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  • Sechs von zehn Unternehmen betrachten den Fachkräftemangel als Risiko Nummer 1 für das eigene Wachstum
  • Industrie hat größte Rekrutierungsschwierigkeiten
  • Ein Viertel plant Stellenaufbau – 13 Prozent wollen allerdings Stellen streichen
  • Beschäftigungswachstum von 0,4 Prozent prognostiziert 
  • Umsatzeinbußen bei vier von zehn Unternehmen – plus sechs Prozent zum Vorjahr 
  • 30 Prozent sehen Chancen in KI zur Bekämpfung des Fachkräftemangels
  • Unternehmen in Kärnten haben die größten Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften – Wien die geringsten

Wien, 21.01.2026. In wirtschaftlich turbulenten Zeiten wird oft ein Blick auf den heimischen Mittelstand geworfen, um ein Stimmungsbild zu zeichnen. Während mittelständische Unternehmen bekannt für Adaption und Innovation sind, gibt es Faktoren, die Wachstum bremsen – auf Platz 1 rangiert seit Jahren der Fachkräftemangel. 

Sechs von zehn Unternehmen (62 %) zählen den Fachkräftemangel zu den größten Gefahren für das eigene Unternehmen, ein Drittel (34 %) hält ihn sogar für sehr gefährlich. Ein weiterhin hohes Niveau, wenn auch leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr (67 %).

Weitere bedeutsame Gefahren sind ein wirtschaftlicher Abschwung (59 %), hohe Energiepreise (56 %) und Inflation (63 %). 

Knapp drei Viertel (72 %) der mittelständischen Betriebe haben nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden – im Vorjahr waren es 71 Prozent. Besonders akut ist der Fachkräftemangel derzeit in der Industrie (85 %) und im Bereich Immobilien und Baugewerbe (71 %). Auch kleinere Unternehmen mit einem Umsatz von unter zehn Millionen Euro tun sich sehr schwer (41 %) bzw. schwer (38 %).

„Wenngleich es heuer eine geringe Steigerung gab, liegen die heimischen Mittelständler unter dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre (75 %). Der Anteil der Unternehmen, die die Rekrutierung von geeignetem Personal als sehr leicht bezeichnen, ist gegenüber dem Vorjahr von fünf auf aktuell neun Prozent gestiegen – das ist der höchste Wert seit Jahresbeginn 2016. Auch wenn die große Mehrheit immer noch Schwierigkeiten hat, geeignetes Fachpersonal zu finden, zeigt sich ein Aufwärtstrend, der sich in positiven Beschäftigungssignalen niederschlägt. Verhaltener Optimismus lautet die Devise – auch wenn bei jedem zweiten mittelständischen Betrieb aktuell Stellen unbesetzt sind“, so Erich Lehner, Partner und Mittelstandsexperte bei EY Österreich. 

Bei der Hälfte der befragten Unternehmen (50 %) sind derzeit Stellen unbesetzt. Besonders hoch ist der Anteil der Unternehmen mit Vakanzen aktuell bei Finanz- und anderen Dienstleistern (54 %), gefolgt vom Bereich Soziales, Wissenschaft, Bildung (53 %). Am geringsten ist der Anteil an Unternehmen mit vakanten Stellen derzeit im Sektor Transport/Verkehr/Energie (33 %). Fast jedes vierte Unternehmen (23 %), bei dem aktuell Stellen unbesetzt sind, hat Vakanzen im Bereich der Produktion, 17 Prozent der Unternehmen mit Vakanzen weisen unbesetzte Stellen im Bereich Marketing, Vertrieb, Kundendienst auf. Am seltensten gibt es aktuell unbesetzte Stellen in den Bereichen Finanzen sowie Geschäftsführung/Vorstand.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im August und September 2025 über 500 Verantwortliche von mittelständischen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen in Österreich befragt wurden. Das EY Mittelstandsbarometer erscheint seit 2008 mindestens einmal jährlich.

Positive Beschäftigungssignale
Auch wenn die Zahlen zeigen, dass es viele unbesetzte Stellen zu füllen gibt, plant ein Viertel der mittelständischen Betriebe in Österreich (24 %) derzeit, in den kommenden sechs Monaten zusätzliche Stellen zu schaffen – das sind etwas mehr als in den drei Vorbefragungen. Gleichzeitig wollen nur noch 13 Prozent der befragten Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl reduzieren, das sind deutlich weniger als zuletzt (18 %). Für die kommenden sechs Monate dürfte damit die Beschäftigungsdynamik im Mittelstand spürbar stärker ausfallen als in den vergangenen zwei Jahren, vor allem der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung plant, neue Positionen zu schaffen (39 %), im Gegenteil dazu möchte ein Viertel der Mittelständler aus der Sparte Immobilien & Baugewerbe (25 %) Positionen streichen. „Auch wenn der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Beschäftigte einstellen wollen, deutlich größer ist als der Anteil derer, die Stellenstreichungen beabsichtigen, soll die Zahl der Mitarbeitenden unterm Strich nur geringfügig – um 0,4 Prozent – steigen“, fasst Lehner zusammen.

Der Fachkräftemangel wird die österreichischen Mittelständler aber noch länger beschäftigen, sind sich drei Viertel einig: 74 Prozent rechnen damit, dass sich der Fachkräftemangel in Österreich in den kommenden Jahren (weiter) verschärfen wird (Vorjahr: 84 %). Besonders pessimistisch sind aktuell Unternehmen aus dem Bereich Transport/Verkehr/Energie: Hier gehen aktuell 84 Prozent von einer Verschärfung der Situation aus; am wenigsten pessimistisch sind Finanz- und andere Dienstleister (61 %). Jeder neunte Befragte rechnet aktuell nicht mit einer Verschärfung des Fachkräftemangels in Österreich (Vorjahr: 2 %).

Such- und Rekrutierungskosten stark gestiegen
Vier von zehn der befragten mittelständischen Unternehmen (41 %) geben an, infolge des Fachkräftemangels Umsatzeinbußen zu verzeichnen bzw. nicht alle Umsatzpotenziale realisieren zu können – 14 Prozent davon sogar erheblich, doppelt so viele wie im Vorjahr (7 %). Besonders betroffen sind Finanz- und andere Dienstleister (43 %) und der Bereich Transport/Verkehr/Energie (42 %).

Gestiegene Such- und Rekrutierungskosten machen dem heimischen Mittelstand zu schaffen: Bei 45 Prozent der Unternehmen sind in den vergangenen fünf Jahren diese Kosten gestiegen, bei nur vier Prozent sind sie gesunken. Im Durchschnitt gab es einen Kostenzuwachs um rund neun Prozent – vor allem im Tourismus.

Teilzeit-Boom bremst
Als wichtigsten Grund für den Fachkräftemangel in österreichischen Unternehmen machen die befragten Betriebe die mangelnde Bereitschaft unter Bewerber:innen bzw. Arbeitskräften aus, in Vollzeit zu arbeiten (46 %, Vorjahr: 61 %). Zweitwichtigster Grund ist aus Sicht der Betriebe eine unzureichende Ausbildung und Qualifikation der Bewerber:innen (37 %). Nur jeder sechste Betrieb (17 %) nennt als einen wichtigen Grund für den aktuellen Fachkräftemangel eine unzureichende Unterstützung seitens der Regierung. „Der allseits belächelte Obstkorb reicht schon längst nicht mehr, um die Mitarbeiter:innen an Bord zu holen. Darum setzt der Mittelstand hierzulande auf die Intensivierung der Aus- und Weiterbildung des bestehenden Personals, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und das Angebot von attraktiven Zusatzleistungen und Benefits. Jede einzelne dieser Maßnahmen wird von jeweils mindestens 44 Prozent der befragten Mittelständler ergriffen. Wenn man ein Team möchte, das gibt, muss man als Unternehmen auch bereit sein, zu geben“, ergänzt Lehner. 

Doch die mittelständischen Betriebe stellen auch Anforderungen – auch an die Politik. Jeder zweite Befragte (50 %) wünscht sich von der Regierung eine Bildungsförderung für qualifizierte Fachkräfte; gut ein Drittel (34 %) erwartet sich eine verstärkte staatliche Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen und fast jeder Dritte (32 %) fordert die Erhöhung der Attraktivität von spezifischen Arbeitsplätzen. Eine gezielte Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften wird von gut jedem vierten Mittelständler (27 %) gefordert. Derzeit gibt es kaum Zustimmung zu den staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels: Lediglich sechs Prozent der befragten Unternehmen äußern sich positiv, während immerhin 36 Prozent der Betriebe die Maßnahmen negativ bewerten – vor allem die Industrie (43 %) bzw. die Sparte Immobilien & Baugewerbe (40 %). 

KI im Einzelfall als Chance gegen Fachkräftemangel
Die große Mehrheit der befragten Mittelständler (70 %) sieht keine Möglichkeiten, KI im eigenen Unternehmen so einzusetzen, dass es die Auswirkungen des Fachkräftemangels abmildert. Immerhin jedes zehnte Unternehmen setzt KI hierfür allerdings bereits ein und weitere 20 Prozent halten den Einsatz von KI in diesem Bereich für wirksam, auch wenn sie selbst hierfür aktuell noch keine KI einsetzen. Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von KI zum Zwecke der Abmilderung des Fachkräftemangels bei Finanz- und anderen Dienstleistern (22 %), gefolgt vom Tourismus (18 %). 

Regionale Unterschiede deutlich
In Tirol planen vier von zehn Unternehmen (40 %), die Stellen in den kommenden Jahren auszuweiten und sind damit österreichweit am einstellungsfreudigsten – und nehmen dafür auch viel Geld in die Hand. Unternehmen in Tirol verzeichnen den höchsten durchschnittlichen Anstieg der Such- und Rekrutierungskosten (54 %), Unternehmen im Burgenland und in Wien sowie Vorarlberg den geringsten (28 % bzw. je 40 %). 

Kärnten ist aktuell vom Fachkräftemangel am stärksten betroffen – die Hälfte (48 %) findet sehr schwer ausreichend qualifizierte Mitarbeitende, weitere 29 Prozent schwer. Am leichtesten ist die Recruitinglage derzeit für die Steiermark (22 % sehr schwer, 46 % schwer) und Wien (23 % sehr schwer, 41 % schwer). Die meisten Vakanzen tun sich derzeit ex aequo in Kärnten und Salzburg (je 62 %) auf. Im Burgenland sind die wenigsten Arbeitsplätze zu besetzen (19 %). 

Auf Platz 2 des geplanten Stellenausbaus rangiert Kärnten gleichauf mit Wien (je 27 %) hinter Tirol. Die meisten Streichungen sind in Vorarlberg (23 %) und dem Burgenland (21 %) geplant – sogar mehr als Stellenausbau (15 % bzw. 8 %). Damit sind diese beiden Bundesländer die einzigen in ganz Österreich mit negativer Beschäftigungsprognose. 

Die Unzufriedenheit mit den Regierungsmaßnahmen ist besonders weit verbreitet in der Steiermark (51 %) und in Oberösterreich (41 %) – in Wien ist nur ein Viertel (25 %) negativ gestimmt.

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at 

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EY Bettina Loidhold

Bettina Loidhold
Comms & Engagement Lead | Brand, Marketing & Communications Austria
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Erich Lehner, EY Österreich
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