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  • 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Start-ups – mehr als Vervierfachung gegenüber der Vorjahresperiode
  • Fast 95 Prozent des investierten Kapitals fließen an rein männliche Founding Teams
  • Frauenanteil unter den Gründer:innen von Start-ups mit Investment im 1. Halbjahr 2026 liegt bei nur 13 Prozent
  • Nur drei der 95 analysierten Start-ups mit Finanzierung und bekanntem Gründungsteam verfügen über ein ausschließlich weibliches Founding Team
  • Gründerinnen vor allem bei kleineren Finanzierungsrunden vertreten
  • Bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro besteht kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung

Wien, 16. September 2026. Der österreichische Start-up-Finanzierungsmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 eindrucksvoll an Dynamik gewonnen. Insgesamt flossen 472 Millionen Euro Risikokapital in heimische Start-ups. Gegenüber der Vorjahresperiode entspricht das einer Steigerung um 329 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der registrierten Finanzierungsrunden von 78 auf 97 und erreichte damit einen neuen Höchststand für ein Halbjahr. Das erste Halbjahr 2026 zählt somit zu den stärksten Finanzierungsperioden der österreichischen Start-up-Geschichte. Vom Aufschwung profitieren allerdings nicht alle Gründungsteams gleichermaßen: Weiterhin nehmen vor allem männliche Teams erfolgreich Kapital auf.

Das zeigt der Female Start-up Funding Index H1/2026, den EY Österreich, Female Founders und Fund F gemeinsam erstellt haben. Die Analyse berücksichtigt Start-ups mit Sitz in Österreich, die im Zeitraum Jänner bis Juni 2026 eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen haben. Die Ergebnisse zeigen somit, wie sich der Zugang zu Risikokapital auf unterschiedliche Gründungsteams verteilt.

„2026 ist bislang ein starkes Jahr für den österreichischen Start-up-Standort. Die hohe Anzahl an Finanzierungsrunden und der deutliche Anstieg des investierten Kapitals zeigen, dass Investor:innen wieder Vertrauen in den Markt haben. Gleichzeitig macht die aktuelle Analyse deutlich, dass der Aufschwung vor allem männlich geprägten Gründungsteams zugutekommt. Wer mehr Innovation und Wachstum will, muss dafür sorgen, dass Kapital künftig breiter verteilt wird“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

Fast das gesamte Kapital fließt an rein männliche Teams
Besonders deutlich wird die Ungleichverteilung beim Blick auf das investierte Kapital. Von dem Finanzierungsvolumen, das auf Start-ups mit bekannten Gründungsteams entfällt, gingen 94,9 Prozent an rein männliche Founding Teams. Gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals, rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 hat sich die Situation damit zwar leicht verbessert, die Verteilung bleibt jedoch weiterhin äußerst unausgewogen.

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Start-ups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, sagt Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, hat mehrere Gründe. Große Finanzierungsrunden werden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgreifen. Gleichzeitig zeigt sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen haben jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals.

„Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, so Haas. „Wer Zugang zu Investorennetzwerken, internationalen Fonds und großen Wachstumsrunden hat, hat bessere Chancen, Kapital aufzunehmen. Die Zahlen zeigen, dass Gründerinnen und gemischte Teams hier noch immer strukturelle Nachteile haben. Dadurch konzentriert sich ein großer Teil des Kapitals auf eine vergleichsweise kleine Gruppe von Unternehmen.“

Drei von vier finanzierten Start-ups mit rein männlichem Gründungsteam
Von den insgesamt 95 österreichischen Start-ups, die im ersten Halbjahr 2026 eine Finanzierung erhielten und deren Gründungsteams bekannt sind, verfügten 72 über ein ausschließlich männliches Founding Team (76 %). Weitere 20 Start-ups wurden von gemischten Teams gegründet (21 %), lediglich drei Start-ups hatten rein weibliche Gründungsteams (3 %). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Insgesamt umfassen die analysierten Gründungsteams mindestens 248 Personen. Davon sind 217 Männer und 31 Frauen. Der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Start-ups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, liegt somit bei rund 13 Prozent.

„Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt", sagt Natascha Fürst, CEO von Female Founders. „Diese Studie zeigt kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. Und das lässt sich nicht wegdiskutieren."

Health-Start-ups mit vergleichsweise hohem Frauenanteil
Je nach Branche zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders hoch ist der Frauenanteil in den Gründungsteams finanzierter Start-ups in den Bereichen AgTech, Recruitment – wo es jeweils allerdings nur eine bzw. zwei Finanzierungsrunden gab – und Health. Im Health-Sektor, in dem 17 Start-ups eine Finanzierung erhielten, lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen.

Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keinen einzigen weiblichen Gründungsanteil unter den finanzierten Start-ups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, sagt Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

Wachstumskapital bleibt die größte Hürde
Besonders schwierig bleibt der Zugang zu größeren Finanzierungsrunden: Bei Start-ups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro lag der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 %). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Gerade bei größeren Finanzierungsrunden entscheidet sich, welche Unternehmen international skalieren können“, führt Haas aus. „Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden.“

„Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr“, ergänzt Lisa Fassl. „Frauen dürfen gründen. Finanziert werden Männer.“

Aufschwung allein löst den Gender Investment Gap nicht
Der Female Start-up Funding Index H1/2026 zeichnet damit ein zweigeteiltes Bild. Einerseits erlebt Österreich den stärksten Finanzierungsaufschwung seit Jahren. Investor:innen investieren wieder deutlich mehr Kapital, die Zahl der Finanzierungsrunden erreicht einen Rekordwert und die Finanzierungslage vieler Start-ups verbessert sich spürbar.

Andererseits zeigt sich weiterhin eine starke Konzentration des Kapitals auf rein männliche Founding Teams. Die Rückkehr der Investor:innen verbessert die Finanzierungssituation insgesamt, führt aber bislang nicht zu einer ausgewogeneren Verteilung des Kapitals.

„Frauen sind die Mehrheit in Österreich, jedoch landet nur ein geringer Teil des Kapitals bei ihnen”, sagt Natascha Fürst. „Der Aufschwung bietet die Chance, dieses Missverhältnis zu korrigieren. Ob sie genutzt wird, hängt davon ab, ob Investor:innen bewusst auch außerhalb etablierter Muster investieren. Vielfalt entsteht nicht automatisch – sie muss aktiv finanziert werden.“

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at 

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EY_Florian Haas
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Lisa-Marie Fassl, Female Founders
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