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  • 93 Prozent des gesamten investierten Kapitals fließen 2025 an rein männliche Gründerteams
  • Rein weiblich gegründete Start-ups erhalten lediglich rund 0,3 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens
  • Nur rund drei Prozent der 2025 finanzierten Start-ups wurden ausschließlich von Frauen gegründet
  • Je größer die Finanzierungsrunde, desto geringer der Gründerinnenanteil – bei Wachstumsrunden teils nahe null

Wien, 12. März 2026. Die anhaltende Finanzierungsschwäche im österreichischen Start-up-Ökosystem trifft Gründer:innen nicht gleichmäßig. Besonders deutlich zeigt sich das bei der Verteilung von Risikokapital nach Teamzusammensetzung. Die bereits bestehenden Ungleichgewichte im Zugang zu Wachstumskapital haben sich 2025 weiter verschärft – zulasten von Gründerinnen und gemischten Teams.

Das zeigt der Female Start-up Funding Index 2025, den EY Österreich, Female Founders und Fund F gemeinsam erstellt haben. Die Analyse berücksichtigt Start-ups mit Sitz in Österreich, die im Zeitraum Jänner bis Dezember 2025 eine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen haben. 

„Die aktuelle Finanzierungskrise wirkt nicht neutral. Wenn Kapital knapper wird, verstärken sich bestehende Strukturen – und Gründerinnen geraten besonders unter Druck. Das ist kein Randthema, sondern ein strukturelles Risiko für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

Kapital konzentriert sich massiv auf rein männliche Teams
Die Detailauswertung zeigt eine extreme Konzentration des investierten Kapitals auf rein männliche Gründerteams. 93 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens im Jahr 2025 entfielen auf Start-ups, die ausschließlich von Männern gegründet wurden. Gemischte Teams vereinten lediglich 6,7 Prozent des Kapitals auf sich, während rein weiblich gegründete Start-ups nur rund 0,3 Prozent des gesamten investierten Volumens erhielten.

„Alle die noch immer glauben, dass Österreich ein attraktiver Standort für Start-ups ist, wachen jetzt hoffentlich endgültig auf. Wir müssen der Realität ins Auge sehen: Es ist 2026, die Welt ist geprägt von einer Krise nach der anderen, und wir schaffen es nicht, die kreativsten und klügsten Köpfe dazu zu motivieren, ein Unternehmen zu gründen und die Probleme unserer Zeit zu lösen. Die Tatsache, dass es 2025 einen so massiven Finanzierungseinbruch gab, liegt nämlich vor allem daran, dass es schlichtweg zu wenig VC-relevante Unternehmen gibt“, sagt Lisa Fassl, Managing Partner bei Fund F.

Rückschritt gegenüber dem Vorjahr
Auch im Jahresvergleich zeigt sich eine weitere Verschärfung. Der Kapitalanteil rein männlicher Gründerteams ist 2025 erneut gestiegen, während der Anteil gemischter Teams weiter zurückging. Rein weiblich gegründete Start-ups spielten auch 2025 faktisch keine Rolle im Finanzierungsmarkt.

„Wie wir aus der Vergangenheit wissen, sind Frauen immer überproportional von wirtschaftlich herausfordernden Zeiten betroffen. Die Unternehmensfinanzierung ist hier leider keine Ausnahme: Die Gesellschaft wird allgemein konservativer, man verlässt sich auf Bewährtes, Rollen, Muster und systemische Biases verstärken sich. Der einzige Weg, wie wir dagegenhalten und das Potential von Gründerinnen nutzen können, ist Frauen zu Investorinnen zu machen und gezielt Kapital für Gründerinnen zu mobilisieren. Das ist sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich sinnvoll, da Teams mit weiblicher Beteiligung vermehrt in Bereichen wie Media & Entertainment oder Gesundheit gründen – und nicht nur in Hype-Themen wie KI & Defense Tech“, so Fassl.

„Österreich hat die Chance, sich in Europa als Standort mit echtem Wettbewerbsvorteil zu positionieren: Wer versteht, dass unterschiedliche Lebensrealitäten zu breiteren Problemdefinitionen und besseren Innovationen führen, baut Produkte, die mehr Menschen erreichen – und damit schneller skalieren“, sagt Natascha Fürst, CEO von Female Founders.

Wachstumsfinanzierungen bleiben für Gründerinnen besonders schwer zugänglich
Besonders deutlich wird das Ungleichgewicht bei größeren Finanzierungsrunden. Während der Gründerinnenanteil bei kleineren Runden bis zu einer Million Euro noch bei rund neun Prozent liegt, sinkt er mit zunehmender Deal-Größe massiv. In einzelnen Größenklassen größerer Wachstumsrunden ist der Anteil weiblicher Gründer:innen nahe null.

„Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit wir das enorme Potenzial von Frauen im Tech-Bereich hebeln. Der Upside ist riesig: mehr Innovation, mehr Wachstum, mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend wird sein, wann wir uns von veralteten Rollenmustern verabschieden – und ein Ökosystem bauen, in dem Talent mehr zählt als Tradition“, so Fürst.

Strukturelles Problem mit langfristigen Folgen
Der Female Start-up Funding Index 2025 macht deutlich, dass sich die Kapitalflaute nicht gleichmäßig auf alle Gründerteams verteilt. Während rein männliche Teams auch in einem schwierigen Marktumfeld den Großteil des verfügbaren Kapitals auf sich vereinen, geraten Gründerinnen und gemischte Teams zunehmend ins Hintertreffen – insbesondere ab der Wachstumsphase.

„Die aktuellen Zahlen zeigen kein temporäres Marktphänomen, sondern ein strukturelles Muster in der Kapitalvergabe. Internationale Investor:innen investieren dort, wo ausreichend Deal-Größe, Wachstumstiefe und verlässliche Anschlussfinanzierungen vorhanden sind. In kleineren Märkten wie Österreich fehlen diese Voraussetzungen zunehmend – und das trifft Gründerinnen und gemischte Founding Teams besonders stark, weil sie ohnehin seltener Zugang zu größeren Runden haben“, so Haas.

„Kapital ist nicht neutral. Es folgt Mustern, Netzwerken und Routinen – und genau deshalb verschärfen sich Ungleichgewichte in wirtschaftlich angespannten Phasen. Für den Standort Österreich und Europa ist das nicht nur eine Frage der Fairness, sondern knallharte Standortpolitik: Wenn wir Gründerinnen bei (großen) Tickets nicht mitfinanzieren, lassen wir Wachstum, Innovation und internationale Champions liegen. Mehr Gleichberechtigung im Tech-Bereich kann einen spürbaren Wachstumsschub liefern – bis zu plus sieben Prozent BIP pro Jahr. Wer dieses Potenzial nicht hebt, verschenkt wirtschaftliche Schlagkraft“, so Fürst.

Ohne gezielte strukturelle Maßnahmen droht sich diese Finanzierungslücke weiter zu verfestigen. Der eingeschränkte Zugang von Gründerinnen und gemischten Teams zu Wachstumskapital wirkt sich dabei nicht nur auf einzelne Unternehmen aus, sondern hat langfristige Folgen für die Innovationskraft, die Qualität von Geschäftsmodellen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Start-up-Standorts Österreich.

EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at 

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EY Bettina Loidhold

Bettina Loidhold
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Susanne Hudelist
ikp Wien
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Florian Haas, EY Österreich
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Lisa-Marie Fassl, Managing Partner bei Fund F
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Natascha Fürst, CEO von Female Founders
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