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16.10.2019

EY Automotive Analyse 10/2019

EU-Neuwagenmarkt trotz starkem Wachstum in labiler Verfassung

Gerhard Schwartz, EY Österreich

Gerhard Schwartz, Leiter des Bereichs Industrial Products bei EY Österreich

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  • WLTP-Effekte führen zu Turbulenzen auf dem Neuwagenmarkt: Pkw-Absatz in der EU steigt im September um 14,5 Prozent – extrem niedriges Vorjahresniveau
  • Neuzulassungen von Elektroautos stark im Plus – weiteres starkes Wachstum im kommenden Jahr erwartet
  • Österreich ist Vorreiter bei Elektromobilität – Marktanteil reiner Elektroautos am Neuwagenmarkt steigt im bisherigen Jahresverlauf auf 4,2 Prozent
Wien, 16.10.2019. Die Pkw-Neuzulassungen in der EU stiegen im September um gut 14 Prozent, in Österreich sogar um 22 Prozent. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein fulminantes Marktwachstum, entpuppt sich allerdings bei näherer Analyse als Enttäuschung: Die hohe Wachstumsrate kam nämlich allein aufgrund des extrem niedrigen Vorjahresniveaus zustande.

Im September 2018 hatte die Umstellung auf den neuen Prüfstandard WLTP EU-weit zu einem Absatzeinbruch von 23,5 Prozent geführt – in Österreich gab es sogar ein Minus von 41,8 Prozent –, nachdem in den Vormonaten massiv ältere, nur nach NEFZ zertifizierte, Modelle in den Markt gedrückt worden waren. Das Wachstum im September 2019 konnte den Einbruch im Vorjahr längst nicht ausgleichen – unter dem Strich lag das Absatzniveau deutlich unter dem – nicht WLTP-beeinflussten – Niveau der Jahre 2015 bis 2017. In Deutschland wurde im September sogar das zweitschlechteste Ergebnis seit der Jahrtausendwende erzielt.

Die jetzigen Gewinner sind die Verlierer des Vorjahres
Kräftig aufwärts ging es vor allem für die Unternehmen, die im Vorjahr massive Einbußen verzeichnet hatten – allen voran der Volkswagen-Konzern, der im September 2018 noch EU-weit ein Minus von 48 Prozent eingefahren hatte, und der im September dieses Jahres seine Neuzulassungen in der EU um 47 Prozent steigern konnte.

„Die größten Gewinner des vergangenen Monats waren die größten Verlierer des Vorjahresmonats“, beobachtet Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei EY Österreich. Bei Fiat waren die Neuzulassungen im September 2018 um 32 Prozent eingebrochen, bei Renault um 27 Prozent – in diesem Jahr verzeichneten beide Unternehmen hingegen starke Zuwächse von 14 bzw. 28 Prozent.

„Der starke Anstieg der Neuzulassungen im September sagt wenig über den tatsächlichen Zustand des Automarktes aus“, fasst Schwartz zusammen. „Aussagekräftiger sind der Vergleich zu September 2017 und die Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf – und die zeigt immer noch nach unten.“ Derzeit liegt das Niveau der Neuzulassungen in der EU um 1,4 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum, in Österreich beläuft sich das Minus im bisherigen Jahresverlauf sogar auf 6,3 Prozent.

Schuld an dem de facto relativ schwachen Ergebnis im vergangenen Monat könnte die Umstellung auf die nochmals verschärfte WLTP2-Norm gewesen sein, die zum 1. September 2019 wirksam wurde. Diese hat im Sommer erneut zu vorgezogenen Neuzulassungen geführt – was wiederum an den gestiegenen Händler-Eigenzulassungen ablesbar ist. Obendrein dürfte es derzeit geringfügige Einschränkungen bei der Verfügbarkeit WLTP2-zertifizierter Modelle geben, die auch in den kommenden Monaten den Markt leicht dämpfen dürften.

Elektroautos mit starkem Wachstum
Weitgehend unbeeinflusst von den WLTP-Verzerrungen entwickeln sich die Neuzulassungen von Elektroautos. Und hier zeigt sich, dass der steile Aufwärtstrend der vergangenen Monate weiter Bestand hat: In den fünf größten Absatzmärkten kletterten die Neuzulassungen reiner Elektroautos um 139 Prozent, die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden immerhin um 44 Prozent. In Österreich wuchs der Absatz von Elektroautos um 75 Prozent, bei Plug-in-Hybriden betrug das Plus 36 Prozent.

Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Marktanteil rein elektrisch betriebener Neuwagen in den Top-5-Märkten bei 1,4 Prozent, im September waren es schon 2,0 Prozent. Österreich erweist sich als Vorreiter in Sachen Elektromobilität mit einem Marktanteil reiner Elektroautos von 4,2 Prozent im bisherigen Jahresverlauf und 4,6 Prozent im September.

Für das kommende Jahr rechnet Schwartz mit einem deutlich höheren Absatzniveau von Elektroautos: „Neue erschwingliche Modelle kommen auf den Markt – auch im Kleinwagensegment, so dass Elektromobilität für ganz neue Käuferschichten attraktiv wird.“ Schwartz rechnet für das kommende Jahr mit einem Anstieg des Marktanteils in den Top-5-Märkten auf über fünf Prozent und in Österreich auf etwa acht Prozent. „Die Hersteller haben ein großes Interesse, ab dem kommenden Jahr in großem Stil Elektroautos auf die Straße zu bringen, um ihre CO2-Bilanz aufzubessern und hohe Strafzahlungen abzuwenden. Neue Modelle, günstige Finanzierungsangebote und eventuell ein höherer Umweltbonus dürften im neuen Jahr für kräftigen Schub sorgen.“

Unsicherer Ausblick für den Neuwagenmarkt
Womöglich wird in den kommenden Monaten erneut zu beobachten sein, dass die Hersteller versuchen, in großem Stil große Fahrzeuge in den Markt zu drücken. Der Grund: Ab dem Jahr 2020 gelten in der EU die neuen, deutlich strengeren Vorgaben für den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte – die Hersteller werden daher bestrebt sein, die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit hohem CO2-Ausstoß noch in das Jahr 2019 zu ziehen, was zu einem künstlichen Boom bei den Neuzulassungen großer Pkw zum Jahresende führen könnte. Umgekehrt könnten die Neuzulassungen von Elektroautos tendenziell in das kommende Jahr verschoben werden, was den Aufwärtstrend bei Elektroautos leicht bremsen würde.

„Ein weiteres unkalkulierbares Risiko für den EU-Absatzmarkt ist der Brexit“, betont Schwartz. „Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, würde dies auch den Neuwagenmarkt empfindlich treffen. Ohnehin sind die eingetrübten Konjunkturaussichten kein gutes Omen für das vierte Quartal und das kommende Jahr.“

EY im Überblick
EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von 160 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt rund 280.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Kunden überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Transaktionsberatung und Managementberatung.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at  

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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