Zu dieser Meldung gibt es: 4 Bilder
Wien, Jänner 2026: Mit einer Beteiligung von 97 Prozent setzt fast jede Volksschule Aktivitäten zur Förderung der gesunden Ernährung. Aber: Nur 29 Prozent der Schulen können für ihren Mittagstisch eine Auszeichnung für kindgerechtes Essen nachweisen. Das zeigt die repräsentative Studie unter Schulleiter:innen, die SIPCAN mit Unterstützung des Kinderverpflegungsspezialisten Goldmenü durchgeführt hat.

Zwischen Bildungsanspruch und Umsetzung in der Praxis liegen Welten bzw. viele Prozentpunkte. Volksschulen beteiligen sich heute nahezu flächendeckend an Initiativen für gesunde Ernährung (97%) oder Bewegung (99%). Und auch der Anspruch an eine gesunde Ernährung beim Mittagstisch ist hoch. Besonders viel Wert legen die Schulleiter:innen etwa auf vegetarische Angebote (96%) sowie eine regionale (89%) und saisonale Küche (87%). 86 Prozent der Schulen berücksichtigen bei der Auswahl der Speisen Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien, 79 Prozent religionsspezifische Speisevorschriften. Und: Das Feedback der Schüler:innen ist bei der Erstellung der Speisepläne ebenfalls ein wichtiger Faktor, der Gehör findet. In der Praxis wird der dieser Anspruch an gesunde Ernährung jedoch oft nur zum Teil umgesetzt.

Versteckter Zucker auf dem Mittagstisch
Alle Schulen bieten Leitungswasser zum Mittagessen an. Bei jeder dritten Schule (33%) steht daneben aber noch ein Krug mit Verdünnsaft bzw. Sirup. Vorbildlich ist hier Wien. Dort werden neben Wasser nur Milch bzw. Milchgetränke angeboten. In allen anderen Bundesländern steht oft auch Sirup bzw. Verdünnsaft auf dem Mittagstisch, besonders in Kärnten (75%) sowie Steiermark und Oberösterreich (jeweils 44%). Manuel Schätzer, Studienleiter und Ernährungswissenschaftler bei SIPCAN findet diesen versteckten Zucker besonders bedenklich: „Sirupe schmecken vielen Kindern gut, enthalten aber bis zu 75 Prozent Zucker, ohne als derartig „süß“ wahrgenommen zu werden. Dabei enthält ein Glas Sirup-Getränk beinahe so viele Zuckerwürfel wie eine klassische Limonade.“ 

Nur zum Teil kindgerecht
37 Prozent der befragten Schulleiter:innen wissen nicht, ob ihre Schule über eine Zertifizierung für kindgerechtes Essen verfügt. Nur 63 Prozent konnten diese Frage überhaupt beantworten. Innerhalb dieser Gruppe geben 29 Prozent der Volksschulen an, über eine entsprechende Zertifizierung zu verfügen. Ohne den Spitzenreiter Oberösterreich mit einer Zertifizierungsrate von 72 Prozent würde dieser Wert deutlich niedriger ausfallen. In Kärnten, Salzburg und Tirol konnte keine einzige Volksschuldirektion eine Zertifizierung bestätigen. „Wenn Schulleiter:innen gar nicht wissen, ob ihr Mittagstisch den Kriterien für kindgerechtes Essen entspricht oder entsprechend zertifiziert ist, sagt dies viel über den Stellenwert des Mittagstischs aus. Tatsächlich erfüllen Speisepläne in Schulen oft nur bedingt den Standard für kindgerechte Ernährung – und dies obwohl Schulen eine gesundheitsfördernde Lebenswelt sein sollten,“ so der Studienleiter. Er sieht Essenslieferanten, die auf Kinder-Verpflegung spezialisiert sind, im Vorteil: „Diese entwickeln ihre Menüs in der Regel nach wissenschaftlichen Kriterien, gemeinsam mit Ernährungswissenschaftler:innen und Diätolog:innen. Schließlich sind Kinder keine kleinen Erwachsenen.“ Für Katharina Albrecht, Ernährungswissenschaftlerin beim Kinderverpflegungsspezialisten Goldmenü, sind bei kindgerechter Ernährung nicht nur Faktoren wie Salzgehalt, die richtige Balance aus Ballaststoffen, Vitaminen und Eiweiß oder der Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe wichtig. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Kinder lieber zu Gemüse greifen, wenn es klein geschnitten ist und sortenrein serviert wird. Und auch eine klassische Sauce Bolognese wird mit Linsen und Gemüse vollwertiger und schmeckt genauso gut.“

Wien mags cool 
Bei der Schulverpflegung dominieren externe Essenslieferanten wie Gasthäuser, Caterer oder Senior:innenheime klar: 81 Prozent der Angaben entfallen auf externe Anbieter, etwas mehr als die Hälfte (56%) davon auf Warmverpflegung (Cook & Hold). Mehrfachantworten waren möglich, da an einzelnen Schulen mehrere Verpflegungsformen parallel genutzt werden. Wien hebt sich deutlich ab: In den Rückmeldungen der Schulleiter:innen entfällt der überwiegende Teil (89%) auf frisch gekochtes und gekühltes Essen (Cook & Chill). Warmverpflegung (Cook & Hold) wird – wenn überhaupt – vorwiegend über interne Schulküchen (7%) abgedeckt. In Vorarlberg ist gekühltes Essen ebenfalls noch leicht in der Mehrheit (41%), während im restlichen Österreich gilt: Warmverpflegung ist die erste Wahl. Besonders ausgeprägt ist dies im Burgenland (94%), Kärnten (81%) und Niederösterreich (68%). In Salzburg fällt hingegen der vergleichsweise hohe Anteil tiefgekühlter Menüs (Cook & Freeze) auf: Mit 24 Prozent der Antworten liegt Salzburg vor Tirol (16%), Niederösterreich (11%) und der Steiermark (10%).

Verpflegung kommt auf Schulausstattung an
„Prinzipiell sagt die Verpflegungsart noch nichts darüber aus, wie gesundheitsfördernd das Essen ist“, betont Manuel Schätzer. Alle Systeme hätten Vor- und Nachteile. „Warmes Essen eignet sich etwa für Schulen ohne eigene Küche und ohne Möglichkeit der Speisenaufbereitung“, ergänzt Katharina Albrecht. Der Nachteil sei allerdings, dass die Speisen bis zur Essensausgabe warmgehalten werden müssen, was eine gut abgestimmte Logistik erfordere. Laut Hygieneleitlinien dürfen Speisen dabei nur begrenzte Zeit, in der Regel maximal drei Stunden, warmgehalten werden. „Stehen Speisen zu lange, verlieren sie an Konsistenz und Geschmack, vor allem aber auch an Vitaminen. Ein erneutes Aufwärmen ist aus hygienischen Gründen nicht möglich“, so Ernährungswissenschaftlerin Albrecht. 

Deutlich flexibler seien gekühlte und tiefgekühlte Speisen. Durch rasches Kühlen bzw. Tiefkühlen werde der Garprozess gestoppt, wodurch Nährstoffe besser erhalten bleiben. Zudem werde nur die tatsächlich benötigte Menge aufbereitet. Diese Flexibilität spiegle sich auch in der Speisenvielfalt wider: Während an 71 Prozent der Volksschulen mit gelieferter Warmverpflegung nur ein Hauptgericht angeboten wird, ist es bei 57 Prozent der Standorte mit gekühlten oder tiefgekühlten Speisen möglich, zwei oder mehr Hauptgerichte zur Auswahl zu stellen. 

Da für rund jedes zweite Kind neue Lebensmittel und Speisen eine Herausforderung darstellen, könne es von Vorteil sein, wenn Kinder situationsbezogen wählen können. Während dies bei 21 Prozent der Standorte mit Warmverpflegung möglich ist, bieten 66 Prozent der Standorte mit Kühl- und Tiefkühlsystemen entsprechende Auswahlmöglichkeiten. 

Die Studie zeigt zudem, dass in den Bundesländern häufiger Gasthäuser und Senior:innenheime als Essenslieferanten für Warmverpflegung (Cook & Hold) fungieren. Diese Struktur könnte sich jedoch verändern. „Seit einigen Jahren ziehen sich zunehmend Gasthäuser aus der Essensbelieferung von Schulen zurück. Das bringt viele Standorte in organisatorische Schwierigkeiten“, berichtet Katharina Albrecht. „Gleichzeitig zeigt die Praxis ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass Schulverpflegung nicht nur satt machen, sondern auch kindgerecht und gesundheitsfördernd sein sollte. Dafür setzen wir uns bei SIPCAN seit vielen Jahren ein“, so Studienleiter Manuel Schätzer abschließend.


Über die Studie
Für die Studie wurden telefonisch 351 Interviews mit Volksschuldirektor:innen mit einem standardisierten Fragebogen geführt. Ausgewählt wurden die befragten Schulen auf Basis einer geschichteten Zufallsstichprobe, gewichtet nach Bundesländern sowie Stadt-/Land-Verteilung. Die somit gewonnenen repräsentativen Ergebnisse ermöglichen erstmals eine generalisierte Aussage über die Verpflegung an Volksschulen auf Bundesebene sowie den einzelnen Bundesländern.
Über SIPCAN 
Als gemeinnütziges wissenschaftliches Institut setzt sich SIPCAN seit 20 Jahren für die Förderung eines gesundheitsbewussten Ernährungs- und Lebensstils in Österreich ein. Dafür entwickelt SIPCAN sowohl Unterrichtsprogramme als auch Konzepte zur kindgerechten Verpflegung. Im Schuljahr 2024/25 profitieren bundesweit mehr als 230.000 Kinder und Jugendliche an über 1.200 Schulen von diesen Angeboten. Um die Situation an Schulen wissenschaftlich fundiert erfassen zu können, führt SIPCAN regelmäßig repräsentative Studien durch. Ziel ist es, unter anderem den öffentlichen Diskurs anzuregen und zu einer weiteren Verbesserung beizutragen. www.sipcan.at


Über Die Menü-Manufaktur GmbH

Die Menü-Manufaktur startete 1995 als Vertriebs GmbH des deutschen Gemeinschaftsverpflegers Hofmann Menü-Manufaktur GmbH mit einem kleinen Verkaufsteam in Ansfelden. Seit 2008 kocht Die Menü-Manufaktur GmbH in der eigenen Produktionsküche in Wien Floridsdorf. Bis zu 15.000 Menüs pro Tag werden dort nach österreichischen Rezepten und in Handarbeit hergestellt, portioniert und verpackt. Die schockgefrosteten, gekühlten und heißen Menüs werden unter der Marke Goldmenü an über 300 Kindergärten, Horte und Schulen, mehrere Heime und Mahlzeitendienste, sowie unter HOFMANNs an mehr als 300 Betriebe in ganz Österreich geliefert. Die Menü-Manufaktur GmbH legt dabei Wert auf altersgerechtes, abwechslungsreiches und ausgewogenes Essen, regionale und saisonale Zutaten und verzichtet bewusst auf Konservierungsstoffe und künstliche Zusätze.

www.goldmenue.at
www.hofmanns.at

Kontakt

Die Menü-Manufaktur

Rückfragehinweis

SIPCAN – Initiative für ein gesundes Leben
Bundeskoordination: Univ.-Lektor Mag. Dr. Manuel Schätzer
m.schaetzer@sipcan.at
+43 664/13 82 258 

Die Menü-Manufaktur GmbH
Marketing & Kommunikation: Barbara Fellner 
barbara.fellner@hofmanns.at

Katharina Scheyerer-Janda
katharina.scheyerer-janda@ikp.at
+43 699 11882316

Alle Inhalte dieser Meldung als .zip:

Sofort downloaden In die Lightbox legen

Bilder (4)

DMM_Foto 1
1 698 x 2 858 © Die Menü-Manufaktur
SIPCAN_Foto 2
1 000 x 1 216 © SIPCAN
SIPCAN - Im Fokus_Schulverpflegung_Mittagstisch VS_Getraenkeauswahl 2026
4 500 x 3 182
SIPCAN - Im Fokus_Schulverpflegung_Mittagstisch VS_Auszeichnung 2026
4 500 x 3 182