relevanten Risikofaktor für die gesamte österreichische Wirtschaft geworden sind.
Schwache Passwörter bleiben ein Einfallstor
Schwache und leicht zu erratende Passwörter sind weiterhin weit verbreitet. Weniger als fünf Prozent der analysierten Passwörter erfüllen empfohlene Sicherheitsstandards hinsichtlich Länge und Komplexität.
Zwar hat sich die Passwortqualität in den vergangenen Jahren verbessert, dennoch dominieren weiterhin einfache Zahlenkombinationen. „123456“ bleibt mit knapp 10.000 Treffern das häufigste Passwort.
„Cyberkriminelle müssen heute nur selten neue Informationen beschaffen. Oft genügt die Kombination aus historischen Datenlecks und wiederverwendeten Zugangsdaten. Genau deshalb behalten auch ältere Leaks ihre Relevanz“, so Pölzelbauer.
„Unsere Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Sichtbarkeit und Angreifbarkeit. Die Darknet-Studie macht sichtbar, wo Identitäten exponiert sind. Die Passwortanalyse zeigt, warum diese Exposition trotz ihres Alters noch immer ein reales Risiko darstellen kann“, so Löw-Beer.
Transparenz und Multi-Faktor-Authentifizierung sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen
Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen nicht nur ihre Systeme schützen müssen, sondern auch ihre digitalen Identitäten. Dazu gehört, bekannte Datenlecks regelmäßig zu überprüfen und besonders exponierte Konten rasch abzusichern.
Besonders wirksam sind starke Passwörter, Multi-Faktor-Authentifizierung und Schulungen für Mitarbeitende. Viele Angriffe beginnen heute nicht mit einer technischen Sicherheitslücke, sondern mit öffentlich verfügbaren Informationen über Personen und Unternehmen. Wer frühzeitig erkennt, welche digitalen Identitäten betroffen sind, kann das Risiko erfolgreicher Angriffe deutlich reduzieren.
„Unternehmen können Datenlecks nicht immer verhindern. Sie können aber verhindern, dass historische Datensätze zu erfolgreichen Angriffen führen. Entscheidend sind eine konsequente Mehr-Faktor-Authentifizierung, die laufende Überwachung exponierter Zugangsdaten und die Sensibilisierung jener Personen, die aufgrund ihrer Rolle besonders im Fokus von Angreifern stehen“, schließt Pölzelbauer.