- Jede:r zweite Autokäufer:in weltweit (50 %) plant wieder einen Verbrenner zu kaufen, während die Kaufabsicht für batterieelektrische Fahrzeuge auf 14 Prozent sinkt
- Reichweitenangst (29 %), fehlende Ladeinfrastruktur (28 %) und hohe Batteriekosten (28 %) bremsen die Nachfrage nach Elektroautos weiterhin deutlich
- Mehr als ein Drittel (36 %) potenzieller E-Auto-Käufer:innen überdenkt oder verschiebt die Kaufentscheidung aufgrund geopolitischer Unsicherheiten und veränderter Rahmenbedingungen
- Vernetzte Funktionen sind gefragt, autonome Fahrfunktionen bleiben umstritten, da sich nur 26 Prozent der Konsument:innen mit höheren Automatisierungsstufen wohlfühlen
Wien, 15. Jänner 2026. Die weltweite Begeisterung privater Käufer:innen für Elektroautos verliert laut einer aktuellen Umfrage spürbar an Schwung, auch wenn sich in den Verkaufszahlen ein differenzierteres Bild zeigt und die Absatzmärkte EU und China einen deutlichen und die Emerging Markets einen leichten Anstieg in der Nachfrage verzeichnen; nur in den USA sind Rückschritte zu sehen. Der aktuelle EY Mobility Consumer Index (MCI) 2025 zeigt dennoch, dass inzwischen 50 Prozent der globalen Autokäufer:innen planen, in den kommenden 24 Monaten ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu erwerben. Das entspricht einem Anstieg um 13 Prozentpunkte gegenüber 2024. Gleichzeitig sinkt die Kaufabsicht für batterieelektrische Fahrzeuge deutlich.
Der Mobility Consumer Index basiert auf einer weltweiten Befragung von rund 21.000 Konsument:innen in 32 Ländern – darunter auch Österreich – und analysiert unter anderem Kaufabsichten, Antriebstechnologien, Ladeinfrastruktur, Konnektivität und den Fahrzeugkaufprozess. Die Ergebnisse zeigen eine klare Trendwende: Die Präferenz für batterieelektrische Fahrzeuge fällt auf 14 Prozent, was einem Rückgang um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch Hybridfahrzeuge verlieren an Bedeutung und erreichen nur noch 16 Prozent, fünf Prozentpunkte weniger als 2024.
Regional ist diese Entwicklung breit abgestützt. Der Anteil jener Konsument:innen, die einen Verbrenner kaufen wollen, steigt in Nord- und Südamerika um 12 Prozentpunkte, in Europa um elf Prozentpunkte und im asiatisch-pazifischen Raum um zehn Prozentpunkte. Parallel dazu sinkt die Kaufabsicht für batterieelektrische Fahrzeuge in allen großen Weltregionen.
Geopolitik, Kosten und Infrastruktur dämpfen E-Auto-Nachfrage
Zwar geben 51 Prozent der potenziellen E-Auto-Käufer:innen an, dass ihre ursprünglichen Kaufpläne unverändert bleiben, gleichzeitig erklären jedoch 36 Prozent, dass sie ihre Entscheidung aufgrund geopolitischer Entwicklungen überdenken oder den Kauf verschieben. Neben politischen Unsicherheiten und veränderten Förderbedingungen zählen weiterhin praktische und wirtschaftliche Aspekte zu den größten Hemmnissen.
So nennen 29 Prozent der Befragten Reichweitenangst als zentrales Argument gegen den Kauf eines Elektroautos, 28 Prozent verweisen auf eine unzureichende Ladeinfrastruktur, weitere 28 Prozent sorgen sich über hohe Kosten für den Austausch der Batterie. Unter bestehenden BEV-Besitzer:innen bleibt insbesondere die Reichweite ein Thema, während bei Erstkäufer:innen die potenziellen Batteriekosten mit 37 Prozent die größte Sorge darstellen. Andreas Lindinger, Senior Manager im Bereich Nachhaltigkeit bei EY Österreich, erklärt: „Die meistgenannten Ängste zeigen den großen Aufklärungsbedarf, der immer noch zum Thema Elektroantrieb besteht. Im Durchschnitt liegt die tägliche Fahrdistanz bei 50 bis 100 Kilometer, während die Standardreichweiten neuer Modelle 300 bis 500 Kilometer betragen. Und Kosten für Batterietäusche sind kein relevanter Faktor, da es sich mittlerweile zeigt, dass die Batterien nach zehn Jahren immer noch rd. 90-95 Prozent Kapazität haben – das heißt, ein Tausch ist im Fahrzeuglebenszyklus in der Regel gar nicht notwendig.“
Auch beim Laden selbst zeigen sich klare Schwachstellen. 39 Prozent der Konsument:innen sehen Probleme bei der Verfügbarkeit von Ladestationen, 37 Prozent kritisieren lange Wartezeiten, und 32 Prozent empfinden die Kosten für das Laden als zu hoch. „Hier tun sich Chancen und ein wirtschaftliches Potenzial für Anbieter von E-Ladeinfrastruktur auf – und es braucht gerade für Unternehmen gute E-Ladeinfrastrukturstrategien“, kommentiert Lindinger.
Technologieoffenheit statt E-only-Strategie
Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich, sieht darin eine deutliche Veränderung der Konsumentenhaltung. „Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass sich viele Käufer:innen von einer rein elektrischen Ideallösung verabschieden. Entscheidungen werden pragmatischer und stärker entlang von Kosten, Infrastruktur und Alltagstauglichkeit getroffen. Der Markt bewegt sich weg von einem ‚E-only‘-Ansatz hin zu einer diversifizierten Antriebslandschaft, in der unterschiedliche Technologien unterschiedliche Bedürfnisse abdecken“, so Preiss. Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf Herstellerseite wider. Viele Automobilproduzenten passen ihre Strategien an, verstärken wieder den Fokus auf Verbrenner- und Hybridmodelle und justieren ihre E-Auto-Programme angesichts der veränderten Nachfrage.
Andreas Lindinger betont: „Die nachhaltige Transformation unseres Mobilitätsystems ist kein Selbstläufer. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und regulatorischer Unklarheit braucht es ökologisch und wirtschaftlich tragfähige Konzepte, die die Herausforderungen der Elektrifizierung der Fuhrparks adressieren. Das Einbeziehen der Nutzer:innen und ihrer Bedenken in Bezug auf Reichweiten, Ladeinfrastruktur und Arbeitsabläufe ist essenziell für eine erfolgreiche Umstellung, die letzten Endes auch den Wirtschaftsstandort stärkt.“
Interesse an neuen Modellen – aber mit wirtschaftlichem Nutzen
Trotz der Zurückhaltung gegenüber reinen Elektrofahrzeugen zeigen Konsument:innen Offenheit für neue Nutzungskonzepte. So gibt ein Drittel (33 %) der potenziellen BEV-Käufer:innen an, sich vorstellen zu können, an Vehicle-to-Grid-Modellen teilzunehmen und Strom aus ihrem Fahrzeug ins Netz zurückzuspeisen, wenn dies wirtschaftliche Vorteile bringt. Das unterstreicht das Interesse an Lösungen, die die Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit von Elektromobilität verbessern.
Vernetzte Funktionen gewinnen an Bedeutung, Autonomie bleibt sensibel
Auch vernetzte Fahrzeugfunktionen spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung. Besonders hoch ist die Bereitschaft zur Nutzung und Bezahlung von Services in den Bereichen Sicherheit, Schutz, Navigation und Wartung. Gleichzeitig nennen 39 Prozent der Befragten die hohen Kosten vernetzter Dienste als zentrales Hindernis. Zudem geben sechs von zehn Konsument:innen (60 %) an, dass sie sich mit niedrigeren Automatisierungsstufen in ihrem Fahrzeug wohler fühlen.
Fortgeschrittene autonome Fahrfunktionen stoßen weiterhin auf Zurückhaltung. Nur ein Viertel der Befragten (26 %) fühlt sich mit Automatisierungsstufe 3 oder höher wohl. Die größten Bedenken betreffen das Unfallrisiko, das 60 Prozent der Konsument:innen nennen, mögliche Technologieausfälle mit 51 Prozent sowie den Verlust der Kontrolle mit 50 Prozent.
Autohaus bleibt zentrale Schnittstelle im Kaufprozess
Trotz zunehmender Digitalisierung bleibt der stationäre Handel ein zentraler Faktor beim Fahrzeugkauf. 41 Prozent der Käufer:innen bevorzugen es weiterhin, den Kauf im Autohaus abzuschließen. Zwar ist dieser Wert gegenüber 61 Prozent im Jahr 2024 deutlich gesunken, dennoch bleibt das Autohaus der wichtigste Vertriebskanal. Käufer:innen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zeigen dabei eine etwas höhere Offenheit für Online-Abschlüsse als E-Auto-Käufer:innen. Letztere bevorzugen weiterhin die persönliche Beratung, insbesondere zu Themen wie Laden, Batterielebensdauer und neuen Technologien.