- EU-Neuwagenmarkt wächst im Juli um sieben Prozent – Vorjahresniveau wegen Sondereffekts aber besonders niedrig
- EU-Absatz von Elektroautos wächst um 39 Prozent, Marktanteil steigt von 12,1 auf 15,6 Prozent
- Für Erreichen der EU-Ziele müsste das Elektro-Wachstum deutlich stärker sein
Wien, 28. August 2025. Leichte Entspannung auf dem EU-Neuwagenmarkt: Nach einem Rückgang um sieben Prozent im Juni legten die Neuzulassungen im Juli um sieben Prozent zu. Insgesamt liegt der Neuwagenabsatz damit im bisherigen Jahresverlauf um 0,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Ein Grund für das Wachstum im Juli dürften die aufgrund eines Sondereffekts besonders niedrigen Absatzzahlen im Juli 2024 gewesen sein: Seit Anfang Juli 2024 sind in der EU für neu zugelassene Fahrzeuge zusätzliche Assistenzsysteme vorgeschrieben, zudem trat eine neue Cybersecurity-Richtlinie in Kraft. Viele Hersteller und Händler hatten vor dem Stichtag Fahrzeuge neu zugelassen, die den neuen Vorschriften nicht mehr entsprachen. Diese vorgezogenen Neuzulassungen führten im Juni 2024 zu einem überdurchschnittlich hohen Absatzniveau – und zu einem entsprechend schwachen Juli 2024.
Trotz des Wachstums im Juli lag der Neuwagenabsatz immer noch knapp 20 Prozent niedriger als im Vergleichsmonat im Vorkrisenjahr 2019. In Österreich wurde hingegen im vergangenen Monat ein überdurchschnittlich starkes Wachstum der Neuzulassungen um 32 Prozent registriert.
„Europaweit ist die Nachfrage nach Neuwagen nach wie vor auf niedrigem Niveau, eine positive Trendwende ist nicht in Sicht. Österreich entwickelte sich im Juli gänzlich gegensätzlich – von einem langfristig positiven Trend ist aber noch nicht zu sprechen“, sagt Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY. „Grundsätzlich hat sich an den Rahmenbedingungen nichts geändert, was in Europa nach wie vor zu einer großen Kaufzurückhaltung sowohl bei Privatkund:innen als auch Unternehmen führt. Schwache Konjunktur, ein hohes Preisniveau für Neuwagen, große Unsicherheit auch geprägt durch anhaltende geopolitische Konflikte prägen das Umfeld. Es spricht wenig für eine Verbesserung der konjunkturellen Lage in Europa und auch die geopolitischen Rahmenbedingungen bleiben äußerst unsicher – das wird sich auch auf den Automarkt auswirken.“
Während der Gesamtmarkt sich im laufenden Jahr auf niedrigem Niveau eher seitlich bewegt, gibt es durchaus relevante Veränderungen bei den Marktanteilen der Konzerne: Im bisherigen Jahresverlauf konnten von den größeren Autokonzernen vor allem BMW, Renault und Volkswagen überdurchschnittlich stark wachsen und Marktanteile gewinnen, während insbesondere Toyota, Stellantis, Hyundai und Tesla Marktanteile abgegeben haben. Insgesamt legten die Pkw-Neuzulassungen der drei deutschen Autokonzerne in den ersten sieben Monaten des Jahres um vier Prozent zu – bei einem Rückgang des Gesamtmarktes um 0,7 Prozent. Ihr gemeinsamer Marktanteil stieg damit von 37,5 auf 39,3 Prozent.
Elektroautos legen weiter zu
Auf den ersten Blick sehr erfreulich entwickelt haben sich im Juli die Neuzulassungen von Elektroautos, die EU-weit um 39 Prozent zulegten, in Österreich sogar um 68 Prozent. Allerdings muss auch bei diesem vermeintlichen EU-weiten Boom das niedrige Vorjahresniveau berücksichtigt werden: Im Juli 2024 waren die Elektro-Neuzulassungen EU-weit um elf Prozent gesunken. Über einen Zweijahreszeitraum ergibt sich daraus eine jährliche Wachstumsrate von gerade einmal elf Prozent.
„Die Entwicklung der Elektromobilität schreitet voran, jedoch langsamer als erwartet“, bemerkt Preiss. „Die Industrie hatte mit wesentlich höheren Wachstumsraten gerechnet, nun müssen Hersteller und Zulieferer ihre Pläne anpassen. Es zeichnet sich ab, dass wir noch viele Jahre sowohl Verbrennungsmotoren als auch Elektroautos sehen werden. Der Elektroantrieb wird zwar weiterhin Marktanteile gewinnen, aber selbst, wenn sie jährlich um 20 Prozent zulegen, wird der E-Marktanteil erst in etwa sieben Jahren über 50 Prozent liegen.“
Um den Absatz von Elektroautos anzukurbeln, haben einige Hersteller zuletzt hohe Rabatte gewährt und günstige Finanzierungsangebote aufgesetzt. Preiss warnt aber: „Der Verkauf von E-Autos muss sich auch rechnen.“ Er schätze, dass die EU früher oder später die Vorgabe, ab 2035 nur noch Elektroautos neu zuzulassen, lockern könnte. „Der Erfolg der Elektromobilität lässt sich nicht erzwingen. Elektroautos müssen überzeugen und brauchen ein attraktives Gesamtpaket in punkto Reichweite, Ladedauer und Preis.“
Der Elektro-Marktanteil kletterte von 12,1 Prozent im Juli 2024 auf 15,6 Prozent im vergangenen Monat und lag damit auch deutlich über dem Durchschnittswert des Gesamtjahres 2024 (13,6 %). In Österreich stieg der Marktanteil von 15,5 auf 19,8 Prozent.
In 21 der 27 EU-Länder stiegen die Elektro-Neuzulassungen. Für den bisherigen Jahresverlauf ergibt sich EU-weit ein Wachstum der Neuzulassungen von Elektroautos um knapp ein Viertel (24 %), in Österreich um 45 Prozent.
Elektro-Marktanteil bleibt im Osten Europas weiterhin sehr niedrig
Einen hohen Anteil am Neuwagenmarkt hatten E-Autos im Juli erneut vor allem in Nordeuropa und den Benelux-Ländern. In vielen anderen EU-Ländern sind Elektroautos hingegen nach wie vor ein Nischenprodukt: In immerhin 13 EU-Ländern lag der Elektro-Marktanteil im Juli unter zehn Prozent.
Besonders niedrig ist der Marktanteil von Elektroautos weiterhin in den ost- und südosteuropäischen Ländern: In Kroatien lag er im Juli z.B. bei gerade einmal 1,1 Prozent, in Rumänien bei 3,2 Prozent.
In den skandinavischen und nordeuropäischen Ländern hingegen erfreuen sich Elektroautos großer Beliebtheit: Dänemark wies im Juli mit 67 Prozent erneut den EU-weit mit Abstand höchsten Marktanteil von Elektroautos auf – vor Finnland (36 %) und Schweden (35 %).
Tesla-Neuzulassungen schrumpfen
Wie schon in den Vormonaten konnte der Elektroautobauer Tesla auch im Juli nicht vom europaweiten Aufwärtstrend bei Elektroautos profitieren. So sanken die Tesla Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahresmonat um 42 Prozent, der Anteil am Elektro-Markt hat sich von elf auf fünf Prozent verringert. Der Anteil am Gesamtmarkt schrumpfte von 1,3 auf 0,7 Prozent.
Im europäischen Vergleich ist zu erkennen, dass die Tesla-Neuzulassungen in den meisten EU-Ländern deutlich zurückgingen, am stärksten in den Niederlanden und Schweden. Vor allem in Spanien und Finnland wurde hingegen ein deutliches Wachstum der Tesla-Neuzulassungen registriert. Außerhalb der EU stiegen die Tesla-Neuzulassungen in Norwegen besonders stark.