- Mehr als 8 von 10 Mittelstandsunternehmen messen digitalen Technologien einen hohen Stellenwert für das eigene Geschäftsmodell bei
- KI im Mittelstand angekommen: 43 Prozent nutzen KI-Anwendungen – bei Unternehmen mit mehr als 30 Mio. Euro Umsatz sogar 70 Prozent
- Investitionshemmnisse: 33 Prozent nennen Hürden, vor allem fehlendes Personal und begrenzte Budgets – gleichzeitig sehen zwei Drittel keine Barrieren
- Standortbedingungen verbessern sich leicht: 40 Prozent bewerten die Rahmenbedingungen für Digitalisierung positiv
- Größter Schulungsbedarf bei Datensicherheit/Cybersecurity – Unternehmen setzen bei Kompetenzaufbau auf Trainings und Neueinstellungen
Wien, 11. März 2026. Digitalisierung ist für Österreichs Mittelstand längst kein „nice-to-have“ mehr – sie wird zunehmend zur entscheidenden Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Innovationskraft. Neue digitale Lösungen verändern nicht nur einzelne Prozesse, sondern ganze Wertschöpfungsketten, Kund:innenanforderungen und Geschäftsmodelle. Vor allem Themen wie Automatisierung, Cloud-Services, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz (KI) rücken dabei in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen.
Diese Entwicklung zeigt sich klar in der aktuellen EY-Erhebung: 82 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen messen digitalen Technologien heute eine mittelgroße bis sehr große Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell bei – im Vorjahr waren das nicht einmal zwei Drittel (64 %). 38 Prozent sehen sogar einen sehr großen Stellenwert, über doppelt so viele wie noch vor einem Jahr (17 %). Damit erreichen beide Werte ein Rekordniveau seit Beginn der Vergleichsdaten im Jahr 2016.
Quer durch die Branchen nehmen digitale Technologien jedoch einen unterschiedlichen Stellenwert ein: Die höchste Bedeutung haben sie für das Geschäftsmodell der Finanzdienstleister (55 %), gefolgt von Tourismus sowie Transport/Verkehr/Energie (43 %). An dritter Stelle liegt die Gesundheits-, Life-Sciences-Branche, wo 39 Prozent der Digitalisierung den größten Stellenwert zuschreiben. Unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt finden sich Handel & Konsumgüter (35 %), die Industrie (32 %), Immobilien und Baugewerbe (27 %) und Soziales/Wissenschaft/Bildung bei 26 Prozent. Je umsatzstärker das Unternehmen, desto größer die Bedeutung der Digitalisierung. Große Unternehmen mit über 30 Millionen Euro Umsatz sehen zu 44 Prozent einen sehr hohen Stellenwert; jene mit 10 bis 30 Millionen Euro Umsatz zu 38 Prozent. Unter den kleineren Betrieben mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz sagt nur mehr ein Drittel (33 %) aus, dass digitale Technologien einen hohen Stellenwert für ihr Geschäftsmodell aufweisen.
„Digitalisierung ist im Mittelstand endgültig im Kern der Unternehmenssteuerung angekommen. Die Rekordwerte zeigen, dass viele Unternehmen nicht mehr nur über Digitalisierung sprechen, sondern sie als zentralen Hebel für Effizienz und Innovation begreifen. Gleichzeitig steigt der Druck: Wer seine Digitalisierung nicht konsequent weiterentwickelt, riskiert langfristig Wettbewerbsnachteile“, so Susanne Zach, Leiterin Data & AI bei EY Österreich.
Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die über 500 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitende in Österreich befragt wurden.
Digitalisierung wird überwiegend als Chance gesehenDie Grundhaltung gegenüber der Digitalisierung bleibt sehr positiv: 62 Prozent der Unternehmen bewerten die zunehmende Digitalisierung (eher) als Chance – 31 Prozent eindeutig, weitere 31 Prozent eher. Nur sieben Prozent sehen sie (eher) als Bedrohung. Für 31 Prozent stellt die Entwicklung weder eine Chance noch eine Bedrohung dar. Damit überwiegt der Anteil der Optimist:innen klar – quer durch Branchen und Bundesländer.
Trotz des hohen Stellenwerts digitaler Technologien zeigt sich bei der strategischen Verankerung noch Potenzial: Erst gut jedes fünfte Unternehmen (22 %) verfügt bereits über eine eigenständige Digitalstrategie. Besonders hoch ist der Anteil dabei in Branchen wie Finanz- und andere Dienstleistungen (39 %) sowie bei größeren Unternehmen über 30 Mio. Euro Umsatz (28 %). Dennoch verfügt fast jedes zweite Unternehmen (47 %) über keine solche Strategie und beabsichtigt auch nicht, eine zu erstellen – Schlusslicht ist hier im Branchenvergleich der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung mit gerade einmal sieben Prozent.
Investitionshemmnisse: Personal und Budget als größte BremsfaktorenTrotz wachsender Investitionsbereitschaft nennt ein Drittel der Unternehmen (33 %) Faktoren, die verhindern, dass sie überhaupt oder stärker in die Digitalisierung investieren. Als zentrale Hürden werden dabei vor allem fehlendes Personal sowie begrenzte finanzielle Ressourcen genannt (je 12 %).
Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch: Zwei Drittel der Betriebe (67 %) sehen aktuell keine Investitionshemmnisse, die die Digitalisierung grundsätzlich einschränken.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es weniger an der Einsicht mangelt – sondern vielmehr an Umsetzungsressourcen. Gerade kleinere Betriebe benötigen Unterstützung bei der Priorisierung von Projekten, beim Zugang zu Talent und bei der Umsetzung über Partnernetzwerke“, so Christoph Mayer, Technology Alliance Lead bei EY.
KI als Schlüsseltechnologie: Nutzung nimmt stark zuEin besonders dynamisches Bild zeigt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz: 43 Prozent der befragten Mittelständler nutzen bereits KI-Anwendungen im eigenen Unternehmen – im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 26 Prozent. Weitere 12 Prozent planen ganz konkret, KI einzusetzen. Auffällig ist dabei der deutliche Unterschied nach Unternehmensgröße: Bei Betrieben mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Mio. Euro liegt der Anteil der KI-Anwender:innen sogar bei 70 Prozent. Eine interessante Entwicklung zeigt sich auch branchenbezogen: Zwar liegt der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung bei der Entwicklung einer Digitalstrategie zurück, beim KI-Einsatz ist er mit 56 Prozent jedoch Spitzenreiter.
„Der sprunghafte Anstieg belegt, dass KI mittlerweile im Alltag vieler Unternehmen angekommen ist. Entscheidend wird nun sein, KI nicht nur punktuell einzusetzen, sondern mit klaren Prioritäten zu skalieren – etwa in Bereichen wie Kundenservice, Wissensmanagement, Prozessautomatisierung oder Qualitätssicherung“, sagt Susanne Zach.
Auch bei den Investitionsprioritäten wird KI immer relevanter: Fast bei jedem fünften Betrieb (19 %) liegt der aktuelle Investitionsfokus im Bereich digitaler Technologien auf KI. 16 Prozent konzentrieren sich auf Data & Analytics, nur sechs Prozent auf Metaverse. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Zwei von drei Unternehmen (67 %) verfolgen derzeit keinen speziellen Investitionsfokus auf einzelne digitale Technologien – was darauf hinweist, dass Digitalisierung häufig noch breit und eher opportunistisch umgesetzt wird.
Personaleinsparungen durch KI: Erwartung bleibt stabilWährend KI in vielen Bereichen Effizienzgewinne ermöglicht, rechnen nicht alle Unternehmen mit einem direkten Einfluss auf Beschäftigung: 24 Prozent erwarten mittel- bis langfristig Personaleinsparungen durch den Einsatz von KI-Anwendungen – ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr (26 %) weitgehend stabil bleibt. Die Mehrheit (76 %) geht hingegen davon aus, dass KI im eigenen Unternehmen nicht zu einem Personalabbau führen wird.
„Viele Unternehmen sehen KI weniger als Rationalisierungsinstrument, sondern vielmehr als Möglichkeit, Mitarbeitende zu entlasten und Produktivität zu steigern – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel. Damit KI wirklich wirksam wird, braucht es aber klare Verantwortlichkeiten, saubere Daten und gezielte Weiterbildung“, so Mayer.
Standortbedingungen: positive Bewertungen steigen – jedoch unter langjährigem SchnittAuch die Rahmenbedingungen am Standort Österreich werden etwas besser bewertet als im Vorjahr: 40 Prozent beurteilen die Bedingungen für Digitalisierung als gut oder eher gut. 51 Prozent sehen sie als mittel, neun Prozent als (eher) schlecht. Der Anteil der positiven Bewertungen ist damit gegenüber dem Vorjahr (33 %) zwar gestiegen, liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt der letzten sieben Jahre (52 %).
Regional zeigen sich Unterschiede: Überdurchschnittlich positiv bewerten Unternehmen in Tirol (58 %), Niederösterreich (46 %) und Wien (44 %) die Rahmenbedingungen, unterdurchschnittlich schneiden Burgenland (27 %), Oberösterreich (31 %) und Vorarlberg (32 %) ab.
Kompetenzaufbau im Fokus: größter Schulungsbedarf bei CybersecurityMit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch der Bedarf an Kompetenzausbau. Den größten Schulungsbedarf sehen Unternehmen bei ihren Mitarbeitenden im Bereich Datensicherheit/Cybersecurity (29 %), gefolgt von Prozessautomatisierung (20 %) und Digitale Tools (18 %).
Um diese Kompetenzlücken zu schließen, setzen viele Betriebe vor allem auf Fort- und Weiterbildungen: Fast vier von zehn Betrieben (38 %) haben bereits umfassend geschult, 26 Prozent haben konkret vor, Trainings anzubieten. Gleichzeitig hat jedes fünfte Unternehmen bereits kompetente Talente aufgebaut (19 %) und weitere 26 Prozent planen – mit Blick auf die kommenden ein bis zwei Jahre – verstärkt Neueinstellungen mit digitalem Know-how, um die internen Kapazitäten und das Tempo der Umsetzung zu erhöhen. Damit wird deutlich: Digitalisierung wird nicht nur als technologische, sondern zunehmend auch als organisatorische und personelle Transformationsaufgabe verstanden.