- Rund ein Viertel des 2025 in Österreichs Start-ups investierten Kapitals stammt aus rein internationalen Investorenrunden – deutlich weniger als in den Boomjahren
- Knapp ein Sechstel des Kapitals kommt von ausschließlich österreichischen Investor:innen, vor allem im Seed- und Early-Stage-Bereich
- Gemischte Investorenkonsortien dominieren zwar weiterhin, bleiben jedoch überwiegend kleinvolumig
- Große internationale Growth-Fonds treten kaum mehr als neue Lead-Investoren auf
- Fehlendes Wachstumskapital bremst Skalierung und Internationalisierung
Wien, 27. Jänner 2026. Der österreichische Start-up-Finanzierungsmarkt bleibt 2025 stark unter Druck. Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr setzt sich die strukturelle Schwäche bei Investitionen fort. Zwar kommen weiterhin Finanzierungsrunden zustande, doch großvolumige Wachstumsfinanzierungen bleiben die Ausnahme. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Zusammensetzung der Investor:innen und der Herkunft des Kapitals.
Das sind die Ergebnisse des Start-up Investment Barometers 2025 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit invest.austria, dem führenden Netzwerk für Investor:innen am vorbörslichen Kapitalmarkt in Österreich. Berücksichtigt wurden veröffentlichte Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Internationales Kapital zieht sich schrittweise zurück
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt eine klare Verschiebung in der Investorenstruktur. In den Boomjahren 2021 und 2022 spielte internationales Kapital eine dominierende Rolle. Im Jahr 2021 entfielen zeitweise mehr als 90 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf internationale Investor:innen. Dieser außergewöhnlich hohe Anteil war jedoch kein struktureller Normalzustand, sondern das Ergebnis einiger weniger extrem großvolumigen Finanzierungsrunden: Vier Mega-Deals mit jeweils über 100 Millionen Euro verzerrten die Statistik massiv nach oben.
Mit dem Ende der Boomphase änderte sich dieses Bild grundlegend. 2022 lag der Anteil des internationalen Kapitals noch bei rund 40 bis 45 Prozent, getragen von einzelnen größeren Wachstumsrunden. 2024 sank dieser Anteil bereits auf rund ein Drittel des investierten Kapitals. 2025 verstärkte sich der Trend weiter: Nur noch rund ein Viertel des investierten Kapitals stammt aus rein internationalen Investorenrunden – und das bei insgesamt deutlich gesunkenem Gesamtvolumen.
„Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck einer strukturellen Marktveränderung. Internationale Geldgeber:innen investieren dort, wo ausreichend Deal-Größe, Wachstumstiefe und verlässliche Anschlussfinanzierungen vorhanden sind – und genau daran fehlt es derzeit in kleineren Märkten wie Österreich. Der extrem hohe internationale Kapitalanteil in den Boomjahren war stark von wenigen Großdeals getrieben. Heute sehen wir das andere Extrem: Ohne ausreichend große Wachstumsrunden ziehen sich internationale Investor:innen schrittweise zurück. Das ist ein strukturelles Signal und kein zyklisches“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Heimisches Kapital stabilisiert – kann die Lücke aber nicht schließen
Parallel dazu gewinnt heimisches Kapital relativ an Bedeutung. Knapp ein Drittel (31 %) des investierten Kapitals wird 2025 von ausschließlich österreichischen Investor:innen getragen. Besonders im Seed- und Early-Stage-Bereich sichern heimische Geldgeber:innen weiterhin die Basis des Ökosystems.
Gleichzeitig zeigt sich eine klare Grenze: Bei größeren Wachstumstickets stoßen österreichische Kapitalgeber:innen an strukturelle Limits. Großvolumige Anschlussfinanzierungen lassen sich aus dem heimischen Markt allein kaum darstellen.
Gemischte Konsortien dominieren – bleiben aber klein
Ein Großteil des investierten Kapitals entfällt 2025 weiterhin auf gemischte Investorenkonsortien, in denen österreichische und internationale Kapitalgeber:innen gemeinsam investieren. Diese Co-Investments unterstreichen grundsätzlich die internationale Anschlussfähigkeit des Standorts. Gleichzeitig bleiben auch diese Runden überwiegend kleinvolumig. Ohne größere Ankerinvestor:innen und ausreichend Wachstumskapital gelingt es nur eingeschränkt, Finanzierungsrunden in einer Größenordnung zu strukturieren, die für Skalierung und internationale Expansion notwendig wäre.
Verschiebung bei Investorentypen verstärkt den Engpass
Auch die Zusammensetzung der Investor:innen hat sich 2025 weiter verschoben. Der Markt wird zunehmend von Business Angels, kleineren Venture-Capital-Fonds sowie Bestandsinvestor:innen getragen. Große internationale Growth-Fonds treten hingegen kaum mehr als neue Lead-Investoren auf und fokussieren sich primär auf das Management bestehender Portfolios. Diese Entwicklung verstärkt den Trend zu kleineren Ticketgrößen und verlängert Finanzierungszyklen, insbesondere für Start-ups und Scale-ups in späteren Entwicklungsphasen.
„Das Problem ist nicht fehlendes Interesse, sondern fehlende Tiefe im Markt. Ohne ausreichendes Wachstumskapital bleibt Skalierung die Ausnahme – genau hier entscheidet sich, ob aus Start-ups internationale Player werden“, so Haas.
Wachstumskapital bleibt der zentrale Engpass
Die Analyse zeigt klar: Der österreichische Start-up-Markt funktioniert in der Breite, stößt aber bei Wachstumskapital systematisch an Grenzen. Internationale Investor:innen agieren selektiver, heimische Investor:innen können größere Tickets nicht ersetzen, und gemischte Konsortien bleiben zu klein, um nachhaltige Skalierung zu ermöglichen.
Aus Investor:innen-Sicht sind die notwendigen Hebel seit Jahren bekannt: wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen, moderne Mitarbeiterbeteiligungsmodelle, weniger regulatorische Komplexität und vor allem die Mobilisierung institutionellen Kapitals.
Ein zentraler Baustein ist die rasche und konsequente Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds, der gezielt institutionelles Kapital – etwa von Pensions- und Versicherungsfonds – in Venture Capital lenken soll.
„Österreich hat viele engagierte Investor:innen und starke Gründerteams. Doch der Einbruch des Investitionsvolumens um 56 Prozent ist ein unüberhörbares Alarmsignal. Damit international erfolgreiche Scale-ups entstehen, braucht es jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, da wir sonst innerhalb Europas den Anschluss verlieren. Gerade in Zeiten angespannter Budgets und knapper Fördermittel ist die Mobilisierung privater Mittel alternativlos. Die meisten europäischen Länder haben bereits steuerliche Anreizsysteme umgesetzt, um mehr Kapital in Innovationen zu lenken. Parallel dazu sollte der angekündigte Dachfonds nicht nur rasch umgesetzt, sondern auch attraktiv ausgestaltet werden. Nur durch eine international marktgerechte Struktur lässt sich sicherstellen, dass institutionelles Kapital endlich in ausreichender Menge gezielt in das Ökosystem fließt und die kritische Lücke beim Wachstumskapital schließt“, sagt Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria.
Standortentscheidung fällt jetzt
Der Rückgang internationalen Kapitals, die Verschiebung bei Investorentypen und der anhaltende Engpass bei Wachstumskapital markieren eine entscheidende Phase für den Start-up-Standort Österreich. Ob es gelingt, wieder mehr großvolumige Finanzierungsrunden zu ermöglichen und internationale Investor:innen zurückzugewinnen, hängt maßgeblich von den jetzt getroffenen Weichenstellungen ab.
„Kapital ist vorhanden – es wird aber vorsichtiger eingesetzt. Gelingt es, das Umfeld für Wachstumskapital gezielt zu verbessern, kann Österreich seine Attraktivität als Investitionsstandort nachhaltig stärken“, so Haas abschließend.