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21.10.2019

EY Start-up-Barometer Europa H1/2019

Finanzierung europäischer Start-ups auf Rekordniveau – Szene in Österreich stagniert, Finanzierungen werden kleinteiliger

Thomas Gabriel, EY Österreich

Thomas Gabriel, Partner und Leiter der Start-up-Initiative bei EY Österreich

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  • Mehr Geld für europäische Start-ups: Investitionen steigen im ersten Halbjahr um 62 Prozent, Zahl der Finanzierungen um zehn Prozent
  • Großbritannien führt Ranking beim Finanzierungsvolumen vor Frankreich und Deutschland an – Österreich belegt Rang 17
  • Finanzierungen in Österreich werden kleinteiliger: Volumen pro Finanzierungsrunde sinkt von 3,7 auf 2,5 Millionen Euro
  • Volumen in Österreich geht von 103 auf 90 Millionen Euro zurück, Anzahl der Finanzierungsrunden steigt von 25 auf 36
  • Größte Finanzierung des ersten Halbjahrs für das Internet-Satelliten-Start-Up-Unternehmen OneWeb – in Österreich sammelte das Wiener Biopharma-Start-up Hookipa Biotech das meiste Kapital ein
Wien, 16. Oktober 2019. Europäische Jungunternehmen haben im ersten Halbjahr so viel Geld erhalten wie nie zuvor: Der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro. Die Zahl der Finanzierungsrunden legte hingegen nur um zehn Prozent auf 2.301 zu.

Trotz des bevorstehenden Brexits konnte Großbritannien seine Spitzenposition innerhalb der europäischen Start-up-Szene behaupten und sogar ausbauen. An britische Start-ups flossen insgesamt 6,7 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (plus 112%) – das entspricht etwa 40 Prozent des gesamteuropäischen Finanzierungsvolumens. Französische Start-ups erhielten 2,8 Milliarden Euro, 43 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Deutschland belegt beim Investitionsvolumen knapp hinter der ‚Grande Nation‘ den dritten Rang – hier stiegen die Start-up-Investitionen um sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.

Im europäischen Städteranking liegt London mit 5,7 Milliarden Euro – mehr als im gesamten Vorjahr – auf dem ersten Platz. Mit großem Abstand schließen die Verfolger Paris (2,2 Milliarden Euro) und Berlin (2,0 Milliarden Euro) an. Insgesamt 230 Start-up-Investitionen wurden im Großraum Paris in der ersten Jahreshälfte gezählt, in Berlin waren es 129. London liegt mit 323 Finanzierungen auch hier weiterhin vorne. Auf den Rängen vier und fünf im Ranking nach Investitionssumme liegen Stockholm und Barcelona mit 1,2 Milliarden bzw. 263 Millionen Euro.

Das sind Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Die Studie basiert auf einer Analyse der Investitionen in europäische Start-ups. Als Start-ups werden dabei Unternehmen gewertet, die nicht älter als 10 Jahre sind.

„Der Finanzierungs-Boom für Jungunternehmen hält an“, beobachtet Thomas Gabriel, Partner und Leiter der Start-up-Initiative bei EY Österreich. „Immer mehr Start-ups erhalten frisches Kapital, und auch die investierten Summen klettern auf Rekordniveau. Gerade sehr große Deals boomen: Europaweit hat sich die Zahl der Transaktionen, bei denen 100 Millionen Euro und mehr geflossen sind, von zwölf auf 26 mehr als verdoppelt.“

„Die Dynamik ist beeindruckend und erreicht zunehmend auch kleinere Märkte, die bislang nicht so im Fokus standen. So stieg die Zahl der Finanzierungsrunden beispielsweise in Schweden um 19 Prozent, in der Schweiz um 25 Prozent und in Ungarn um 22 Prozent“, so Gabriel weiter.

Besonders auffallend sei der anhaltende Aufwärtstrend in Frankreich, so Gabriel: „Die französische Politik hat den Start-up-Sektor zur Chefsache erklärt und verfolgt das klare Ziel, Frankreich zum Top Start-up-Standort in Europa zu machen, indem bürokratische Hürden für Jungunternehmer abgebaut werden und der Staat Investoren und Gründer zusammenbringt. Die massive politische Unterstützung für die Start-up Szene zeigt Wirkung – bei der Zahl der Transaktionen liegt Frankreich inzwischen deutlich vor Deutschland auf Platz 2.“

Neben der dynamischen Entwicklung in Frankreich sei vor allem der enorme Vorsprung Londons bemerkenswert, fügt Gabriel hinzu: „Jeder dritte Euro an Risikokapital, der im ersten Halbjahr in Europa investiert wurde, floss an ein Londoner Start-up. Das Brexit-Chaos scheint der starken Entwicklung der Londoner Start-up-Szene kaum etwas anhaben zu können. Insgesamt 16 Finanzierungsrunden oberhalb der 50-Millionen-Euro-Marke wurden in der britischen Hauptstadt allein im ersten Halbjahr gezählt – Berlin und Paris kommen jeweils auf neun Transaktionen in dieser Größenordnung.“

Österreichische Start-up-Szene stagniert: Finanzierungen werden kleinteiliger
Der Trend zu einem Anstieg von Finanzierungsrunden in der österreichischen Start-up-Szene hat sich auch im ersten Halbjahr 2019 fortgesetzt. Allerdings werden die Finanzierungen kleinteiliger: Das durchschnittliche Volumen pro Finanzierungsrunde sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,7 auf 2,5 Millionen Euro. Während die Anzahl der Finanzierungsrunden von 25 auf 36 gestiegen ist, ging das Volumen gleichzeitig von 103 Millionen Euro auf rund 90 Millionen Euro zurück.

„Die Entwicklung der österreichischen Start-up-Szene in den letzten Jahren ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sehen wir eine steigende Anzahl an Finanzierungsrunden, immer mehr heimische Jungunternehmen erhalten frisches Kapital. Auf der anderen Seite sehen wir aber einen klaren Trend zu immer kleinteiligeren Finanzierungen. Es fehlen hierzulande nach wie vor die ganz großen Ideen für die ganz großen Finanzierungsrunden“, analysiert Gabriel.

Das zeige auch der europaweite Vergleich: Beim Finanzierungsvolumen liegt Österreich nur auf Rang 17. Die Top-10-Deals in Österreich hatten im ersten Halbjahr ein Durchschnittsvolumen von rund acht Millionen Euro – die Schweiz liegt bei 41 Millionen Euro, Deutschland bei 151 Millionen Euro.

„Im europäischen Vergleich hat die österreichische Start-up-Szene immer noch Aufholbedarf. Der Anteil des Investitionsvolumens für heimische Jungunternehmen am gesamten europäischen Kuchen liegt bei einem halben Prozent, der Anteil Österreichs an der Wirtschaftsleistung hingegen erheblich über zwei Prozent. Hier zeigt sich eine Lücke, die es im Sinne des Wirtschaftsstandorts Österreich zu schließen gilt“, betont Gabriel.

Ein stärkerer Aufschwung in der Start-up-Szene wäre auch ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Österreich, so Gabriel: „Start-ups spielen eine immer größere Rolle beim digitalen und auch ökologischen Wandel der österreichischen Wirtschaft. Mit ihren Innovationen geben sie neue Impulse und stoßen Veränderungsprozesse, auch bei etablierten Konzernen, an. Der Trend geht ganz klar dahin, dass nicht mehr nur Finanzinvestoren Start-ups mit frischem Kapital versorgen, sondern immer mehr Corporates und mittelständische Betriebe professionelle Venture-Capital-Set-ups oder Fonds aufsetzen. So kurbeln sie gezielt die eigene Innovation an“.

Britisches Start-up erhält das meiste Geld
Die größte Finanzierung des Jahres im bisherigen Jahresverlauf ging an ein britisches Unternehmen: Das Internet-Satelliten-Start-Up-Unternehmen OneWeb erhielt 1,1 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Transaktion war die 885-Millionen-Euro Finanzierung für den schwedische Batteriehersteller Northvolt, an der sich unter anderen Volkswagen und BMW beteiligten. Auf Rang drei folgt das Finanzdienstleistungsunternehmen Greensill Capital UK Ltd mit einer Finanzierung von über 700 Millionen Euro.
In Österreich holte sich das Biopharma-Start-up Hookipa Biotech, mit Sitz in Wien und New York, mit umgerechnet rund 33 Millionen Euro die größte Finanzierungsrunde des bisherigen Jahres. Auf Platz zwei folgt das Marketing Analytics Software-Start-up Adverity mit elf Millionen Euro, dahinter reiht sich das Grazer Lautsprecher-Start-up USound, das sich rund neun Millionen Euro sicherte, ein.

EY im Überblick
EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von 160 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt rund 280.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Kunden überall auf der Welt.
EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Transaktionsberatung und Managementberatung.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at  

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.



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Tel.: +43 1 211 70 1156
 
Susanne Hudelist
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Tel.: +43 1 524 77 90 19
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